Titel: Boussingault und Payen, über die Düngerarten.
Autor: Boussingault,
Payen,
Fundstelle: 1842, Band 86, Nr. LXXXV. (S. 372–384)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj086/ar086085

LXXXV. Ueber die Düngerarten; von Boussingault u. Payen. Zweite Abhandlung.

Aus den Comptes rendus, Okt. 1842, Nr. 14, S. 657.

In unserer ersten Abhandlung (polyt. Journal Bd. LXXXII S. 134) suchten wir den relativen Werth der Düngerarten durch die analytischen Resultate zu bestimmen. Die uns seitdem zugekommenen praktischen Beobachtungen schienen den als Grundlage zu dieser Werthbestimmung angenommenen Maaßstab zu rechtfertigen; wenigstens wurde kein ernstlicher Einwurf erhoben und die wohlwollende Aufnahme unserer ersten Versuche von Seite einsichtsvoller Praktiker veranlaßt uns, unsere Arbeit durch Untersuchung aller Düngerarten, die wir erhalten konnten, zu vollenden.

Zum Verständniß der in dieser zweiten Abhandlung niedergelegten Beobachtungen brauchen wir nur an die Definition zu erinnern, welche wir von kräftigen Düngern gaben; jezt noch, wie damals, scheint uns diese Definition der genaue Ausdruk wohlerwiesener Thatsachen zu seyn.

Der Dünger hat um so größeren Werth, je stärker sein Gehalt an stikstoffhaltiger organischer Substanz ist und besonders über jenen an nicht stikstoffhaltigen organischen Substanzen vorherrscht; endlich, je allmählicher und dem Fortschreiten der Vegetation angemessener die Zersezung der quaternären Substanzen vor sich geht.56)

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Wir beabsichtigen hier, den Werth der für cultivirtes Erdreich, welches Rükstände vorausgegangener Ernten, jene stikstoffarmen, aber an ternären organischen Substanzen reichen vegetabilischen Ueberbleibsel enthält, anwendbaren Düngerarten zu bestimmen. Wir sezen übrigens voraus, daß einsichtsvolle Landwirthe sich noch besonders und zu billigem Preise die mineralischen Substanzen zu verschaffen wissen werden, welche die normale Zusammensezung des Bodens zu unterhalten und den Einfluß der Dünger zu sichern im Stande sind.

Wenn der auf dem Erdreich ausgebreitete Dünger die Pflanzenernährung allein unterhalten sollte, so müßte er alle organischen und anorganischen Elemente enthalten, welche, außer den der Atmosphäre entnommenen, während des Lebens der Pflanze assimilirt würden und in der Ernte enthalten wären. In diesem Falle müßte der Dünger auch verschieden seyn je nach der Beschaffenheit des Bodens, dem Klima, der Jahreszeit, der Art der angebauten Gewächse, der Lage und Neigung der Erdoberfläche, endlich auch nach dem Einfluß des unteren Erdreichs und der Rükstände vorausgegangener Ernten. Für diesen Fall würde die Zusammensezung der Dünger so complicirt und so veränderlich, daß jede allgemeine Regel unmöglich wäre; die wissenschaftlichen Angaben wären eitel Wahn, indem die verlangten Bedingungen nicht vortheilhaft vereinigt werden könnten. Man mußte daher, wie dieß seit langer Zeit geschieht, die den Boden fruchtbar machenden Substanzen in zwei große Classen theilen; die anorganischen Verbindungen tragen, abgesehen von den chemischen Eigenschaften, welche sie dem Erdreich ertheilen, indem sie ihm die zur vollkommenen Entwikelung der Pflanzen unentbehrlichen Mineralsubstanzen liefern, offenbar auch zur Verbesserung der physischen Eigenschaften der bebauten Gründe bei. Dahin gehören die gewissen Pflanzen insbesondere zuträglichen Salze, wie der Gyps für die Hülsenfrüchte, dann die Salze, welche in den meisten Pflanzen angetroffen werden, und alkalisch reagirende Substanzen, wie Kalk, Natron- oder Kalilauge, Holzasche etc., welche die Vegetation überhaupt auf jedem Boden befördern. Diese dem Landwirthe so nüzlichen Substanzen versteht man unter der Benennung Verbesserungs- und Reizmittel.

