Titel: Neue Anordnung der Molecule eines Körpers, nach seiner Erstarrung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 86, Nr. CVII./Miszelle 6 (S. 437–438)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj086/mi086107_6

Neue Anordnung der Molecule eines Körpers, nach seiner Erstarrung.

Nach Hrn. Robert Warington zeigt Newton's leichtflüssiges Metall (eine Legirung von 8 Theilen Wismuth, 5 Th. Blei und 3 Th. Zinn), wenn man es in geschmolzenem Zustande auf eine Marmorplatte gießt und sogleich nach dem Erstarren und sobald man es berühren konnte, zerbricht, auf dem Bruch ein glänzendes, glattes oder muschliges metallisches Ansehen von zinnweißer Farbe; dieses Brechen an einem Theile hat aber oft das Zerspringen in viele Stüke zur |438| Folge, wie dieß beim Brechen eines Stükes ungekühlten Glases der Fall ist. Das Metall wird dann so heiß, daß man sich die Finger daran verbrennt und nach Beendigung dieser Wärmeentwikelung findet man die Legirung in ihren Eigenschaften ganz verändert, indem sie ihre außerordentliche Sprödigkeit verloren hat, öfters hin und her gebogen werden muß, bis sie bricht und auf dem Bruche eine feinkörnige oder krystallinische Fläche von dunkler Farbe und matterdigem Ansehen zeigt. Aehnliche Erscheinungen begleiten das Ausgießen des Rose'schen leichtflüssigen Metalls (aus 2 Theilen Wismuth, 1 Theil Blei und 1 Th. Zinn bestehend). Die von Berzelius (dessen Lehrb. der Chemie, 3te Aufl. 3ter Bd. S. 366) gegebene Erklärung dieser Erscheinungen nimmt von der veränderten Anordnung der Theilchen keine Notiz und ist mangelhaft, indem sie voraussezt, daß das Innere der Masse zur Zeit der Wärme-Entwikelung den festen Zustand noch nicht angenommen habe. Wenn dieß aber der Fall wäre, so müßte man es beim ersten Brechen schon wahrnehmen. Man kann zur Erklärung also nur annehmen, daß eine zweite Molecular-Anordnung nach der Erstarrung des Metalls eintritt, welche daher rühren mag, daß die kleinsten Theilchen im ersten Zustand nicht jene Richtung angenommen hatten, in welcher ihre Cohäsion die stärkste ist.

Daß eine solche Veränderung in der Anordnung der Theilchen in Folge von Temperaturwechsel, und somit in den Eigenschaften bei mehreren Körpern stattfindet, ist unbestritten. Dieselbe findet in der Technik wichtige Anwendungen; dahin gehört das Härten des Stahls, das Walzen und Hämmerbarmachen des Zinks, das Kühlen des Glases etc.

Folgende Versuche wurden angestellt, um den Grad zu bestimmen, bis zu welchem das Freiwerden latenter Wärme stattfindet. Die Legirung wurde in vollkommen flüssigem Zustande auf eine Thermometerkugel gegossen, welche sich in einem kleinen Platintiegel von etwa 70 Granen Rauminhalt befand, der in einem Gefäß mit kaltem Wasser oder Queksilber stand. Das von dem erstarrten Metall und dem Tiegel umgebene Thermometer wurde aus dem abkühlenden Medium gezogen, noch ehe es auf den Punkt gefallen war, wo es stehen blieb, und die größte Temperatur-Abnahme notirt. Die Temperatur stieg nun schnell wieder und ihr Maximum wurde ebenfalls aufgezeichnet.

Der Schmelzpunkt der Legirung war 202° F. (76° R.) und folgende Resultate wurden erhalten:

Versuch. Fahr. Fahr. Differ.
1. Das Thermometer fiel auf 97° und stieg dann auf 157° 60°
2. 94 149 55
3. 90 150 60
4. 87 147 60
5. 104 156 52
6. 97 148 51
7. 92 152 60
8. 104 155 51

so daß in vieren der acht Versuche eine Differenz von 60° Fahr. statt fand. – Mit einem größern Platintiegel war die Wirkung keine so auffallende, indem hier 34° F. die größte Differenz war, welche man erhielt. Dieß rührte natürlich von der größern Masse des geschmolzenen Metalls her, welches der abkühlenden Umgebung verhältnißmäßig keine so große Oberfläche darbot. (Edinb. new philos. Journal Bd. XXXIII. S. 292.)

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