Titel: Ueber das Schwarzfärben des Leders für Handschuhmacher.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 86, Nr. XXXII./Miszelle 8 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj086/mi086032_8
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Ueber das Schwarzfärben des Leders für Handschuhmacher.

In einer der Versammlungen des Mainzer Gewerbvereins wurde die Frage aufgestellt: „Auf welche Art wird das Leder für Handschuhmacher schön und schnell schwarz gefärbt, so daß die Farbe hält und nicht abschmuzt?“ Hr. Carl Deninger hat diese Frage folgendermaßen beantwortet:

„Ehe man im Stande ist, diese Frage genügend zu beantworten, muß man genau wissen, mit welchen Mitteln das schwarz zu färbende Leder gegerbt worden ist. Sey es in Thran, in Alaun, oder anderen adstringirenden Stoffen, jede dieser drei Gerbungsarten bedingt bei genannter Färberei eine andere Behandlungsweise. Zweifelsohne jedoch versteht der Fragsteller die mit Thran gegerbte sogenannte sämische Ledersorte, eine solche nämlich, die im gemeinen Leben unter der Benennung Waschleder vorkommt. Diese schwarz zu färben, bedarf man einer sehr gesättigten Abkochung von 1/2 Pfd. Blauholzspänen und 1/4 Pfd. schwarzen, gemahlenen Gallus (Galläpfel) in 2 Pfd. Brunnenwasser, in der Weise bereitet, daß man beide ersten Ingredienzien 1/2 Stunde in lezterem in einem beliebigen Gefäße kochen läßt, dann durch einen leinenen Lappen seiht und so weit abkühlt, daß man die Hand in der Flüssigkeit leiden kann.

Das Leder wird, die zu färbende Seite nach Oben, auf einen glatten Tisch ausgebreitet und mittelst eines verhältnißmäßig diken, aus leinenen Lappen bestehenden Ballens eben bemerkte Farbe aufgetragen und eingerieben. Sobald diese vollkommen und egal eingedrungen ist, wird auf die nämliche Farbe Eisenbeize in der Weise gebracht, daß man einen leinenen Lappen in dieselbe taucht und das Leder leicht und egal überfährt.

Die Eisenbeize bereitet man sich am schnellsten dadurch, daß man in einem eisernen Topfe kleine gerostete Eisenstüke, etwa Nägel, Feil- oder Drehspäne mit einer Maaß starkem Weinessig übergießt, dieses auf schwaches Feuer bringt und ungefähr 6 Stunden gelinde kochen läßt. Diese Eisenbeize zeigt sich dann als gut, wenn sie eine reckt dunkle, weingelbe Farbe angenommen hat.

Nachdem das Leder mit dieser Eisenbeize, die man hat erkalten lassen, egal überstrichen worden ist, troknet man dasselbe, wärmt die Farbeabkochung wieder auf und wiederholt den Färbungsproceß ganz wie das erstemal. Das getroknete Leder wird nun mit einem in kaltes Wasser eingetauchten und etwas ausgedrükten Schwamm wiederholt so lange abgewaschen, respektive abgerieben, als noch Farbe abgeht dann wieder getroknet, nochmals gefärbt und abgewaschen, so lange bis die gewünschte Schwarze erreicht ist. bei welcher zur Verhütung des Abfärbens immer der oben aufliegende, nicht eingedrungene Antheil der Farbe auf erwähnte Weise abgewaschen werden muß.

Um nun dem durch diese Procedur etwas hart gewordenen Leder die nöthige Milde wieder zu geben, wird eine ziemlich weiche Bürste mit Baumöhl überstrichen und mit ihr das geschwärzte Leder überfahren. Die Farbe wird dadurch augenbliklich aus grauschwarz in kohlschwarz verwandelt, das Leder bekommt etwas Glanz und nach einigem Ausreken, d.h. Hin- und Herziehen, seine vorige Weiche und Dehnbarkeit wieder.“ (Monatsbl. d. Gewerbv. für das Großh. Hessen. 1842. S. 94.)

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