Titel: Der Seranga (Federharzbaum) und die Gewinnung des Kautschuks aus demselben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. LX./Miszelle 13 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087060_13

Der Seranga (Federharzbaum) und die Gewinnung des Kautschuks aus demselben.

Der Kautschukbaum findet sich sehr häufig in der brasilischen Provinz Sara, an der Nordküste dieses Reiches. Die Quantität Milchsaft, welche sich daraus gewinnen läßt, so wie der Raum, welchen die Wälder einnehmen, lassen sich nicht wohl angeben; die Anzahl der mit dieser Arbeit beschäftigten Indianer kann auf 9 bis 10 Tausend geschäzt werden. Die Bäume sind in der Regel 18 Meter hoch und haben 75 bis 85 Zentimeter im Durchmesser, der Stamm erhebt sich gerade ohne Seitenäste oder auch nur Knorren bis zum Wipfel, an welchem sich die Krone und die Blüthen ausbilden. Dieser Baum befindet sich mitten unter anderen sehr verschiedenen Species in Wäldern und an sumpfigen Stellen.

Noch lange, nachdem man den Saft desselben schon zu vielen technischen Zweken anwandte, wurde behufs dessen Gewinnung der Baum gefällt; denn die Indianer kannten das Verfahren des Anbohrens nicht, durch welches sie später jährlich eine eben so große Menge Saft erhielten, und zwar ohne Verlust des Stoks. Ja, es wurde seitdem beobachtet, daß diese Operation den Bäumen in einem gewissen Grade zuträglich ist, wenigstens ist es gewiß, daß die sich selbst überlassenen Bäume vor der Zeit abstehen und bald keinen Saft mehr geben.

Um diesen Saft zu sammeln, wird, wie folgt, verfahren: eine Truppe Indianer begibt sich in die Wälder; ein jeder derselben nimmt eine gewisse Quantität weichen Lehms und ein Dolchmesser (ähnlich den Säbeln der franz. Infanterie) mit. Wenn sie einen Serangastamm antreffen, machen sie mehrere Einschnitte in denselben und bilden aus dem Thone kleine Schalen, welche sie unter die Wunde halten; sogleich beginnt der Saft in diese abzufließen in einer dem Alter und der Stärke des Baums entsprechenden Menge. Die Truppe rükt dabei immer etwas vorwärts, läßt aber stets einige Mann zurük, welche den Saft in größere, ebenfalls thönerne Gefäße umgießen und sich wechselseitig gegen die Angriffe der in diesen Wäldern sehr häufigen Conguars Beistand leisten müssen.

Die Formen, auf welche der Kautschuk aufgetragen wird, werden gewöhnlich aus der Stadt mitgebracht; jedenfalls muß der Saft binnen 24 Stunden aufgetragen werden, indem er sonst eintroknet und erhärtet. Man taucht die Formen zu wiederholtenmalen in den Saft, und da sie von Thon sind, so werden sie durch das Troknen bald zu Pulver und lassen sich dann leicht entfernen. Das Eintauchen geschieht ungefähr in Zwischenräumen von 5 Minuten; die Stüke werden dann 24 bis 43 Stunden lang aufgehangen, bis sie troken und fest genug geworden sind, um heruntergenommen werden zu können.

Man braucht in Sara nur das Modell seines Fußes zu geben, um so viel Schuhe oder Halbstiefel, als man will, das Paar um 2–3 Fr. zu bekommen. Zur Verfertigung solcher Schuhe wird am meisten Kautschuk verbraucht; man schikt sie besonders nach den Vereinigten Staaten.

Die ganze Stadt Sara, mit 30,000 Einwohnern, verdankt ihre Existenz nur dem Handel mir Federharz; alle ihre Merkwürdigkeiten bestehen in den Laden für dasselbe, worin man Tausende von Schnüren mit Stiefeln, Schuhen und anderen Gegenständen behangen sieht; diese Gegenstände gehen, je nachdem sie lang der Luft ausgesezt waren, vom Weißen bis ins Schwarze über.

Man wünscht in Sara sehr, daß ein einfaches und wohlfeiles Verfahren ermittelt werden möchte, um den Kautschuk in flüssigem Zustande aufzubewahren, weil er dann weit mehr Anwendungen als bisher fände.

Die Ausfuhr des Kautschuks nur aus Sara beläuft sich auf 1500 Tonnen. Coulier. (Echo du monde savant, 1842, No. 42.)

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