Titel: Zur Galvanoplastik; Anwendung derselben auf Gyps, Glas und Holz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 86, Nr. XC./Miszelle 5 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj086/mi086090_5

Zur Galvanoplastik; Anwendung derselben auf Gyps, Glas und Holz.

Aus Meillet's Versuchen heben wir hier das Wichtigste aus. – Alle Metalle sind zu Formen geeignet, mit Ausnahme des Eisens, Zinks und Zinns, welche auch ohne elektrischen Strom das Kupfer zu schnell und beinahe pulverartig fällen. Mit den Legirungen dieser Metalle, z.B. der d'Arcet'schen, ist dieß nicht der Fall. – Der Graphit hat sich bis jezt als vorzüglich erwiesen, um nichtleitende Flächen leitend zu machen; doch könnte das Pulver desselben feine Linien und Vertiefungen ausfüllen, aus welchem Grunde der Verf. vorzieht, Flüssigkeiten auf der Form selbst zu zersezen, um dadurch Metalle auf ihr niederzuschlagen. Die Form wird nämlich allenthalben mit einer Flüssigkeit aus 10 Theilen Salpetersäure, 10 Th. Wasser und 8 Th. krystallisirtem salpetersaurem Silber mittelst eines zarten Pinsels eingerieben; bei fetten. Substanzen werden noch 4 Theile arabisches Gummi zugesezt. Man läßt die Flüssigkeit auf der Form wohl eintroknen und sezt diese dann über ein Gefäß, aus welchem sich Wasserstoffgas entwikelt. Das Silber wird hiedurch sehr leicht auf der Oberfläche der Form reducirt und diese erhält ein graues metallisches Ansehen; die Schicht wird sehr gleichförmig, äußerst dünn und leitet die Elektricität sehr gut. Statt Wasserstoffgas anzuwenden, kann man die Form auch bloß mit einer verdünnten Schwefelkalilösung waschen, wodurch eine gut leitende, sehr gleichförmige Schwefelsilberschicht erhalten wird. Auch kann man bei Holzformen die aufgetragene Silberlösung den Sonnenstrahlen aussezen, wodurch das Silber sehr schnell reducirt wird. Bei Stearinformen wendet man am besten Schwefelkali an; dieses Verfahren läßt nichts zu wünschen übrig und verdrängt sicherlich alle Pulver. Wenn eine Form mehrmals mit der Silberlösung überzogen werden muß, so soll man. sie jedesmal vor dem Auftragen einer neuen Schicht gehörig troknen lassen. – Um Glasgegenstände mit einer Kupferschicht zu überziehen, wird eine sehr concentrirte salpetersaure Silberlösung schwach mit Gummi verdikt auf das Glas aufgetragen und an der Flamme der Weingeistlampe getroknet; das Silber reducirt sich schnell und das Kupfer sezt sich dann wunderschön auf der Form ab. – Um Gypsfigürchen zu überkupfern, werden sie mit Terpenthinöhlfirniß überzogen. Wenn dieser troken ist und der Gyps nichts mehr davon absorbirt, wird die Figur mit Messing- oder Silberblättchen überzogen und kömmt dann in den galvanischen Apparat. Um eine reine und glatte Ablagerung zu bezweken, muß der Strom sehr schwach seyn; zu diesem Behufe muß, sobald die Figur durch das schwächste Kupferhäutchen geröthet ist, das angesäuerte Wasser hinweggenommen und gewöhnliches Wasser an dessen Stelle gebracht werden. – Als Apparat benuzt Hr. M. einen hölzernen Kasten, welcher durch eine wohlgespannte Blase in der Mitte in zwei Abtheilungen getrennt ist; die eine derselben wird mit einer warm gesättigten Kupfervitriollösung gefüllt; da hinein kömmt die Form; die andere Abtheilung enthält mit einigen Tropfen Schwefelsäure angesäuertes Wasser und eine Zinkplatte. Man befestigt leztere an einen Kupferdraht, der mit Wachs überzogen |398| ist, damit sich kein Kupfer auf den Leitungsdraht absezen kann; das andere Ende des Drahts wird mit der Form in Verbindung gesezt. Auf die Abtheilung, in welcher die Kupferlösung sich befindet, wird ein mit Flanell belegtes Gitter gebracht, auf welches einige Kupfervitriolkrystalle gelegt werden, so daß diese die Flüssigkeit immer gleich concentrirt erhalten. Dieses Verfahren gab die besten Resultate, so zwar, daß Daguerreotypbilder aufs Wundervollste damit copirt werden können. Nur müssen einige Vorsichtsmaßregeln dabei beobachtet werden. Das Zink muß nämlich vor der Platte mit dem Lichtbild in die Säure kommen, um die Adhäsion derselben an einigen Punkten zu vermeiden. Ferner ist es gut, die Seite der Platte, worauf sich das Lichtbild befindet, nach Unten zu kehren, damit die etwa in der Lösung enthaltenen Unreinigkeiten sich nicht auf die Platte absezen können. Endlich darf man, wenn die Operation gut ausfallen soll, nie eine neue Lösung anwenden; die schon benuzten sind bei weitem vorzuziehen. (Echo du monde savant, Novbr. 1842, No. 34.)

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