Titel: Kraft's Verfahren Papierwalzen abzudrehen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 86, Nr. XX./Miszelle 2 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj086/mi086020_2

Kraft's Verfahren Papierwalzen abzudrehen.

Ich nehme mir die Freiheit, auf mein Verfahren, die Papierwalzen abzudrehen, aufmerksam zu machen, welche als Kalander oder Mangen zum Appretiren oder Glätten, so wie zu verschiedenen anderen Zweken verwendet werden, in der Voraussezung, daß es wünschenswerth erscheinen dürfte, hiedurch ein Mittel der Oeffentlichkeit zu übergeben, mit welchem diese Arbeit am leichtesten auf das Vollkommenste verrichtet werden kann.

Die Papierwalzen bestehen, je nach ihrer Länge, aus einer kleineren oder größeren Anzahl Papierscheiben, welche nach Verschiedenheit ihrer Verwendung, von Postpapier, Schreibpapier oder feinem Pappendekel, auf einer eisernen Achse, durch an beiden Enden befindliche eiserne Scheiben und Schraubenmuttern, zu einem Ganzen zusammengepreßt erhalten werden.

Das Abdrehen dieser Papierwalzen geschieht auf der Drehbank, theils mit freier Hand, theils mit fester Vorlage (suport fixe), welche hiebei der freien Hand in jeder Hinsicht vorzuziehen ist, daher auch dieselbe in der Regel dabei verwendet wird, und ich mich in dem Folgenden nur auf diese Art zu drehen beziehe.

Wer sich mit dem Abdrehen alter oder neuer Papierwalzen beschäftigte, oder Gelegenheit hatte, diese Arbeit näher kennen zu lernen, wird erfahren haben, welche Schwierigkeiten dasselbe schon beim Abdrehen aus dem Groben wegen dem augenbliklichen Stumpfwerden des eingespannten Drehstahles verursacht, um so schwieriger aber ist aus gleichen Gründen das Egalisiren oder Feindrehen derselben, denn in dem Grade als der Stahl sich abstumpft, wird nicht allein die Oberfläche der Walze rauher, sondern vertiert auch ihre cylindrische Gestalt, da sich die Schneide des Stahles durch das Stumpfwerden von der Achse der Walze successive entfernt, weßhalb man bemüßigt ist, noch ehe diese Unterschiede sehr bemerkbar werden, den Stahl von Neuem zu schleifen, welches sich aber so häufig wiederholt, daß nicht allein hiedurch, sondern auch durch das Aus- und Einspannen desselben sehr viel Zeit versplittert wird, ungeachtet dessen man dennoch genöthigt ist, hinkenden Mitteln die Hand zu reichen, um der Walze eine ebene Oberfläche zu geben.

Diesen Schwierigkeiten zu begegnen, bediente ich mich nämlich, nachdem die Walze aus dem Gröberen mit dem Drehstahle abgedreht war, eines Diamantsplitters, und indem ich dieses Verfahren von dem Drehen der federharten Centralzapfen astronomischer Instrumente ableitete, und an einigen kleinen Walzen den Versuch machte, erhielt ich die angenehme Ueberzeugung, daß auch hier der Diamant unersezbare Dienste leistet, da seine dießfällige Anwendung zu den vollkommensten Resultaten führte.

Es blieb mir nun auch noch ein Versuch im Großen übrig, wozu ich vor kurzem Gelegenheit hatte, an einer Walze von 15'' Durchmesser, 4 1/2' Länge, gegen 10 Cntr. schwer, mein Verfahren in Anwendung zu bringen; hiebei traten die Vortheile der Verwendung des Diamants erst recht ins Auge, denn, während |76| dem ein Drehstahl von der vorzüglichsten Qualität kaum die Länge eines Viertelzolles abzudrehen aushielt, wurde die Walze mit einem Diamantsplitter im Werthe von ungefähr 40 kr. C. M. ihrer ganzen Länge nach, ohne seine Lage zu verändern, auf das feinste abgedreht, wobei sich außer allen andern noch der Vortheil besonders herausstellte, daß die Walze so geschwind laufen dürfte, als es der Stahl nie erlaubt, und ich bin daher fest überzeugt, daß, wer diesen Vortheil nur einmal kennen gelernt hat, ihn nie wieder unbeachtet lassen wird. (Verhandl. des niederösterr. Gewerbv. 1843. Heft VI. S. 15.)

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