Titel: Martini, über Strekapparate zum Ausgleichen von Falten in Geweben.
Autor: Martini, Clemens
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. LXXXIX. (S. 344–350)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/ar087089

LXXXIX. Ueber eine Maschine zum Streken und zum Ausgleichen von Falten in Kattunen und andern gewobenen Zeugen; von C. Martini.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

Der Bulletin der Société industrielle in Mülhausen enthält in Nr. 76 eine Abhandlung des Hrn. Huguenin-Cornez über eine Maschine zum Ausstreken von Kattunen nach der Breite und zum Ausgleichen der darin vorkommenden Falten.

Dieselbe ist im Wesentlichen nichts anderes, als mein im polytechnischen Journal Bd. LXXVII. S. 327 beschriebener Strekapparat, von welchem übrigens weder Hr. Huguenin, noch das Comité de Chimie, das über diese Abhandlung Bericht zu erstatten hatte, Notiz nahmen.

Hr. Huguenin führt dagegen an, er habe die Maschine in England gesehen, sich dann mit der Verfertigung ähnlicher beschäftigt und die erste Anwendung derselben wäre vor mehr als zwei Jahren von den HHrn. Schlumberger, Köchlin und Comp. in Mülhausen gemacht worden.

Nach diesen Angaben fällt das Erscheinen der Maschine in Mülhausen in dasselbe Jahr, in welchem ich meinen Streker zur Anwendung brachte, und bezüglich des Zeitpunkts, wo er in England zuerst benüzt ward, bleibt jeder Spielraum offen. Ich sehe mich daher zu der Erklärung gedrungen, daß das Princip der Maschine lange vor ihrer Ausführung mit Andern, namentlich auch mit Hrn. Dr. Emil Dingler besprochen ward, daß sich Männer vom Fach für den Streker interessirten, ehe er fertig war, und daß ich damals durchaus keine Kunde von der Existenz eines nach gleichen Grundsäzen gebauten Apparats hatte.

Nachdem ich durch die Erfahrung erprobt hatte, daß mein Strekapparat |345| in Kattunfabriken zu ausgedehnter Anwendung kommen und denselben wesentliche Dienste leisten kann, habe ich ihn der Oeffentlichkeit übergeben, damit er um so schneller Verbreitung und Verbesserung finden möge. Bin ich hiemit auch für Mülhausen zu spät gekommen, so hat mir Hr. Huguenin doch das Vergnügen gemacht, daß er den allzugroßen Durchmesser seiner ersten Streker, welcher der Brauchbarkeit dieser Hülfsmaschine großen Eintrag thun mußte, nahe auf den von m irangegebenen reducirte.

Da indessen Hr. Huguenin seinen Streker in anderer Weise construirt, als der meinige gebaut ist, so soll hier die Beschreibung desselben nach seinen Angaben folgen.

Fig. 40 stellt den Strekapparat im Durchschnitt nach der Linie AB, Fig. 42, vor.

Fig. 41 ist eine äußere Ansicht desselben.

Fig. 42 eine Ansicht vom Ende.

In Fig. 43 sieht man einen strekenden Stab von zwei Seiten und

Fig. 44 ist die Ansicht eines an einer Trokenmaschine angebrachten Strekers.

Man ersieht aus Fig. 40, daß die runde Achse vier ausgekehlte Rollen b trägt, wovon zwei sich zur rechten und zwei zur linken Seite neigen; diese Rollen stehen fest auf der Achse a. In die Kehlen der Rollen b sind Ringe mit acht Armen c, welche in gleichen Entfernungen auf denselben sizen, gelegt, wie man dieses in Fig. 42 sieht. Mit diesen Armen sind die Stäbe, deren jeder zwei Lappen d (Fig. 43) hat, mittelst eines Stiftes (wie in Fig. 42) verbunden. Diese Anordnung hat die Wirkung von Gelenken, wenn die Stäbe in Bewegung sind. Man sieht hieraus, daß die Achse unbeweglich bleiben muß, und daß es die Stäbe sind, die ihre Umdrehung um die Achse machen, um ihre Wirkung zu äußern.

Wenn man ein Stük Zeug über den Streker Fig. 44 gehen läßt, so bedekt es nur den halben Umfang desselben und führt die Stäbe mit sich, welche ihrerseits die Ringe mit den Armen c in drehende Bewegung sezen. Da nun diese Ringe in den Kehlen der geneigten Rollen liegen, so begreift man, daß die Stäbe außer ihrer Drehung um die Achse auch beständig in hin- und hergehender Bewegung sind, wie dieses Fig. 40 und 41 zeigt, wo sie in e geschlossen und in f geöffnet sind.

