Titel: Ueber das Schönen (Klären) der Weine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 86, Nr. XC./Miszelle 10 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj086/mi086090_10

Ueber das Schönen (Klären) der Weine.

Es ist noch nicht so lange her, daß man vor einem geschönten Wein eigentlich das Kreuz machte und Wirthshäuser mit allem Fleiße mied, in welchen man geschönte Weine zu bekommen fürchtete. Es war dieß nicht ohne Grund, da man in jenen Zeiten zum Klären der Weine meistens solche Mittel anwendete, welche alsbald in Fäulniß übergingen und den durch sie geklärten Wein mit Stoffen schwängerten, welche der Gesundheit nachtheilig waren. Jedenfalls erfüllten sie den mit Ekel, der beim Weintrinken an ein solches Klärungsmittel dachte. Wie im Laufe weniger Jahre so Vieles anders geworden ist, so ging es auch mit diesem. Es wurden eine Menge Mittel zum Schönen des Weins aufgefunden, die man jezt überall, in Apotheken und Kaufläden, in Schachteln und Bouteillen kaufen kann, und welche großentheils nach ihren Bestandtheilen weder der Gesundheit schaden, noch Ekel erregen. Die meisten Weintrinker haben daher ihr Vorurtheil |400| gegen das Schönen abgelegt und sich nicht nur überzeugt, daß ein hellglänzender Wein ihrem Auge besser gefalle, sondern auch ihrem Geschmakssinn und – ihrer Gesundheit besser zusage.

Der Wein wird durch das Schönen Heller, wie man sagt: glanzklar, somit appetitlicher, er wird ferner zarter und milder und erlangt das am Geschmak, was durch längeres Ablagern erreicht wird. Es werden aber dadurch auch solche Theile abgeschieden, welche ein Umschlagen, Trüb- und Zähewerden veranlassen können. Der einzige Nachtheil des Schönens besteht darin, daß der Wein etwas an Farbe und Frische verliert; lezteres ist jedoch nur ein Fehler für diejenigen, welche lieber neuen, als alten Wein trinken.

Da auch ich seit vielen Jahren zu denen gehöre, welche ihren Haustrunk geschönt haben wollen, so lag mir viel an einer guten und wohlfeilen Schöne, die ich denn auch in Erfahrung brachte und seit 18 Jahren benüze. Je mehr dieselbe bisher allen denen zusagte, welchen ich das Recept mittheilte, um so mehr möchte es manchem Leser dieses Blattes willkommen seyn, wenn hier die Mittel und das Verfahren dabei angegeben werden.

Zu einem Eimer Wein nimmt man, je nachdem derselbe heller oder trüber ist, 2–4, auch 6 Loth vom feinsten Leim (gewöhnlich Kölner Leim). Dieser wild zerbrökelt, in ein Gefäß gethan und solches mit reinem Quellwasser angefüllt, so daß dieses den Leim ganz bedekt. Auf solche Weise bleibt er circa 18 Stunden stehen, in welchen man das Wasser einmal abgießen und mit frischem ersezen kann. Nach Verfluß dieser Zeit wird das Wasser, welches das Unreine des Leims an sich gezogen hat, hinweggeschüttet und die auf dem Boden sizende Leimmasse oder Gallerte in 1 bis 2 Schoppen Wasser über gelindem Kohlenfeuer unter Umrühren gekocht, bis die Gallerte ganz aufgelöst ist. Das Ganze wird nun nach und nach unter fleißigem Rühren mit einer halben Maaß Wein vermischt, in den Wein geschüttet und derselbe etwa eine halbe Stunde lang stark umgerührt.

Das Gefäß, in welchem diese Schöne gekocht wird, muß eine gut glasirte irdene Kachel seyn, welche zuvor zu nichts anderem verwendet worden ist. Man thut wohl, wenn man auch einen neuen Rührlöffel oder Holz zum Umrühren gebraucht; keinesfalls darf ein eiserner Löffel genommen werden, da die Schöne leicht eine blaue Farbe davon erhält, die sich dem Weine mittheilt. Daß dieser vor dem Geschäft abgelassen seyn muß, versteht sich von selbst. – Die Klärung erfolgt etwas langsam, ist aber jedenfalls nach 14 Tagen vollständig, öfters schon am zweiten bis dritten Tage. (Bezirksbl. des Vereins für Landw. und Gew. in Nagold.)

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