Titel: Das eiserne Dampfschiff „Great-Britain.“
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 86, Nr. LXV./Miszelle 2 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj086/mi086065_2

Das eiserne Dampfschiff Great-Britain.“

Der Great-Britain, auch oft Mammuth genannt, schreitet in seiner Vollendung rasch vorwärts. Man glaubt, daß er gegen Ende Oktobers den innern Hafen werde verlassen und bis zum Frühjahr ausgerehdet in offene See fahren können. – Dieses Schiff ist 324 (engl.) Fuß lang, also beinahe 400 Fuß länger |317| als das längste Linienschiff der englischen Marine. Mit Ausnahme der Verdeke und Cajüten ist es ganz von Eisen erbaut. In seiner größten Breite mißt es 101 Fuß. Der Schiffsraum ist 32 Fuß tief. Sein Tonnengehalt ist 3200 Tonnen, was den Gehalt der beiden größten in der ganzen Welt bisher erbauten Schiffe bei weitem übertrifft. Der Great-Britain hat vier Verdeke, deren drei von Zimmerwerk, das vierte, unterste aber von Eisen, und die Ladung aufzunehmen bestimmt ist. Das oberste Verdek wird, eine kleine Abweichung am Vorderkastell ausgenommen, ganz flach gemacht, so daß nur die Mastbäume und der Kamin dem Wind Widerstand leisten. – Die beiden Mittlern Verdeke sind ausschließlich den Passagieren und Schiffsofficieren vorbehalten. Sie sollen vier geräumige Säle (welche miteinander einen Speisesaal von 150 Fuß Länge ausmachen würden), zwei elegante und bequeme Damensalons und 180 Cajüten bilden, deren jede zwei viel größere Betten, als die gewöhnlichen, aufnehmen kann. Demnach bietet das Schiff bequeme Wohnung mit getrennten Betten für 360 Passagiere, die Wohnungen der Officiere, der Schiffsmannschaft und der Dienstboten sind hier nicht mit eingerechnet. Der Hauptsalon wird sehr groß und prachtvoll; er wird 108 Fuß lang, 32 Fuß breit und 8 Fuß 3 Zoll (engl.) hoch. Man kann sich eine Vorstellung der Riesengröße dieses Schiffes machen, wenn man bedenkt, daß es außer dem oben beschriebenen Raume für die Passagiere etc. und demjenigen für die Dampfkessel, Maschinen u.s.f. noch 1000 Tonnen Kohle (1,000,000 Kilogr.) und 1200 Ton. Waaren fassen soll.

Der Great-Britain wird mit 4 Maschinen, jede von 250 Pferdekraft, zusammen 1000 Pferdekraft, versehen. Er erhält 3 Dampfkessel, welche 200 Tonnen Wasser fassen. Diese Kessel werden von 24 verschiedenen Oefen geheizt. – Zur Erbauung des Schiffes wurden nicht weniger als 1400 Ton. Eisen gebraucht, außer der großen Menge Holz für die Verdeke und Cajüten.

Der große Versuch, welchen dieses Riesen-Dampfschiff ausführen soll, ist für die Seewissenschaft vom höchsten Interesse. Es wird nämlich nicht den gewöhnlichen Motor, die Schaufelräder, erhalten, sondern die dem Hrn. Smith zu London patentirte Schraube. Um die Wirkungen der Schraube wohl kennen zu lernen und sich von der Zwekmäßigkeit ihrer Anwendung an ihrem neuen Schiffe zu überzeugen, miethete die Great-Western-Compagnie den Archimedes auf mehrere Monate und stellte im Herbste 1841 eine Reihe Versuche mit Schrauben von verschiedener Größe an. Das Resultat dieser Versuche war, daß man mit der Schraube dieselbe Geschwindigkeit und dieselbe Kraft erzielen könne, wie mit den Schaufeln, daß aber der Schraube bei conträren Umständen, namentlich bei starkem widrigem Wind, bedeutend der Vorzug gebühre. Auch sind die Maschinen im Ganzen viel einfacher, als für Anwendung von Ruderrädern und machen bei weitem nicht so viel räumliches Hinderniß auf dem Schiff. Die Schaufeln wurden daher verworfen und dafür die Schraube mit ihren neuesten Verbesserungen eingeführt. – Die für den Great-Britain bestimmte Schraube hat 16 Fuß Durchmesser und wird unter dem Hintertheil des Schiffes angebracht, um sie so viel möglich vor jeder Möglichkeit eines Unfalls zu bewahren. Nach den Berechnungen in der Schiffskunde erfahrner Männer wird das Schiff durch Anwendung der Schraube anstatt der Ruderräder um 100 Ton. Gewicht erleichtert, und zugleich wird es dadurch möglich, die Dampfkessel und Maschinen in dem zu ihrer Aufnahme geeignetsten Theile des Schiffes anzubringen, wo sie am besten den Dienst eines permanenten Ballasts verrichten. Der Great-Britain erhält 6 Mastbäume. Der große Mast allein soll ein Marssegel und Segelstangen erhalten; die andern 5 jeder ein Vorder- und Hintersegel. Der große Mast wird 90 Fuß hoch und die Leinwand aller Segel zusammen würde zur Bedekung von 3/4 Acre hinreichen. (Aus dem Moniteur industriell, 25. Sept. 1842.)

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