Die Substanzen, mittelst welcher den Pflanzen das zu ihrer reichsten Entwikelung unentbehrliche Wasser geliefert wird, können sowohl als Reizmittel, wie als Dünger betrachtet werden; die in den Pfüzen macerirten Pflanzenreste, die Wässerung selbst, die nur gar zu oft vernachlässigt wird, wo sie möglich wäre, helfen diesen wichtigen Zwek erreichen.

Die eigentlichen Dünger aber sind organischer Natur, sie müssen |374| dem Erdboden die ihm mangelnden, in Gase verwandelbaren oder auflöslichen Nahrungsmittel zuführen, welche die Gewächse sich assimiliren können.

Nun betrachtete man unter diesen Nahrungsmitteln ehedem mit Unrecht diejenigen als die wünschenswertesten, welche die reichlichste Kohlensäure-Entwikelung veranlassen konnten. Allein wir wiederholen es, mit Unrecht, denn diese sind in beständig cultivirtem Erdreich ohnedieß in Ueberfluß vorhanden, während die stikstoffhaltigen, der Fäulniß fähigen am schnellsten sich verlieren und daher dem Boden öfter wieder erstattet werden müssen; diese muß man beständig nachzuschaffen trachten, weil sie sich unausgesezt erschöpfen. Man kann sie daher mit Recht dem Landwirthe als die wichtigsten bezeichnen und indem man ihr Mengenverhältniß in den gewöhnlichen Düngerarten genau bestimmt, so ist hiedurch eine nüzliche Anleitung und das beste Mittel an die Hand gegeben, die den Landleuten so nachtheiligen Betrügereien bei den im Handel käuflichen Düngern zu entdeken.57)

Es haben übrigens hierüber zahlreiche, übereinstimmende Thatsachen, welche von den ausgezeichnetsten Agronomen bestätigt wurden, schon entschieden. Auch ist es denselben bekannt, daß gewisse Düngerarten zu gleicher Zeit die Verbesserungsmittel, die Reizmittel, Wasser und mehr oder weniger stikstoffhaltige organische Nahrungsmittel liefern; dieß ist der Fall mit den meisten Mistarten, welche nach Maaßgabe ihrer vielfältigen Dienstleistungen, dem Boden und der Art der angebauten Pflanze wohl angepaßt werden müssen; nämlich kühl bei trokenem oder sandigem Boden; warm bei feuchtem, kaltem Thonboden.

Die reichhaltigen, auf weitere Entfernungen transportablen Dünger können auf allen Arten des Bodens, für jede Art des Anbaues mit Vortheil angewandt werden, wenn ihre Einwirkung unterstüzt und die Kraft des Bodens entwikelt wird, durch am Orte selbst oder nicht fern von dem zu bestellenden Erdreich gewonnene Verbesserungs- und Befeuchtungsmittel.

Zur bessern Veranschaulichung dieses Gegenstandes wiederholen wir hier ein an einem anderen Orte schon angeführtes Beispiel. Auf einem trokenen und sandigen Erdreich, wo stark mit Wasser imprägnirter |375| Mist sehr gute Dienste that, versuchte man diese Düngung durch den gleichen Werth trokenen Bluts zu ersezen; was leicht vorauszusehen war, geschah: es gab eine Mißernte.

Ist daraus zu schließen, daß ein an sehr stikstoffhaltiger Substanz reicher Dünger unnüz oder gar schädlich wäre auf leichtem Boden? Nein keineswegs, denn ein ähnlicher Dünger, in kleiner Menge mit kühlem Mist vermengt, so daß der Gesammtgehalt an Stikstoff derselbe wurde, machte die Vegetation schöner und die Ernte reichlicher, als beim gewöhnlichen Anbau, zu welchem der kühle Dünger allein genommen worden war.

So sichern auch die grünen Düngerarten oder bloße Befeuchtung die Wirksamkeit des warmen Düngers auf sandigem und trokenem Boden.58)

Nachdem wir nun die Art und den Werth der Belehrung, welche aus unseren Analysen geschöpft werden kann, wohl bezeichnet haben, fügen wir noch einige besondere Bemerkungen über die in dieser neuen Arbeit behandelten Stoffe bei.

