Titel: Mittel, dem Düngermangel abzuhelfen und zugleich den für die Lungen der Thiere und Menschen so schädlichen Stalldunst zu vertreiben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 86, Nr. CVII./Miszelle 10 (S. 440)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj086/mi086107_10

Mittel, dem Düngermangel abzuhelfen und zugleich den für die Lungen der Thiere und Menschen so schädlichen Stalldunst zu vertreiben.

Man nimmt an, daß von dem in Ställen, besonders aber von dem außerhalb der Ställe in Haufen befindlichen Dünger das Jahr hindurch 9/10 an düngenden Stoffen verdampfen durch Erhizung und dadurch bewirkte Verflüchtigung der Dünger-Theile, welche Behauptung ich nicht durch eigene Untersuchung und Erfahrung unterstüzt aufstelle, sondern den mündlichen Behauptungen eines Professors der Chemie nachschreibe, die derselbe angeblich berechnet hatte. So viel ist aber auch ohne nähere Untersuchung schon aus der Erfahrung jedem Landwirth einleuchtend, daß der Dünger in den Stallen wie auf dem Hofe eine enorme Menge von düngenden Stoffen durch Verdampfung verliert. Wer nun diese Verdampfung am wirksamsten verhindern kann, würde auf diese Weise 8/10 an Düngungsmitteln weniger verlieren, also immer auf negative Weile gewinnen. Diesen Zwek erreicht man am besten auf folgende Art: Man nehme für mittelmäßig große Ställe 4 Pfd. Schwefelsäure, und gieße sie zu 100 Pfd., auch allenfalls zu mehr Wasser; doch muß man dabei die Vorsicht gebrauchen, nicht das Wasser zur Schwefelsäure (damit sie sich nicht erhize), sondern die Schwefelsäure zum Wasser zu gießen. Mit dieser so gemischten Masse wird der Dünger in Ställen und auf Haufen besprengt, was drei- wie auch mehreremal im Jahre geschehen kann. Hiedurch wird die Erhizung des Düngers verhindert und die dadurch sonst der Verdampfung und der Verflüchtigung unterworfenen, eigentlich düngenden Ammoniak- und Salztheile bleiben gebunden in dem Dünger zurük. Die Mühe und Kosten hiebei sind, wie man sieht, nur geringe, wogegen der Nuzen sehr groß. Auch gibt es ein einfaches (bereits bekannntes d. Red.) Mittel, den Dampf in den Stallungen als düngenden Stoff zu binden, und ihn krystallisirt in dem Dünger zurükzubehalten, wodurch ebenfalls nächst anderen Vortheilen auch der Düngerstoff vermehrt wird. Man seze an einigen Stellen des Stalles ziemlich breite Schalen mir etwas Salzsäure; dadurch krystallisiren sich alle sonst verdampfenden Theile des Stalldüngers, und können sich nicht verflüchtigen. Es muh daher nicht nur der Dünger, sondern auch die Gesundheit der Thiere und Menschen gewinnen. Die gestellten Schalen können, damit nicht etwa Hausthiere verleitet werden davon zu kosten, mit einer leichten Vergitterung von Holz oder Draht umgeben werden. Wenn man in einen Pferdestall ohne diese Verrichtung hineintritt, so empfindet man gleich den Dampf, der einem entgegenschlägt, und sich besonders als heißend und fressend an den Augen zeigt, aber auch der Lunge, die ihn einathmet, höchst schädlich ist. Diese Stallungen sind oft der Aufenthaltsort und das Nachtlogis der Knechte, und also in dieser Art auch ihnen nicht dienlich. Wie viele Pferde haben die Einbüßung ihrer Augen nur allein diesem Umstande zu verdanken, und eben diesem auch manche Lungen- und andere Krankheiten. Außerdem wird aber das Futter der Pferde und des Viehes gewöhnlich über deren Ställen aufbewahrt, und nur sehr selten durch dichte Deken von diesen geschieden. Es durchziehen also diese verflüchtigten Dämpfe die unteren Schichten des Futters, verderben es, indem sie sich darin festsezen, machen es für die Thiere, die in der Regel eine feine Witterung haben, nur mit dem größten Ekel genießbar, da sie darin die verflüchtigten Stoffe ihres eigenen Düngers entdeken, und werden so die Ursache vieler Krankheiten für die Thiere, die durch das obige von mir vorgeschlagene Mittel so leicht vermieden werden können.

Ziegler, evangelischer Pfarrer zu Jodlanken.

(Leuchs' polytechnische Zeitung, 1842, Nr. 229.)

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