Der Streker wird mit den Achsenenben in zwei entsprechende Lager vor die Maschine, bei welcher man ihn anwenden will, gelegt, und zwar in solcher Stellung, daß das Gewebe da, wo die spannenden Stäbe sich am nächsten stehen, auf ihn anlauft und ihn |346| verläßt, wo sie sich am weitesten geöffnet haben. In dem in Fig. 44 gezeichneten Falle sind sich diese Punkte in horizontaler Linie entgegengesezt, d.h. die Spannstäbe sind in g, wo das Stük den Streicher antritt, geschlossen und in h, wo es denselben verläßt, geöffnet.

Da es manchmal nöthig wird, die Stüke mehr oder weniger nach der Breite zu streken, so bedient man sich zu diesem Ende eines □ Stabes i, der in zwei um die Achse des Strekers drehbaren Armen fest liegt, und mit Stellschrauben in jeder beliebigen Stellung befestigt werden kann, so daß man z.B. im Fall von Fig. 44 den Stab so stellen kann, daß das Stük nur einen der gewünschten Dehnung angemessenen Theil des Strekers berührt.“

Das Comité de Chimie der Société industrielle sagt dann über dessen Anwendung im Wesentlichen folgendes:

„Obschon Hr. Huguenin selbst empfiehlt, diesen Streker nicht in allen Fällen anzuwenden, so gibt es doch sehr wenige Fälle, wo seine Anwendung nicht vortheilhaft wäre und er seinen Zwek nicht erfüllte, nämlich jenen, aus einem trokenen oder nassen Gewebe im Augenblik, wo es gedrukt, aufgerollt oder getroknet werden soll, alle Falten wegzunehmen, die sich bei den verschiedenen Behandlungen im Bleichen, Färben oder Waschen haben bilden können.

Es gibt indessen einige Vorsichtsregeln, welche den Gebrauch des Strekers den Personen, die ihn anwenden wollen, erleichtern können. So muß man, wenn man ihn bei Walzendrukmaschinen gebrauchen will, dafür sorgen, daß das Stük durch die Spannstäbe noch ganz in der Nähe des Strekers gut unterstüzt ist, und daß es, wenn es denselben verläßt, dem Druktuche so nahe als nur möglich liegt. Ohne diese Vorsicht wird das Stük, wenn es nicht ganz gut über die Mitte des Strekers hingeht, von den Stäben, welche mit der größten Fläche angreifen, zur Seite gedrängt. Dieses Ableiten des Stükes hat im Anfange viele Personen entmuthigt, welche sich des Apparates zu bedienen versuchten. Allein man muß nicht außer Acht lassen, daß die größte Dehnung, welche diese neue Maschine hervorzubringen vermag, 7–8 Centimeter (2'' 7''' bis 2'' 11''') auf ein Stük von 90 Centim. (2' 9'') Breite beträgt, und daß es eine sehr große Anzahl Fälle gibt, wo man die Stüke einer so großen Spannung nach der Breite nicht zu unterwerfen braucht. Man kann mit Hülfe eines am Apparat befindlichen verstellbaren Stabes das zu bedrukende Stük eine kleinere oder größere Fläche des Strekers berühren lassen und vermeidet auf diese Weise leichter die Unannehmlichkeit des Ableitens.

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Eben so muß man den Streker hinter der Walzendrukmaschine so anbringen, daß der zu bedrukende Kattun über und nicht unter ihm hinstreicht, damit, wenn irgend ein Theil desselben brechen oder sich losmachen würde, er durch den Kattun nicht bis unter die Pressionswalze geführt werden und dann die gravirte Walze und das Druktuch beschädigen kann. Durch diese Anordnung vermeidet man überdieß die Fleken, welche das Oehl, dessen man sich zum Schmieren des Strekers bedient, erzeugen könnte.

Man kann sich des Strekapparates beim Walzendruk jedoch nicht bedienen, wenn man Mille raies oder ähnliche Muster druken will; da die strekenden Stäbe die Fäden etwas verziehen, so erzeugen sie in diesem Falle gewässerten Druk.

