Titel: Marchal's eiserne Querunterlagen für Eisenbahnen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 86, Nr. CVII./Miszelle 1 (S. 435)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj086/mi086107_1

Marchal's eiserne Querunterlagen für Eisenbahnen.

Das Holz ist je nach Umständen unter der Erde einer mehr oder minder baldigen Fäulniß unterworfen und verliert damit seinen ganzen Werth; eine eiserne Querschwelle aber, nach Marchal's System, wenn sie auch um die Hälfte mehr kostet, als ein gewöhnliches Querholz, ist sogar hinsichtlich des Kostenpunkts viel vortheilhafter; denn das Eisen, wenn es sich auch oxydiren sollte, dauert wenigstens zweimal so lange als Buchenholz, und kann oxydirt immer wieder zu Roh- oder Stabeisen verarbeitet werden. Man kann dasselbe jedoch in heißem Zustande mit Theer, Firniß und dergleichen überziehen, wo dann seine Oxydation in feuchter Luft nur höchst langsam vor sich geht; die eisernen Querunterlagen können sonach mit der Zeit so wohlfeil oder noch wohlfeiler als die hölzernen hergestellt werden.

Beim Marchal'schen System ist der Schienenstuhl mit einem vierekigen oder würfelförmigen Stük Gußeisen von ziemlicher Größe verbunden, welches sich mittelst divergirender Füße in dem Boden fest hält. Die Stange von Stabeisen, welche die gußeisernen Würfel verbündet, kann sehr dünn seyn, da sie gar keinen Druk auszuhalten hat und nur vorhanden ist, um eine Verschiebung der Würfel zu verhindern.

Nach Marchal's Berechnungen würden diese Unterlagen, eine in die andere gerechnet, höchstens auf 20 Fr. per 100 Kilogramm zu stehen kommen. Die schwerste derselben (er verfertigte davon 12 Muster) wiegt 80 Kilogr. mit dem Schienenstuhl, dem Mastik etc. und käme demnach auf 16 Fr.; die leichteste, welche 50 Kilogr. wiegt, auf 10 Fr.

Zum Legen dieser Unterlagen ist auch weniger Sand erforderlich als bei den bisherigen, und überdieß sind sie im Mohr- und schlüpferigen Boden viel leichter zu legen.

Hr. Marchal beabsichtigt, eine Musterbahn mit diesen Unterlagen zu errichten, welche mit einem Waggon von der Schwere eines Locomotivs befahren werden soll. – Alle Sachverständigen, welche bisher diese Unterlagen gesehen haben, konnten gegen ihre Zwekmäßigkeit nichts einwenden. (Moniteur indust. 8. Okt. 1842.)

Ein zweiter Artikel in demselben Blatt (vom 9. Okt.) macht darauf aufmerksam, daß der Eisenbahningenieur Poncelet im Jahre 1839 schon derartige Versuche auf der Station Malines (Mecheln) und auf der Westlinie beim Ausgang von der Station Gand (Gent) gegen Malines anstellte. Er ließ auf einer Streke von mehr als 100 Meter metallene Querunterlagen anbringen, und der Versuch entsprach vollkommen seiner Erwartung. Diese Unterlagen sollen in den Werkstätten des Hrn. Gendebien zu Châtelineau gemacht worden seyn und gegenwärtig nicht über 9 Fr. 50 Cent. zu stehen kommen.

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