Titel: Valery Hannoye's neues Gerbeverfahren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. XLII./Miszelle 6 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087042_6

Valery Hannoye's neues Gerbeverfahren.

Dasselbe beruht auf der Anwendung der Real'schen Filterpresse zum Gerben, wodurch eine in allen Richtungen gleichförmige gezwungene Filtration der Gerbebrühen unter Verwahrung derselben gegen Berührung der Luft bewerkstelligt wird. – Der hiezu dienende Apparat besteht in Kufen, deren Stärke darauf berechnet ist, einem wandelbaren Druk von mehreren Atmosphären widerstehen zu |158| können; diese Kufen, deren Höhe und Weite im Verhältnis steht zur Anzahl und Beschaffenheit der darin zu behandelnden Häute, sind von cylindrischer oder vierekiger Gestalt; Dekbrett und Boden sind flach oder gewölbt. Jede solche Kufe ist mit einer, je nachdem man gerbende Flüssigkeit oder den hydraulischen Kolben zur Hervorbringung des Druks anwendet, mehr oder weniger hohen aufsteigenden Säule versehen; diese hat wieder Verzweigungen, deren eine sich in den unteren Theil, die andere in den oberen Theil des Apparats fortsezt. Eine jede dieser Nebenröhren ist mit Hähnen versehen, welche den Druk wechselsweise von Unten nach Oben und von Oben nach Unten zu verändern gestatten, je nachdem man sie schließt oder öffnet. Ein Ablaßhahn am unteren Theile des Apparats dient zur Erneuerung oder zum Abfließenlassen der darin enthaltenen Flüssigkeit.

Die Häute werden in dem Recipienten zwischen Lagen von Eichenlohe geschichtet und die Säule mit reinem Wasser aufgefüllt. Die Ablaßhähne werden in der Art offen gelassen, daß die Flüssigkeit tropfenweise abfließt. Der Verf. versichert, daß auf diese Weise Kalbsfelle in 20 Tagen und Ochsenhäute in 60 Tagen gegerbt werden; doch findet natürlich die Filtration durch die Häute hindurch noch nicht mit der möglichen Schnelligkeit statt; um dieß zu bezweken, bringt der Verf. am Apparate folgende Modificationen an. Jede Haut, statt einfach auf die Lohe gelegt zu werden, wird auf eine Anzahl hölzerner Rahmen gelegt, welche durch ihre Vereinigung einen einzigen geschlossenen Rahmen bilden, dessen innerer leerer Raum etwas kleiner ist als die kleinsten Häute. Dieser innere Raum des Rahmens wird mit Lohe ausgefüllt und die Haut über das Ganze ausgebreitet. Ein zweiter Rahmen wird darauf gelegt, dessen innerer Raum wieder mit Lohe ausgefüllt und wieder eine Haut darüber gelegt. So wird das Gefäß mit einer Reihe von Rahmen, Häuten und Lohschichten angefüllt; um aber der Flüssigkeit den Durchgang zwischen den Rahmen und den Wänden der Kufe unmöglich zu machen, wird ein fetter, wasserdichter Cement als Kitt dazwischen gebracht; auch am Rande jeder Haut wird solcher Kitt angebracht, welche Verschließung durch das Gewicht der Rahmen und der Lohe bald genau und fest wird.

Nach jeder Gerbung wird der Kitt wieder gesammelt, um zu einer neuen Operation zu dienen; die Lohe braucht nicht vorher angefeuchtet zu werden; man verhütet auf diese Weise das Zusammenballen derselben beim Eintreten der Wassersäule. (Bulletin du musée industriel de Bruxelles, 2. livraison de 1842)

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