Titel: Ueber das sogenannte Sonnengas.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 86, Nr. XX./Miszelle 7 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj086/mi086020_7

Ueber das sogenannte Sonnengas.

Bei Gelegenheit der Concurrenz-Eröffnung wegen der Straßenbeleuchtung der Stadt Frankfurt a. M. mit Gas, erschienen daselbst die HHrn. Cramer Friedland und Comp. aus Breslau in der Eigenschaft als Directoren der Sonnengas-Compagnie, und producirten vor verschiedenen Autoritäten, wie solches damals die Tagesblätter von Frankfurt und Hanau näher bezeichneten, ihr Licht, das nach Aussage jener Blätter, sehr glanzvoll, geruchlos, ohne Einwirkung auf Metalle und Farben, und außerordentlich wohlfeil seyn soll. Aus den zur Bereitung verwendeten Urstoffen und aus der Bereitungsart selbst machen die Herren ein Geheimniß.

Da die Erfindung eines Leuchtgases, welches die benannten Eigenschaften vereint besizt, ein allgemeiner lebhafter Wunsch ist so wird durch die Ankündigung der Existenz eines so werthvollen Gases, die höchste Aufmerksamkeit erregt, der Forschungsgeist gewekt und vielseitig der Wissenschaft die Frage über Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit eines solchen Vorkommens gestellt; es dürfte daher interessant seyn, folgende Ansicht Sachverständiger zu vernehmen.

Die Naturproducte, welche in ihrer Zusammensezung das mit obigen Eigenschaften begabte Gas enthalten, und aus welchen es unter Beibehaltung derselben gewonnen werden kann, sind wenig zahlreich, und werden, wenn sie auch nicht allen den genannten Vortheilen in gleich hohem Grade entsprechen. schon seit längerer Zeit zur Leuchtgasbereitung benuzt. – Weit zahlreicher sind die Körper, welche einzelne Bestandtheile des Leuchtgases enthalten, und vielseitig ist man schon seit geraumer Zeit bemüht, diese Bestandtheile aus den einzelnen Körpern so zu gewinnen und sie zu Leuchtgas so zu verbinden, daß das Licht die genannten Eigenschaften besizt. Die Lösung dieses Problems ist indessen bis jezt noch nicht in dem vollen Umfang der Aufgabe gelungen, oder überhaupt nur als möglich, wissenschaftlich festgestellt. Das Gaswerk in Straßburg wird war in diesem Sinne (nach Selligue's Erfindung) betrieben, entspricht jedoch jenen Anforderungen nur theilweise, und es haben sich – bisher bei der Gasbeleuchtung unbekannte – nachtheilige Eigenschaften bei dieser Bereitungsart gezeigt, worüber in dem Frankfurter Gewerbfreund, 4ter Jahrg., S. 35 und 51 ausführlich abgehandelt ist.

Mit viel Wahrscheinlichkeit kann man daher annehmen, daß auch das Sonnengas seine Entstehung dem Streben nach Lösung dieses Problems verdankt, und daß seine einzelnen Bestandtheile verschiedenen Körpern entnommen und zusammengesezt worden sind. Wenn das Gerücht wahr ist, so wurde bei den Productionen |78| in Frankfurt das nöthige Wasserstoffgas aus Wasser, und der Kohlenstoff, als Doppelkohlenwasserstoff aus Alkohol und Schwefelsäure gewonnen, und lezteres dem ersten in statu nascente zur Vereinigung beigegeben.

Wie dieses Gas den gerühmten Eigenschaften in der Praxis entsprechen könne, muß die Erfahrung lehren, vorerst ist das Ganze nur Experiment.

S.

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