Herbstlaub. – Wir wählten absichtlich die Zeit, wo die Blätter von selbst zu Boden fallen; hier nämlich beginnt ihre Rolle als Dünger; später kann für ihre Zersezung eine bestimmte Zeit nicht mehr angegeben werden.

Unter den Forstspecies haben die Eichen- und Buchenblätter ziemlich gleichen Werth; sie vertreten wenigstens ihr dreifaches Gewicht Normaldüngers, und es wird hiedurch begreiflich 1) die Verbesserung der oberen Bodenschichten durch die Blätterabfälle im Allgemeinen; 2) der Schaden, welcher aus dem Wegschaffen dieses Laubes hervorgehen kann; 3) der Nuzen endlich, welcher daraus gezogen werden könnte, wenn man dieses Düngmittel auf urbar zu machendes Erdreich führen wollte.

Die Kraft des Laubes als Dünger hat sich im Elsaß in allen den Waldungen nahen Gemeinden bewährt; an solchen Orten erhält das Vieh keine andere Streu, und diese ist, wie die Analyse darthut, schon ein Dünger von hohem Werth.

Madia sativa. – Diese Pflanze scheint sich zur wohlfeilen Darstellung eines grünen Düngers zu eignen; so glaubte wenigstens Hr. Bazin (von Ménil-Saint-Firmin, Oise) und die ersten erhaltenen Resultate werden zu neuen Versuchen ermuthigen.

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In zwei Monaten der günstigen Jahreszeit bedekte sich ein guter Boden mit blühenden Stengeln (pieds en fleurs); es war dieß die Zeit zum Untergraben; zur selben Zeit schikte uns Hr. Bazin ein gemischtes Muster der Pflanzen, Wurzeln, Stengel, Blätter und Blüthen. Das Ganze, der Analyse unterworfen, zeigte einen etwas stärkeren Gehalt als der des landwirthschaftlichen Düngers.59)

Das von Hrn. Bazin auf 12500 Kilogr. für die Hektare geschäzte Gewicht der Ernte würde nach diesem Agronomen in mittelmäßigem Boden leicht erhalten, wenn ein nasserer Jahrgang der Entwikelung krautartiger Pflanzen günstiger wäre als das Jahr 1842.

Buchs, Zweige und Blätter desselben. – Wir analysirten Buchs mit seinen jungen Sprossen, Stengeln und bleibenden Blättern, wie er nach Hrn. Gasparin im Süden geschnitten wird; dieser grüne Dünger wird ganz einfach dadurch präparirt, daß man ihn auf den Straßen läßt, wo er durch die Füße der Pferde und Wagenräder zermalmt wird.

Man wird aus den in der Tabelle angeführten Zahlen ersehen, daß sein Stikstoffgehalt ihn den Eichen- und Buchenblättern sehr nahe bringt.

Cyderäpfel-Rükstände. – Mehrere Agronomen ziehen es noch in Zweifel, ob die Aepfelrükstände wirklich als Dünger betrachtet werden können, oder ob sie nicht eher schaden als nüzen; beide Meinungen stüzen sich auf positive Thatsachen. In an kohlensaurem Kalk sehr armem Erdreich waren diese Rükstände in der Regel von schlechtem Erfolg; auch in anderem Boden wurde schlechter Erfolg beobachtet, wenn die Aepfelrükstände allein oder mit wenig Erde vermengt sich zu nahe an den Würzelchen der Pflanzen befanden. Dieser ungünstige Einfluß scheint von der sauren Reaction des auflöslichen Theils dieser Rükstände herzurühren; wirklich hören diese scheinbaren Anomalien auf, wenn man sie mit einer hinlänglichen Menge Lauge anfeuchtet, um ihnen eine alkalische Reaction zu ertheilen und die nüzliche Wirkung des Düngers steht dann im Verhältniß mit seinem Stikstoffgehalte; die Flüssigkeit, womit er imprägnirt ist und die er mit Kraft zurükhält, gibt ihm die Eigenschaften eines kühlen Düngers, der vorzüglich für sandigen Boden paßt. Einer von uns düngt im Elsaß schon seit langer Zeit und mit gutem Erfolg die Erdbirnen (topinambours) mit Aepfelrükständen in Verbindung mit Weintrebern in einem stark thonhaltigen und hinlänglich kalkhaltigen Boden. Im Allgemeinen werden diese Rükstände, |377| so wie alle sauren Substanzen am besten unter den Mist gemengt, da ihr säurendes Princip am geeignetsten ist, den Ammoniakdunst zurükzuhalten.

