Titel: Ueber die Anwendung salzhaltigen sauren Wassers zum Speisen der Dampfkessel; von Lechatelier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. XIX./Miszelle 4 (S. 76–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087019_4
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Ueber die Anwendung salzhaltigen sauren Wassers zum Speisen der Dampfkessel; von Lechatelier.

Der Verfasser machte es sich zur Aufgabe, die Wirkungsweise der auf die Dampfkessel zerfressend einwirkenden Wasser zu untersuchen und die wohlfeilsten und leicht anwendbaren Mittel gegen ihre Wirkung ausfindig zu machen. Zu diesem Behufe unternahm er vergleichende Analysen des Speisewassers, des aus den Kesseln bei ihrer Reinigung kommenden Wassers, des in denselben oft in großer Menge sich bildenden schlammigen Absazes und endlich des festen Absazes oder der Kruste, welche den Wanden stark anhängt.

Das Resultat der mit den Wassern, welche die Dampfkessel in den industriellen Anstalten des Maine- und Loire-, so wie des Mayenne-Departements speisen, angestellten Analysen ist folgendes. Die als sauer im Rufe stehenden Wasser der Schieferbrüche und Anthracitgruben enthalten keine Spur freier Schwefelsaure. Sie bilden in den Kesseln pulverige oder erdige Bodensäze, welche größtentheils aus schwefelsaurem Kalk bestehen. Ihre zerfressende Einwirkung im Innern der eisernen Kessel findet durch die schwefelsauren Salze der Thonerde und des Eisenoxyds statt; unter dem Einfluß der hohen Temperatur nämlich, bei welcher das Wasser siedet, werden diese Substanzen, wenn metallisches Eisen vorhanden ist, in Oxyde, welche niederfallen und Schwefelsäure zersezt, welche das Eisen unter Entwikelung von Wasserstoffgas als Oxydul auflöst. Der Kessel verliert demnach eine der im Wasser enthaltenen Menge schwefelsauren Eisenoxyds und Thonerde entsprechende und der Quantität des consumirten Wassers proportionale Menge Metalls. Hierauf beschränkt sich aber die schädliche Wirkung dieser Salze nicht; in vielen Fällen nämlich wird die Gegenwart des aus diesen Reactionen hervorgehenden oder mit dem Speisewasser herbeigeführten schwefelsauren Eisenoxyduls zur weitern Ursache des Verderbens der Kessel; denn das Speisewasser enthält stets eine mehr oder weniger große Menge Luft; sobald es in den Kessel gelangt, gibt es diese Luft ab, deren Sauerstoff unmittelbar auf das schwefelsaure Eisenoxydul einwirkt und es in Oxyd verwandelt, welches niederfällt und durch die Schwefelsäure, welche schon reagirte, eine neue Quantität metallisches Eisen auflöst. Die Zerfressung geschieht stellenweise und macht das Eisenblech so dünne, daß der Kessel brechen muß.

Diesem Uebelstande abzuhelfen gibt der Verf. mehrere Mittel an. In Bergwerken oder Steinbrüchen, deren Wasser zerfressend ist, kann man, wenn dieß auch mit einem beträchtlichen Aufwand an Kraft geschehen müßte, einem Fluß, einem Weiher, ja selbst Brunnen süßes, von Eisenoxyd- und Thonerdesalzen und schwefelsaurem Kalk freies Wasser entlehnen und sollte den Mehrbetrag der Kosten des in den Bergwerken in der Regel ohnedieß so wohlfeilen Brennmaterials nicht scheuen, um des. bei mit schwefelsaurem Kalk beladenen Wassern so nöthigen Puzens los zu werden; oder man kann, wenn genug Wasser vorhanden ist, sich eines geschlossenen Condensators bedienen, in welchem der Dampf sich verdichtet und von der Speisepumpe wieder aufgenommen wird, um wieder in den Kessel geschafft zu werden; endlich räth der Verf. an, sich der Kessel von Kupferblech zu bedienen, wo das Wasser nur schwefelsaure Thonerde und Eisenoxyd, aber keinen schwefelsauren Kalk mit sich führt.

Wo diese Mittel nicht oder nicht mit Vortheil ausführbar sind, muß das Wasser neutralisirt werden, zu welchem Zweke reine Kreide angerathen wird, welche in der Siedehize die schwefelsauren Salze des Eisenoxyds und der Thonerde zersezt und, ohne auf die andern Salze einzuwirken, mit der Schwefelsaure schwefelsauren Kalk bildet. Nimmt man geschlämmte Kreide, so braucht man nur beim Füllen des Kessels die für die ganze Dauer des Ganges der Maschine nöthige Quantität davon hineinzubringen; sobald sie mit dem Wasser zusammenkommt, zergeht sie und gibt einen Brei; so lange das Wasser siedet, erhält sie sich schwebend und kann sich an die Wände der Kessel und Siederöhren nicht an, legen. In den meisten Fällen dürfte es aber wohlfeiler kommen, die rohe Kreide aus den Brüchen kommen zu lassen und sie, ehe man sie in den Kessel bringt, zu schlämmen, um den etwa damit vermengten feinen Sand davon zu trennen.

Noch ein sehr wirksames Mittel gäbe es, um die Bildung von schwefelsaurem Kalk zu verhindern; dieß ist das metallische Zink, welches die schwefelsauren Salze des Eisenoxyds und der Thonerde vollkommen zersezt und, namentlich bei Niederdrukmaschinen, den Vortheil darbietet, die Wasser- und die Luftpumpe |78| und den Condensator, welche sehr schnell verderben und beständiger Reparatur bedürfen, zu schüzen. (Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, Oktbr. 1842, S. 417, aus den Annales de mines.)

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