Man kann ihn ferner nicht anwenden, wenn man mit der Walze Stüke druken will, welche nach dem Färben von Hand eingedrukt werden müssen, und aus demselben Grunde soll man ihn vor einem Kalander nicht gebrauchen, wenn man Stüke für den Handdruk rollt, welche nach dem Färben noch mit der Form (Model) einzudruken sind.

Wenn man unter Anwendung des Strekers mit der Walze Streifen drukt, welche nach dem Färben von Hand eingedrukt werden sollen, so wird man bemerken, daß die Streifen nach dem Druken in ganz gleichen Entfernungen von einander stehen; allein nach dem Färben ändert sich dieses und sie sind sich dann immer mehr und mehr genähert, je weiter sie von den Enden entfernt stehen; es folgt hieraus, daß der Streker die Mitte des Stükes am stärksten gespannt hat, und daß dasselbe also dort mehr als an den Leisten eingeht.

Bei seiner gegenwärtigen Construction kann der Streker auch Risse veranlassen. Dieses geschieht z.B. wenn der mit der Walze zu bedrukende Baumwollzeug vorher in Streifchen oder Bändern mit Aechtschwarz entweder bloß (von Hand) bedrukt oder auch schon (in Krapp) gefärbt wurde. Diese Farbe (concentrirtes holzsaures Eisen) hat nämlich die Eigenschaft, die Baumwollfasern bisweilen so sehr zu schwächen, daß sie der Dehnung, welche sie der Strekapparat erleiben läßt, nicht mehr zu widerstehen vermögen.

Dieses Reißen erfolgt beinahe immer in der Mitte des Stükes, was wieder beweist, daß dort die stärkste Dehnung nach der Breite stattfindet.

Es ist indessen hier auch ein unbestrittener Vortheil, den der Streker vor allen anderen zu gleichem Zwek gewöhnlich gebrauchten Vorrichtungen darbietet, zu erwähnen, nämlich jener, daß man mit Hülfe desselben Stüke, welche vorher mit großen Massen von Farben oder Schuzpapp bedrukt sind, selbst dann, wenn dieselben Bänder |348| oder Viereke bilden, ohne alle Falten durch die Walzendrukmaschine gehen lassen kann.

Der Streker leistet ferner sehr gute Dienste, wenn er an Maschinen zum Aufdoken (Aufrollen) oder zum Auspressen nasser Zeuge angewendet wird. Eben so wird er auch mit Vortheil bei den Maschinen zum Troknen der Gewebe mittelst Dampf gebraucht. In diesen lezteren Fällen macht man die strekenden Stäbe aus Messing.

Im Allgemeinen gewährt diese sinnreiche Maschine, wenn zwekmäßig angewendet, unseren Fabriken viele Vortheile, und es ist nicht zu zweifeln, daß sie mit einigen Verbesserungen, deren sie noch fähig ist, in allgemeinen Gebrauch kommen wird.“

Nach diesen Erläuterungen des Comité de Chimie ist es hauptsächlich eine allzugroße und ungleiche Dehnung, welche der Apparat die Gewebe erleiden läßt und ein dabei stattfindendes Verschieben ihrer Fäden, die seine Anwendung bei seiner vorbeschriebenen Construction in den bezeichneten Fällen verbieten.

Gegen den ersteren Fehler einer zu großen Strekung ist der verstellbare Stab unstreitig ein schnell bereites Hülfsmittel, welches gehörig angewendet, dem beabsichtigten Zwek, die Stüke nur die gewünschte Drehung erleiden zu lassen, sicher entspricht. So wie aber der Stab nicht genau parallel mit dem Streker, d.h. auf einer Seite höher oder tiefer als auf der anderen gestellt ist, was leicht möglich wird, wenn er in seinen Lagern nur ein wenig lose wird, so gibt dieses Veranlassung zu einem anderen gerügten Fehler, nämlich zum Ableiten des Stükes vom geraden Wege, den es durch die Walzendrukmaschine etc. nehmen soll. Da nun eine so große Dehnung, wie sieder oben beschriebene Streker so wie der von mir früher beschriebene hervorbringen, bei weitem in den meisten Fällen nicht erforderlich ist, so ist es eine Frage, ob es nicht angemessener wäre, vornherein die seitliche Verschiebung der Stäbe von 7–8 Centimetern auf 5 Cent. (1'' 10''') zu vermindern? Gut ausgeschlagene und sorgfältig aufgedokte Waare würde hiebei immer noch einer größeren Dehnung nach der Breite unterworfen seyn, als sie bleibend behalten kann; folglich würden auch die Falten wohl mit gleich gutem Erfolg daraus weggenommen werden.

