Titel: Vignoles, über gerade Locomotiven-Achsen statt gekurbelter Achsen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 86, Nr. XXXII./Miszelle 3 (S. 153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj086/mi086032_3

Vignoles, über gerade Locomotiven-Achsen statt gekurbelter Achsen.

Ein unbegründetes Vorurtheil, bemerkte Hr. Professor Vignoles in der lezten Versammlung brittischer Naturforscher, besteht zu Gunsten der gekurbelten Achsen (Kurbelachsen), während sie doch, nach seiner Meinung, den geraden in jeder Hinsicht nachstehen. Bei geraden Achsen werden die Kurbeln außerhalb der Räder versezt, wodurch mehr Raum für die Anordnung der arbeitenden Theile gewonnen wird, einen andern großen Vortheil gewähren sie, indem der Dampfkessel beinahe um 15 Zoll tiefer angebracht werden kann, wodurch die Maschine in größere Sicherheit kommt, indem ihr Schwerpunkt den Schienen näher rükt. Auch werden die Anschaffungskosten der Maschine und die Reparaturkosten vermindert. Diese Vorzüge erproben sich auf der Dublin-Kingstown-Eisenbahn, auf welcher sich durch die Einführung gerader Achsen mit äußern Kurbeln die Kosten sehr verminderten; kein Unfall ist durch Brechen noch vorgefallen und so viel Raum wurde gewonnen, daß der Tender unterhalb der Maschine angebracht wurde, hiedurch der Schwerpunkt so nieder als möglich gebracht und ein besonderer Tender entbehrlich wurde. Mit dieser Einrichtung konnten sie 15 (engl.) Meilen, ohne wegen Wasser anzuhalten, fahren. Schon viele Unglüksfälle entstanden durch das Brechen der gekurbelten Achsen; die HHrn. François und Colonel Aubert bemerkten in ihrem Bericht an die französische Regierung, daß die Achsenbrüche statt des faserigen Ansehens des Stabeisens, das krystallinische des Gußeisens zeigen, was sie magnetischen und elektrischen Veränderungen in dem Atomengefüge des Eisens zuschreiben, welche durch die Reibung in den Lagern und die große Geschwindigkeit hervorgerufen werden30) und ihrer Meinung nach ist es wahrscheinlich, daß die beständigen Stöße, welchen eine gekurbelte Achse unterworfen ist, die Veränderungen in dem Atomengefüge des Eisens erklärt.

Bei der auf diesen Vortrag erfolgten Besprechung sprachen sich mehrere Stimmen in gleichem Sinne zum Nachtheil der gekurbelten Achsen aus. Hr. Grantham, obschon er selbst solche fabricirt, gab zu, daß die geraden nicht so leicht brechen, indem die gekurbelten durch das Verfahren ihrer Zusammenschweißung und Formgebung geschwächt und zum Brechen geneigt gemacht werden. Aus andern Gründen aber glaubt er ihnen wieder den Vorzug einräumen zu müssen, da sie eine gleichförmigere Bewegung hervorbringen und viel Brennmaterial erspart wird. (Mechanics' Magazine. Jul. 1842, S. 34.)

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Man vergl. die Abhandlung Hood's über die Veränderungen des Eisens S. 93 in diesem Hefte.

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