Hopfenrükstände. – Dieser Rükstand der Brauereien, welcher noch vor Kurzem überall weggeworfen wurde, wird gegenwärtig an manchen Orten verwendet; er ist zwekdienlich, die compacte Erde zu zertheilen; man kann ihn um Vieles verbessern, wenn man ihn an der Luft austroknen läßt und dann der Streue für das Vieh beimengt; er dient dann zum Aufnehmen des Urins und die Zunahme des Verhältnisses stikstoffhaltiger Substanz ist um so vortheilhafter, als dadurch das Verhältniß und der Einfluß des nicht stikstoffhaltigen Theils der organischen Materie verringert wird. Diese Zunahme an Stikstoff kann bemessen werden, indem man den Stikstoffgehalt des Urins in Rechnung bringt.

Schaum vom Abklären des Runkelrübensaftes. – Dieser Schaum, welchen man in den Zukerfabriken erhält, besteht aus geronnenen eiweißartigen Substanzen und Kalk; er reagirt deutlich alkalisch; die in ihm enthaltene organische Substanz ist stikstoffreicher als die im Mist; durch seine Reaction und chemische Zusammensezung vereinigt er viele den Pflanzen nüzliche Eigenschaften; praktische Beobachtungen ergaben, daß sein Nuzeffect den theoretischen Voraussezungen entspricht; im Normalzustande gepreßt, aber noch ganz feucht, vertreten 7465 Kilogr. desselben 10000 Kilogr. landwirthschaftlichen Düngers.

Der Schaum, wie er aus der Presse kommt, hat eine plastische Consistenz, welche seine gleichförmige Vertheilung auf dem Boden erschwert; man muß daher, um diesem Uebelstand zu begegnen, den Schaum austroknen lassen, bis man ihn zerreiben kann. Er läßt sich dann leicht mittelst des Schlegels oder unter einem verticalen Mühlstein zermalmen und wie andere pulverige Dünger anwenden.

In der Jahreszeit der Rübenzuker-Fabrication (Ende Septembers bis Januar) ginge die Austroknung des Schaums langsam vor sich und wäre kostspielig; ökonomischer ist es, den Schaum mit so viel Wasser anzurühren, daß man eine ziemlich dünne Brühe erhält, welche ohne Schwierigkeit mit dem Mist vermengt wird, wenn man sie nicht lieber, wie den flämischen Dünger, mittelst der Wasserschaufel ausbreitet.

Durch Maceration behandelte Runkelrüben-Schnitten. – Dieser durch das sogenannte Macerations-Verfahren seines Zukers beinahe völlig beraubte Rükstand ist ärmer an stikstoffhaltiger Substanz als der aus der Presse kommende Brei und enthält bedeutend mehr Wasser als lezterer. Sein Gehalt als Dünger |378| ist auch nur 0,022 von dem des landwirthschaftlichen Düngers. Sein Aequivalent ist 4136, den Mist zu 100 gerechnet, wonach man ungefähr 40mal so viel von demselben für eine gleiche Erdoberfläche bedürfte. Die im Großen angestellten Versuche stimmen mit den Resultaten der Analyse überein; auch hat man sich bemüht, diesen Rükstand in einen kleinen Raum zu bringen, indem man einen Theil des Wassers durch besonderes Pressen entfernte; aber auch dann noch ist es nur ein schwacher Dünger, welcher in der Regel die Transportkosten nicht lohnt.

Oehlpreßkuchen. – Unter jenen, die wir seit dem Erscheinen unserer ersten Abhandlung analysirten, wird man als die reichhaltigsten die vom Leindotter, dem Mohnsamen und den Nüssen erkennen, welche ungefähr unter sich gleich sind; darauf folgen die Hanf-, die Baumwollsamen- und die Buchekerpreßkuchen. Die lezteren, sehr holzigen, werden manchmal als Brennmaterial gebraucht; der Oehlgehalt der Buchekern ist übrigens sehr verschieden.