Ich will in Beziehung auf den verschiebenden Mechanismus des hier besprochenen Strekers und des meinigen keine Vergleichung anstellen; es ist dieses ohnehin Nebensache. Für jene aber, die von lezterem Gebrauch machen wollen, schlage ich vor, die schiefgestellten (verschiebenden) Ringe statt in der Mitte der Stäbe, an den äußeren Enden derselben anzubringen und die vier Rollen, welche die Stäbe tragen und ihnen als Bahn dienen, auf der sie leicht hin und her |349| gleiten, unter sich mit Querstangen zu verbinden. Es ist dieses nöthig, damit nicht durch irgend eine Veranlassung eine Rolle etwas zurükbleiben und den Gang des Apparats stören kann. Mit der Versezung der die Stäbe führenden Ringe an die Enden des Strekers wird aber dieser wesentliche Theil des Apparats leicht zugänglich, und ordnet man ihn so an, daß die Ringe mit Stellschrauben mehr oder minder schief gestellt werden können, so hat man noch ein Mittel, auf die leichteste Weise jede gewünschte Strekung zu veranlassen. Ueberdieß sind es hauptsächlich nur diese Ringe, welche ein öfteres Schmieren verlangen, und an den Enden des Strekers befinden sie sich in einer Lage, wo die Verunreinigung der Waaren durch etwa abfallendes Fett leicht zu vermeiden ist.

Daß die Gewebe bei Anwendung eines Strekers nach Huguenin's Construction die stärkste Dehnung in der Mitte erleiden und dieselbe gegen die beiden Enden des Stükes immer mehr abnimmt, ist wohl nothwendige Folge der Reibung, durch die das Instrument das Ausstreken bewirkt. Es findet diese Reibung von der Mitte aus nach beiden Seiten in allen Theilen der Breite des Stükes statt, und da man sich die Mitte als einen unendlich kleinen Theil vorstellen kann, so folgt natürlich, daß sie im Augenblik, wo sie die Wirkung des Strekers erleidet, aufs Maximum gedehnt ist, und dann dem ganzen Rest der Reibung einen Widerstand entgegen zu sezen hat, der in den seitlich entfernteren Theilen in fortschreitendem Maaße und um so mehr abnimmt, als noch Falten auszustreichen sind.

Es kommt bei diesem Streker ferner noch der Umstand in Betrachtung, daß die strekenden Stäbe der zwei aneinander gelegten Cylinder, aus denen die Maschine eigentlich besteht, sich mit Zungen oder Fortsäzen in einander schieben, wodurch gleichsam ein Cylinder gebildet wird. Aus dieser Anordnung folgt aber nothwendig, daß in der Mitte und so weit die Stäbe an einander hin geschoben sind, eine Bewegung nach Rechts und Links zugleich stattfindet. An dieser Stelle sind die Stäbe nicht mehr gekerbt, und da reine Flächen mehr Berührungspunkte als die Erhöhungen der Kerben darbieten, so werden sie diese sich kreuzende Bewegung um so kräftiger auf das Stük übertragen und in ihm die Fäden verschieben. So müssen leztere Wellenform bekommen und wenn unmittelbar darauf mit mille raies bedrukt, diese Wellenform beim Färben, wo die Fäden ihre gerade Lage wieder annehmen, auf die Streifchen übertragen und Wasser bilden.

Bei meinem Streker ist die Lüke, die sich zwischen beiden Cylindern desselben da bildet, wo sich die Strekstäbe von einander entfernt haben, mit einem Ring aus polirtem Metall gedekt, der sich mit den vier Rollen lediglich um die allgemeine Achse dreht. Es ist hiedurch |350| der Mitte des Stükes gleichsam ein Ruhepunkt von 25 und mehr Centimeter (9 Zoll) Breite gewährt, auf dem keine andere Reibung stattfindet, als die in dem Widerstand begründete, womit der Ring die Mitte des Stükes gegen den nach beiden Enden stattfindenden Zug unterstüzt. Da ich keine gedrukte Waaren fertige, so kann ich nicht beurtheilen, bis auf welchen Grad die ungleiche Dehnung hiedurch aufgehoben wird. Ein Verschieben der Fäden durch meinen Streker kann ich aber selbst mit der Loupe nicht wahrnehmen.

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