Titel: Vorschrift zur Bereitung einer Hausseife.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. LX./Miszelle 12 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087060_12

Vorschrift zur Bereitung einer Hausseife.

Bekanntlich entsteht die Seife durch Verbindung eines fetten Körpers vegetabilischen oder thierischen Ursprungs mit einem Alkali, Kali oder Natron. Ein Fehler der aus Talg oder thierischen Fettstoffen bereiteten Seifen ist der unangenehme Geruch, den sie beibehalten und der viele Leute abhält, sich derselben zur Toilette und anderem häuslichen Gebrauch zu bedienen; er rührt daher, daß man gewöhnlich nur altes ranziges Fett, welches von seinem übeln Geruch nicht mehr befreit werden kann, zu ihrer Bereitung nimmt. Das lange Aufbewahren des Fettes hat aber, abgesehen vom Ranzigwerden, auch andere große Nachtheile, daß es nämlich bei heißer Witterung sich zersezt, was großen Verlust herbeiführt oder wohl auch von den Ratten u. dergl. angefressen wird.

Um allen diesen Uebelständen auszuweichen und dabei eine brauchbare Seife zu erhalten, wurde vor Kurzem folgendes Verfahren (ohne Sieden) empfohlen.

Die im Haushalte sich darbietenden Fettstoffe bringt man in ein dazu hergerichtetes Faß und sezt eine gewisse Menge starker Lauge hinzu und zwar in dem Verhältniß mehr, je mehr das Fett zunimmt, und rührt mit einem Stabe von Zeit zu Zeit um. Bis das Faß voll ist, ist die weiche Seife auch schon fertig und brauchbar. Ueber diesem Faß befindet sich ein zweites Faß, in welchem man die Lauge durch Einbringen der Holzasche und Bedeken derselben mit Wasser bereitet. Will man Lauge in das erste Faß ablassen, so braucht man nur den Seihtrichter zu öffnen; man füllt hierauf wieder Asche und Wasser in das obere Faß. Vor dem Zusaz neuer Asche soll etwas gebrannter Kalk ins Faß geworfen werden, um die Lauge äzender zu machen. Hat sich weiche Seife über den Hausbedarf angesammelt, so kann man dieselbe durch Zusaz von Koche salz. Sieden und Ausgießen in Kästen, in harte Seife umwandeln. Man läßt diese erkalten, nimmt die sie bedekenden schaumigen Theile hinweg, zerläßt sie von Neuem in der Siedhize, läßt absezen und gießt sie endlich in Kästen oder Formen aus oder schneidet sie in Steine. Vor dem Sieden könnte man etwas Harz oder Terpenthin zusezen, was die Farbe und Qualität der harten Seife verbessert. – Im Winter müssen die Fässer vor Frost geschüzt und bei sehr großer Kälte darf die Asche nur mit wenig Wasser befeuchtet werden. |240| Die Seife kann wie jede Toiletteseife marmorirt und parfümirt werden; sie ist sehr zart und bringt einen diken reichlichen Schaum hervor, da sie sehr auflöslich ist. (Moniteur industriel, 18. Dec. 1842.)

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