Die Gewinnung und Reinigung des Oehls aus dem Baumwollsamen ist in Frankreich ein neuer Industriezweig, welcher dem Landbau einen nüzlichen Rükstand hinterläßt; der Werth desselben als Dünger ist ungefähr zehnmal so groß als der des Normaldüngers, dem Gehalt dieser beiden Dünger nach zu urtheilen.

Mist aus den Wirthshäusern im südlichen Frankreich. – Wir analysirten denselben mit Hrn. v. Gasparin, dem wir auch alle Aufschlüsse über seine Anwendung verdanken. Dieser Mist ist ein Product der Streu und Excremente der von Heu und Hafer genährten Pferde und Maulesel.

Die Probe davon wurde einen Monat, nachdem er in Haufen gelegt worden, noch warm, aber feucht genug war, um noch nicht ins Weiße überzugehen, genommen; das darin enthaltene Stroh ist erweicht, zusammengedrükt, aber nicht merklich zersezt; der Kubikmeter wiegt in diesem Zustande 660 Kilogr., und stark zusammengestampft bis 820 Kilogr.; er enthält 0,3942 trokner Substanz; diese repräsentirt 0,725 ihres Gewichts organischer Substanz; der gewöhnliche Preis dieses Düngers ist 1 Fr. 30 Cent. für 100 Kilogr.; diese Quantität gewährt dem Landmann einen Mehrbetrag des Products von 2 bis 5 Fr. in bewässertem Lande, aber nur von 93 Cent. bis 1 Fr. in trokenem sandigem Boden. Diese aller Beachtung würdige Thatsache beweist die Wichtigkeit günstiger Umstände für die Wirksamkeit der Dünger.

Man findet überhaupt, daß der Dünger aus den Wirthshäusern gut zweimal so reichhaltig ist als der landwirthschaftliche Normaldünger; dieß ist durch die geringere Menge Wasser, welche er enthält, |379| und durch die kräftigere Nahrung der ihn liefernden Thiere zu erklären. Er nähert sich den Pferde-Excrementen.60)

Guano. – Unter den Düngerarten, welche wir zur Zeit des Erscheinens unserer früheren Arbeit uns nicht verschaffen konnten, bedauerten wir vorzüglich den Guano zählen zu müssen, dessen Wirksamkeit die Praxis so wohl bewährte. Seitdem wurde dieser Dünger in England stark eingeführt; mehrere Landwirthe wandten ihn im Großen an; auch wir erhielten von unserem Ministerium der Agricultur und von auswärtigen Correspondenten mehrere Proben vom Guano und Anleitungen zu seinem Gebrauche; endlich wurden auch einige Anwendungen desselben hier zu Lande unternommen.

In England bedient man sich des vorher mit einem Viertheil seines Volums gepulverter Holzkohle vermengten Guano's; diese Vermengung scheint uns zwekmäßig, um sein Ausbreiten auf dem Boden zu erleichtern, was bei der Anwendung sehr reichhaltiger Düngerarten ein wesentlicher Umstand ist. Uebrigens hat einer von uns schon vor vielen Jahren den nüzlichen Einfluß der porösen Kohle angezeigt; derselbe besteht in der Mäßigung der freiwilligen Reactionen und im Zurükhalten eines Theiles der Gase.

Die auf einen Acre Landes gebrauchten Quantitäten entsprechen dem Mittel der durch unsere Analysen gefundenen Aequivalente; doch ist aus den bisherigen Resultaten noch kein genauer Schluß zu ziehen, denn das Mengenverhältniß seines Stikstoffs ist nach der Stelle verschieden, an welcher in diesen unendlich großen Lagern von Vogelexcrementen geschöpft wird; ein Grund mehr für die Handelsleute sowohl als die Consumenten, sich an die Resultate der chemischen Analyse zu halten.

Der durch Vermittelung des Ministeriums eingeführte Guano wurde um zweimal reichhaltiger befunden, als der von den englischen Pächtern bezogene, selbst nachdem dieser von einigem Sandgehalte befreit war; lezterer war von ziegelrother Farbe und roch deutlich nach gewissen wilden Vögeln; ersterer aber war von graulicher Farbe und gab einen stinkenden Geruch von sich.

Einige Landwirthe breiteten mit gutem Erfolg den Guano mit der Saat aus, wie dieß auch in Peru geschieht.

