Titel: Ueber die Dichtigkeit des Kupfers in seinen verschiedenen Zuständen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. XLII./Miszelle 3 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087042_3

Ueber die Dichtigkeit des Kupfers in seinen verschiedenen Zuständen.

Hr. Baudrimont fand bekanntlich bei seinen Versuchen über diesen Gegenstand (polytechnisches Journal Bd. LIX. S. 273) beträchtliche Unterschiede zwischen den verschieden behandelten Kupfersorten. Dieß veranlaßte die HHrn. Marchand und Scheerer die Untersuchung Baudrimont's zum Theil zu wiederholen, indem sie die spec. Gewichte von verschieden starken Kupferdrähten untersuchten, welche aus einem und demselben Metallstüke dargestellt worden waren. Sie verdanken das Material, welches sie hiezu benuzen konnten, der Gefälligkeit der HHrn. Hensel und Schumann in Berlin, welche Inhaber einer Lyoner Goldtressenfabrik sind. Die Kupferdrahte wurden aus einer cylindrisch geschmiedeten Kupferbarre gezogen, von welcher sie ein abgesägtes Stük erhielten. Das Kupfer selbst war feinstes Demidoff'sches Kupfer, welches kaum eine Spur von fremden Bestandtheilen enthielt. Nach dem ersten Zuge wurde von dem erhaltenen Drahte ein Stük abgekneipt und das übrige Ende dünner gezogen, darauf wiederum ein Stük abgekneipt und der Rest weiter ausgezogen und so fort, bis man eine hinreichende Anzahl verschieden starker Drähte daraus erhalten hatte.

Die Wägungen wurden sämmtlich bei 18° C. und 752 Mm. Bar. vorgenommen.

Absolutes
Gewicht
Gewicht
in Wasser.
Spec.
Gewicht.
1) Geschmiedete Barre, Durchm. 55 Mm. 126,6545 112,4800 8,9353
2) – – 26 – 62,3300 55,3615 8,9445
3) gezogener Draht, 22,2 – 58,0880 51,5930 8,9435

Das Kupfer war vor dem Ziehen geglüht worden.

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Absolutes
Gewicht
Gewicht
in Wasser.
Spec.
Gewicht.
4) gezogener Draht, Durchm. 19 Mm. 43,1905 38,3623 8,9454
5) – – – 15,9 – 37,9840 33,7370 8,9437
6) – – – 13 – 42,1800 37,4645 8,9469
7) – – – 11,2 – 38,9110 34,5590 8,9432

Der Draht war vor dem Ziehen geglüht worden.

8) gezogener Draht, Durchm. 10,2 Mm. 39,3885 34,9870 8,9488
9) – – – 9,6 – 37,2045 33,0425 8,9391

Der Draht war vorher geglüht worden.

10) gezogener Draht, Durchm. 8,4 Mm. 36,7590 32,6500 8,9459
11) – – – 7,7 – 35,8695 31,8590 8,9438
12) – – – 6,3 – 22,4520 19,9420 8,9450
13) – – – 5,5 – 16,810 14,930 8,941427)

Der Draht war vorher geglüht worden.

Es ergibt sich hieraus, daß der Kupferdraht in der That etwas dichter wird, je dünner derselbe gezogen wird, daß indessen seine Härte, welche er dadurch erlangt, in keinem Verhältnis zu der größern Dichtigkeit steht. Merkwürdig ist es, daß bei dem ersten Ziehen die Dichtigkeit abnimmt (2 und 3); daß dieß nicht zufällig sey, fanden die Verf. auch schon, indem sie das spec. Gewicht von Nr. 8, nachdem sie es sehr heftig glühten, zu 8,9422 fanden.

Nach dieser Bestimmung der Dichtigkeiten von krystallisirtem, geschmolzenem und stark zusammengepreßtem Kupfer schien es interessant, auch einige spec. Gewichtsbestimmungen von Kupfer zu machen, welches nach Jacobi's Methode auf galvanischem Wege aus einer Solution von Kupfervitriol gefällt worden war. Man muß bei der Auswahl solcher Cementkupferstüke sehr sorgfältig zu Werke gehen, weil sich das Kupfer bekanntlich nicht mit ebener Fläche, sondern eigenthümlich warzig und traubig an die Platte des positiven galvanischen Pols ansezt und sehr häufig, wenn man die Kupferschicht zu einer bedeutenden Dike anwachsen läßt, hohle Räume in sich einschließt. Sie erhielten folgende spec. Gewichte von drei verschiedenen Quantitäten solchen Cementkupfers: 1) 8,914, 2) 8,900, 3) 8,905, bei einem vierten Stük fanden sie nur ein spec. Gewicht von 8,843, welche geringere Dichtigkeit aber jedenfalls in einer solchen nicht äußerlich bemerkbaren Undichtigkeit ihren Grund hatte. Die größte für Cementkufer gefundene Dichtigkeit wäre also hienach: 8,914.

Ueberblikt man nun die gefundenen Werthe für die spec. Gewichte des Kupfers in den vier verschiedenen Zuständen der Krystallisation, der Schmelzung, der Zusammendrükung und der Cementation, indem man stets hiebei die höchsten der gefundenen Werthe berüksichtigt, so erhält man folgendes Resultat:

1) krystallisirtes Kupfer 8,940 spec. Gew.
2) geschmolzenes Kupfer 8,921 –
3) zu Draht ausgezogenes Kupfer 8,939 bis 8,949
4) geglühter Draht 8,95028)
5) gehämmerter Draht von 7 Mm. auf 4/10 Mm. 8,951
6) gewalztes und gehämmertes Kupferblech von 11/100 Mm. 8,952
7) durch starken Druk gepreßtes Kupfer 8,931
8) galvanisch cementirtes Kupfer 8,914

Es kann wohl kaum einem Zweifel unterliegen, daß die hier stattfindenden Abweichungen zum Theil nur in der mechanischen Schwierigkeit begründet sind, troz aller angewandten Vorsicht von inneren hohlen Räumen freies Kupfer zu erhalten. Durchaus unwahrscheinlich ist es dagegen, daß diese Abweichungen durch wesentlich verschiedene Anordnung der Atome, den verschiedenen Zuständen des Kupfers entsprechend, herrühren sollten, denn in diesem Falle müßten, besonders zwischen dem specifischen Gewichte des krystallisirten und dem des zusammengepreßten Kupfers, weit bedeutendere Unterschiede stattfinden. (Journal für praktische Chemie, Bd. XXVII S. 493.)

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Die Berechnungen sind unmittelbar angestellt und nicht auf den luftleeren Raum reducirt.

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Dieser leichtere Draht war aus einer andern Kupfersorte dargestellt worden.

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