Titel: Miller's und Ravenhill's Schiffdampfmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. II. (S. 6–7)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/ar087002

II. Schiffdampfmaschine von Miller, Ravenhill und Comp.

Aus dem Civil Engineer and Architects' Journal. Jun. 1842, S. 177.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Der Zwek Vorliegender mechanischer Anordnung ist Raumersparniß, und dieser Zwek ist gewiß aufs volländigste erreicht; denn eine Kraft von mehr als 300 Pferden nimmt nur 8 Fuß in der Länge und 18 Fuß in der Breite des Schiffs ein. Es haften zwar allerdings an diesem System gewisse Mängel; z.B. die Lenkstangen und Excentricumstangen sind kurz und veranlassen dadurch nicht nur eine erhöhte Friction, sondern benehmen auch der eigenthümlichen Bewegung der Schiebventile ihre Regelmäßigkeit; ferner vermißt man jenes durch das Princip der Seitenhebel so genau herzustellende Gleichgewicht. Allein diese Mängel haften ganz oder theilweise an allen direct wirkenden Maschinen, so daß der Gewinn an Raum und Leichtigkeit kein Gewinn ohne allen Abzug ist. Bei vorliegenden Maschinen sind sie indessen so viel als möglich gemildert, indem man den Kurbeln eine solche Winkelstellung ertheilt, daß dadurch das Gleichgewicht so nahe als möglich hergestellt wird, und den oberen und unteren Schiebventilflächen eine Gestalt gibt, welche die Wirkung der durch die Kürze der Lenk- und Excentricumstangen herbeigeführten verdrehten Bewegung neutralisirt.

Die Beschaffenheit der in Rede stehenden Einrichtung liegt in den beigegebenen Abbildungen so klar vor Augen, daß eine detailirte |7| Erläuterung derselben überflüssig ist. Die Kolbenstangen, mit deren Obertheil die Lenkstangen verbunden sind, werden durch Führungen G, G, Fig. 3, worin die Querstüke H, Fig. 1, gleiten, in senkrechter Lage erhalten. Es sind zwei Luftpumpen vorhanden, und der Condensationsbehälter, welcher den ganzen Raum zwischen den Cylindern ausfüllt, ist durch eine Scheidewand so getheilt, daß eigentlich zwei Condensatoren entstehen, von denen jeder seine eigene Luftpumpe enthält. Mit einem mäßigen Gewicht an Material wird bei vorliegendem Systeme große Stärke erzielt, und eine gewaltige Kraft läßt sich so zu sagen in einen sehr kleinen Umkreis bannen. Die Luftpumpen sind aus Messing und ihre Kolben werden durch die an der Zwischenwelle sizenden Krummzapfen C, C in Thätigkeit gesezt; zur Senkrechtbewegung der Luftpumpenstangen dienen die Führungen g, g. M, M sind die Einfahrtthüren der Condensatoren; B, B sind starke Flantschen oder Lappen, durch welche die Maschinen vermittelst Bolzen an den Schiffsboden befestigt werden.

Sicherem Vernehmen nach sind die HHrn. Miller und Ravenhill eben beschäftigt, für die brittische Regierung ein Paar solcher Maschinen mit 65zölligen Cylindern, 5 Fuß Kolbenhub und 308 Pferdekräften anzufertigen, deßgleichen für die französische Regierung ein Paar mit 68zölligen Cylindern, 5 Fuß 6 Zoll Kolbenhub und 340 Pferdekräften. Ein Paar dieser Maschinen ist bereits beinahe vollendet.

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