In manchen Fällen erhielt man sogar einen Erfolg, welcher den Werth dieses Düngers über den durch sein theoretisches Aequivalent ihm angewiesenen erhebt.61)

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Es ist eine große Aehnlichkeit in der Zusammensezung und Wirkung zwischen dem Guano und dem Taubenmist. Der Taubenmist wird im Departement der Vienne um 3 Fr. 75 Cent. bis 5 Fr. per Hektoliter von 40 Kilogr. Gewicht verkauft; den Landwirthen zu Lille kommt er noch höher; diese lassen ihn aus der Gegend von Arras kommen und wissen seine gute Einwirkung wohl zu schäzen.

Mist und Puppen der Seidenwürmer. – Dieß sind Rükstände, welche bis zur jüngsten Zeit in der Regel in die Umgebung der Seidenzucht- und Spinnanstalten geworfen wurden, wo sie durch ihre faulende Ausdünstung nur schaden konnten.

Gegenwärtig werden sie als Dünger gebraucht und es ist in Betreff derselben an das zu erinnern, was von den Vortheilen gesagt wurde, welche die Desinfection gewisser fäulnißfähiger Düngerarten mittelst Kohle gewährt.

Der Gehalt des Mists der Seidenraupen während ihres fünften und sechsten Lebensalters, wo sie davon am meisten geben, ist beinahe völlig gleich und zwar ist derselbe neunmal größer als der des Normaldüngers.

Die Puppen entsprechen nur ihrem fünffachen Gewicht an landwirthschaftlichem Dünger, weil wir sie ganz feucht analysirten, wie man sie aus den Seidenspinnereien erhält; getroknet würden sie denselben Werth wie die meisten Dünger aus thierischen Resten besizen.

Menschenharn. – Bekanntlich ist die Zusammensezung desselben sehr verschieden, namentlich nach der Nahrungsweise und der Menge Getränks in einer gegebenen Zeit. Um eine Mittelzahl zu erhalten, schöpften wir unsere Proben aus dem schnell sich anfüllenden Reservoir einer öffentlichen Pißanstalt. Zwei Analysen nach einem Tag Zwischenzeit genommener Proben gaben uns ziemlich gleiche Resultate.

Der gewöhnliche Harn vertritt das Doppelte seines Gewichts Normaldüngers; das trokene Extract aber ist seinem vierzigfachen Gewicht desselben Düngers gleich. Der mit vier Volumen Wasser verdünnte Urin, einige Zeit vor der Saat zur Begießung angewandt, dringt in den Boden ein, welcher durch seine Porosität die flüchtigen ammoniakalischen Substanzen genugsam zurükhält.

Wenn man aber den Harn für sich oder gemengt mit dem Dünger aufbewahren muß, so sollte man die zu leichte Verflüchtigung des kohlensauren Ammoniaks zu verhindern suchen. Diesen Zwek kann man auf wohlfeile Weise erreichen, wenn man schwefelsaures Eisen im Harn auflöst, sofern man solches billig haben kann. 6 bis 7 Kilogr. Eisenvitriol sind für 100 Kilogr. normalen Harns hinreichend. Man muß sich aber hüten, viel mehr Vitriol als das Aequivalent |381| des kohlensauren Ammoniaks zuzusezen, weil sonst eine deutliche saure Reaction entstehen würde, die vorzüglich einem wenig kalkhaltigen Erdreich schädlich ist.

Knochenkohle aus Raffinerien. – Solcher Dünger, aus Pariser Raffinerien nach der Mayenne gesandt, gab zu Streitigkeiten zwischen dem Versender und dem Empfänger Veranlassung; ein Versuch mit bloßem Einäschern schien die Klage zu rechtfertigen; man mußte zu Analysen schreiten, welche im Gegentheil sowohl durch den Stikstoffgehalt, als durch die Zusammensezung der Asche bewiesen, daß kein Betrug stattgefunden hatte, denn es fehlte nichts, als die während des Transports verdunstete Menge Wassers; der Dünger war also noch um etwas reichhaltiger als bei seinem Abgang aus der Raffinerie.

Holländischer Dünger. – Unter diesem Namen wurde den Landwirthen in der Umgegend von Lyon eine pulverige Substanz geliefert, welche die Analyse als identisch mit dem desinficirten Dünger (noir animalisé genannt) erkannte.

