Titel: Vallé's anhygrometrische Leinwand und Gemäldefirniß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 86, Nr. CVII./Miszelle 4 (S. 436–437)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj086/mi086107_4

Vallé's anhygrometrische Leinwand und Gemäldefirniß.

Bisher wurde die Gemäldeleinwand, ehe sie in die Hand des Malers kam, mit einer gelatinösen Mischung überzogen, deren Hauptbestandtheil aus Handschuhlederschnizeln bereiteter Leim ist. Dieser die Räume zwischen den Fäden ausfüllende Leim erleichtert die Anlagerung. der aufeinanderfolgenden Bleiweißschichten, welche die Vorbereitung dieser Leinwand beschließen. Lange und unangenehme Erfahrung hat aber dargethan, daß dieser Ueberzug die wesentlichste Bedingung, die der Dauerhaftigkeit, nicht erfülle. Wenn ein so vorbereitetes Bild der Feuchtigkeit ausgesezt wird, verdirbt der Leimüberzug, seine Bestandtheile trennen sich; zwischen den Farben und dem Gewebe wird die Berührung unvollkommen und dieß hat das Erheben der aufgetragenen Masse in großen Blättern zur Folge. Das Kunstwerk kann nun als verloren angesehen werden; denn das sorgfältigste Aufziehen auf frische Leinwand gewährt nur sehr unvollkommene und kurze Zeit andauernde Abhülfe.

Hr. Vallé, welcher seine mit Hrn. Merimée angefangenen Versuche mit vieler Ausdauer verfolgte, ist nun auf einen Ueberzug gekommen, der die Erfordernisse, bestens zu erfüllen scheint. Er benennt denselben anhygrometrischen Gluten, und derselbe ist eine Mischung von in raffinirtem Leinöhl zergangenem gelbem Wachs, geschmolzenem Kautschuk, dikem Leinöhl, Copalharz oder Firniß, Lavendelöhl und gekochtem Leinöhl. Er wird auf beiden Seiten der Leinwand aufgetragen und eignet sich sehr gut für den Bleiweißgrund; er ist außerdem auch zum Conserviren nach dem alten Verfahren vorbereiteter Bilder |437| brauchbar, zu welchem Behufe mehrere Lagen desselben auf der Rükseite der Leinwand aufgetragen werden. Es muß nun allerdings die Zeit erst darüber entscheiden, ob er wirklich allen Uebelständen begegnet, ohne wieder neue darzubieten; doch ist die Bereitung desselben rationell) seine fetten und harzigen Bestandtheile. gestatten der Farbe in die Leinwand zu dringen und scheinen der Einwirkung der Luft und Feuchtigkeit zu widerstehen. Der Kautschuk verleiht der Leinwand eine Art Elasticität, welche dem Springen der Farben und Firnißschichten widerstrebt.

So sprachen sich die Mitglieder der Akademie der schönen Künste in dem Berichte des Hrn. Auguste Couder aus. Diese Leinwand dient gegenwärtig größtentheils zu monumentalen Bildern, welche der Feuchtigkeit vorzüglich ausgesezt sind.

Hr. Vallé hat auch einen Firniß für Bilder in Kirchen und an feuchten Orten erfunden. Der gewöhnliche, aus Mastix und venetianischem Terpenthin bereitete, wird von der in die Leinwand dringenden Feuchtigkeit gehoben und mit der Zeit weiß. Der neue Firniß des Hrn. Vallé hingegen widersteht vollkommen der feuchten Luft; er besteht aus, in rectificirtem Terpenthinöhl aufgelöstem, Copalharz, eben so aufgelöstem Kautschuk, Mastix (in Körnern) und Elemiharz. Pèligot. – (Moniteur industriel, 30. Okt. 1842.)

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