Titel: Newton's Bereitung des Humulins, eines concentrirten Hopfenextracts.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. XIV. (S. 54–56)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/ar087014

XIV. Bereitung eines Humulin benannten, concentrirten Hopfenextracts, worauf sich nach der Mittheilung von Hrn. F. Schmoll in Paris, William Newton, am Patent Office in London, am 15. Febr. 1841 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of arts. Okt. 1842, S. 199.

Die verbesserte Bereitung eines concentrirten Hopfenextracts besteht darin, die Pflanze (d.h. ihre Fruchtzapfen) einem Processe zu unterwerfen, durch welchen das Extract oder die nuzbaren Bestandtheile desselben besser und vollständiger ausgezogen werden, als durch das Kochen mit der Würze bei der Vierbereitung.

Der Hopfen wird in einem auf 86° F. (24° N.) erwärmten Ofen getroknet, und wenn er zerreiblich ist, durch ein Sieb gerieben, dessen Maschen nur 1/10 Zoll weit sind. Das grobe Pulver kommt sodann in einen verschlossenen Cylinder, den „Verdrängungscylinder.“ In diesen wird nun so viel Alkohol geschüttet, als das Pulver verschlukt und dann noch so viel dazu, bis das Pulver anderthalb Zoll hoch davon bedekt ist. Der Inhalt des Cylinders wird nun einem starken Druk unterworfen und 24 Stunden lang unter demselben gelassen, nach deren Verlauf die geistige Tinctur in eine Röhre oder ein anderes Gefäß abgelassen werden kann.

Der Alkohol wird nun vollends aus dem Rükstande ausgewaschen durch Wasser, welches man so lange zusezt, bis die Flüssigkeit aus dem Hahne klar und farblos abläuft. Dieses selbe Wasser wird dem Rükstande wieder zugesezt und der Hopfen 48 Stunden lang darin macerirt. Hierauf wird die Flüssigkeit abgezogen und der Hopfen mit frischem Wasser ausgewaschen, so daß kein Extract in demselben zurükbleiben kann.

Auf diese Weise erhält man als Producte die alkoholische Tinctur, welche das Aetheröhl des Hopfens aufgelöst erhält, so wie auch das gewöhnliche Decoct mit Wasser als Auflösungsmittel. Diese Producte können auf folgende Weise zu einer homogenen Masse vereinigt werden.

Die geistige Tinctur, welche das Aetheröhl enthält, wird in ein geeignetes Gefäß gebracht und im Wasserbade destillirt, um den Alkohol abzuscheiden, welcher dadurch völlig farblos und hell erhalten wird, daher alles Aetheröhl in dem Rükstande bleibt, der ein bräunlich gelbes Harz darstellt, über welchem ein paar Zoll hoch eine gelbliche, aus wässerigem Extract bestehende Flüssigkeit steht. Das wässerige |55| Infusum, welchem man dieses Extract zusezt, wird nun über offenem Feuer abgedampft, bis es Syrupsconsistenz erhält, kommt dann in das Wasserbad und wird darin beinahe bis zur festen Consistenz abgedampft. Dieses Extract, von der Farbe der Chocolade und dem angenehmen, dem Hopfen eigenthümlichen Geschmak wird nun dem vorher im Wasserbade geschmolzenen Harze zugesezt.

Durch dieses Verfahren werden von gutem Hopfen 32 bis 34 Proc. Extract gewonnen und alle zur Vierbereitung nöthigen, in der Pflanze enthaltenen Substanzen werden durch dasselbe ausgezogen.

Das auf diese Weise bereitete Humulin ist ein fast festes Extract von schwarzbrauner Farbe, scharfem, dem des Hopfens ähnlichen Geruch, anfangs bitterem, dann beißendem Geschmak.

Um es aufzubewahren, muß man es in der Wärme zergehen lassen und in wohl ausgetroknete zinnerne oder irdene Gefäße gießen. In diesen läßt man es allmählich erkalten und schüttet dann nur so viel Alkohol darüber, daß die Oberfläche eben davon bedekt wird.

Nachdem man den Alkohol verdunsten ließ, bedekt sich die Oberfläche des Humulins im Gefäße mit einer dünnen Haut, welche, so lange sie nicht durchbrochen wird, das Humulin sehr wirksam gegen das Schimmligwerden und andere Beschädigungen durch den Zutritt der Luft schüzt.

Will man das Humulin hingegen sogleich zur Bierbereitung anwenden, so bringt man eine hinlängliche Quantität des gummiartigen Extracts in ein irdenes Gefäß und sezt zu je zwei Pfunden desselben anderthalb Pfund heißes Wasser; das Gefäß wird dann in das Wasserbad gebracht, um das gummiartige Extract aufzulösen. Das harzige Extract wird in einer kleinen Menge Alkohol aufgelöst, und wenn beide Lösungen ganz hell geworden, werden sie zusammengemischt und zur rechten Zeit der Würze zugesezt.

Vom Humulin werden dem Biere 2 Pfd. statt 6 Pfd. gewöhnlichen Hopfens zugesezt.

Sind die beiden Extracte nicht schon gemischt, so kann der Brauer sie in einem nach seinem Dafürhalten zu bestimmenden Verhältniß mischen.

Ein gutes Extract aus dem Hopfen wird auch erhalten, wenn man ihn gepulvert oder ganz in einem verschlossenen Cylinder der Wirkung des Dampfes aussezt (entweder unter starkem Druk oder dem bloßen Druk der Atmosphäre), wobei durch die stattfindende theilweise Condensation des Dampfes ein flüssiges Hopfenextract erhalten wird; dasselbe kann, wenn man will, zur selben Consistenz wie das Humulin abgedampft und ebenso aufbewahrt werden.

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Die vorzüglichsten aus der Anwendung des Humulins hervorgehenden Vortheile sind: 1) Ersparung, indem der Brauer 15 bis 20 Proc. mehr aus dem Hopfen zieht, als wenn er die Pflanze selbst mit der Würze kocht; 2) die bessere Beschaffenheit des erzeugten Biers. Ein weiterer Vortheil ist die dem Brauer gegebene Möglichkeit, sich eine gute Hopfenernte zu Nuze zu machen, indem er, wenn derselbe gut ist und viel zu Markt gebracht wird, ihn in großer Menge einkaufen, zu Humulin verarbeiten und dieses so lange er will aufheben kann, ohne daß es verdirbt, wie dieß beim Aufbewahren der Pflanze über die Dauer eines Jahres der Fall ist. Endlich erleichtert auch der kleine Raum, welchen die Essenz oder der Auszug der brauchbaren Bestandtheile dieser Pflanze einnimmt, ihre Versendung zur See.

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