Blutdünger. – Gegenwärtig wird in England Blut mit 0,035 Kalk eingedampft, mit 0,12 sehr feiner Kohle oder Steinkohlenruß gemengt und dann ausgetroknet. Dieses, auf die Art, wie einige unserer desinficirten pulverförmigen Dünger bereitete Gemenge ist fünf- bis sechsmal reichhaltiger als die Knochenkohle der Raffinerien, entwikelt aber einen fauligen Geruch.

Berlinerblau-Rükstände mit Blut. – Auch dieses Gemenge ist eine künstliche Nachahmung der Kohlenrükstände der Raffinerien. Den Gehalt desselben wird man ebenfalls stark finden. Die kleine Quantität kohlensauren Kali's, welche in der kohligen Substanz zurükgeblieben, ertheilt ihr eine leichte alkalische Reaction, welche der Vegetation nur förderlich seyn kann.

Animalisirte Seekräuter. – Dieser Dünger wird in der Gegend von Marseille bereitet. Die beiden Proben, welche wir davon erhielten, gaben uns ziemlich dieselben Resultate, wonach sein Gehalt sechsmal so groß als der des Normaldüngers ist.

Alle numerischen Angaben sind in folgenden Tabellen enthalten.

|382|

Analysen und relative Werthe der Düngerarten.

Textabbildung Bd. 86, S. 382-383
|383|

Anmerk. In der Colonne A ist der Gehalt eines jeden als troken angenommenen Düngers mit jenem des ausgetrokneten Mistes – lezterer = 100 angenommen – verglichen.

In der Colonne B ist der Gehalt eines jeden Düngers im gewöhnlichen feuchten Zustand mit jenem des (= 100 angenommenen) feuchten Mistes verglichen.

Man sieht, daß der landwirthschaftliche Dünger von dem Dünger der Wirthshäuser sich vorzüglich durch den Gehalt an trokener Substanz unterscheidet; der erstere enthält deren 0,2, der zweite vertritt deren 0,4.

Diese Daten könnten zur Berechnung der Gränze dienen, bis zu welcher es von Nuzen wäre, den Dünger auszutroknen, um die Transportkosten desselben zu vermindern.

|384|

Aequivalente der verschiedenen Düngerarten.

Textabbildung Bd. 86, S. 384

Anmerk. Die Zahlen der ersten Colonne zeigen die Quantität eines jeden Düngers an, welche 100 trokenen Mists ersezen würde; die Zahlen der zweiten Colonne die Quantität jeden Düngers, welche 100 feuchten Mists ersezen würde.

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Vorzüglich der chemisch gebundene Stikstoff ist sonach von Nuzen und das Verhältniß, in welchem dieser vorhanden ist, bestimmt den Gehalt des Düngers.

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Die zahlreichen Streitigkeiten zwischen den Landwirthen und den Handelsleuten hinsichtlich des desinficirten Düngers und der Knochenkohle aus Raffinerien bewiesen, wie trügerisch das alte Probeverfahren war; große Vorzüge gewährt die an dessen Stelle tretende Bestimmung des Stikstoffgehalts; dieselbe wurde auch von Hrn. Malagutti, Professor in Rennes, eingeführt, unweit der Orte, welche in ihrem Landbau die ausgedehnte Anwendung dieser Düngerarten sich so zu Nuzen machen.

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Das getroknete Blut, welches beim Düngen der Zukerrohrfelder in den Kolonien von so großem Nuzen ist, ist für diese Cultur um so geeigneter, weil er die stikstoffhaltigen Nahrungsmittel ersezen kann, ohne, in anderen Düngerarten manchmal zu reichlich vorhandene, Mineralsalze in den Boden zu bringen, welche bei der Extraction des Zukers sehr hinderlich waren.

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Wurde dieser grüne Dünger getroknet, so war sein Gehalt 2 1/2 mal größer als der des troknen Krautwerks der Madia, welches nach der Bildung der Körner analysirt wurde.

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Die Abhandlungen der Société royale et centrale d'agriculture von 1842 enthalten wichtige Beobachtungen des Hrn. Grafen Gasparin über den Werth der Düngerarten in Bezug auf die angebauten Gewächse und gewisse Umstände.

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Die peruanische Regierung soll erst kürzlich die Ausfuhr des Guano's verboten haben.

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