Titel: Claudet's Lichtbilder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. LX./Miszelle 4 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087060_4

Claudet's Lichtbilder.

Hr. Claudet legte der französischen Akademie Daguerre'sche Bilder vor, welche er in London verfertigt hatte. Der genauen Sorgfalt, welche er jeder einzelnen Operation schenkte, verdanken dieselben ihre Vollkommenheit und Vollendung. Zuvörderst mußte er den Platten seine Aufmerksamkeit zuwenden, indem die von den Pariser Fabrikanten gelieferten Platten nur sehr langsame Fortschritte in dieser Kunst zuließen. Die Plattirung derselben war zu dünn, um ein gehöriges Poliren zu gestatten, und ehe man die von dem Hämmern herrührendem Unebenheiten ganz hinwegbrachte, kam man oft schon auf das Kupfer. Er sah sich daher gezwungen, die Platten selbst zu verfertigen und gab ihnen beinahe |237| die doppelte Dike der Pariser. Hiedurch war er in den Stand gesezt, sie auf die Drehbank zu bringen, um sie auf das vollkommenste zu ebnen und alle Erhabenheiten des Metalls zu entfernen. Hr. Claudet gibt seinen Bildern Hintergründe mit Landschaften, Seeansichten, inneren Zimmerräumen etc. Aus diesen Hintergründen treten die Personen kräftig hervor und das Bild erhält Tiefe. Man erreicht diesen Zwek durch bemalte Leinwand, welche man hinter der abzubildenden Person anbringt; die Ansichten lassen genug Spielraum, um die lichten und dunklen Stellen nach Belieben mit der Farbe der Kleider und Haare der Person abstechen lassen zu können.

Hr. Claudet machte ferner die Beobachtung, daß die Platten unbeschadet des Erfolgs sowohl vor als nach dem Jodiren dem Queksilberdunste ausgesezt werden können und daß, um das Bild in dem Queksilberkasten erscheinen zu machen, es nicht nöthig sey, die Platte in einen gewissen Winkel zu stellen, indem das Queksilber in allen möglichen Richtungen darauf wirkt, selbst wenn die Kupferseite dem Queksilber zugekehrt wird. Auch das Hineinstellen des Queksilbers in die Camera obscura und die Ausführung beider Operationen zu gleicher Zeit gelang sehr wohl und schien sogar ein besseres und gleichförmigeres Resultat zu geben. Sogleich, nachdem er dieses erhalten hatte, construirte er eine Queksilber enthaltende Camera obscura, in welche er zwei Oeffnungen machte, eine, durch welche das Licht durch ein gelbes Glas einfallt, um die Platte zu erhellen, die andere gegenüber dem Einfallswinkel, durch welche der Operator die Fortschritte der gleichzeitigen Wirkung des Lichts und des Queksilbers beobachten kann. So bald man gewahr wird, daß das Bild hinlänglich hervorgebracht ist, wird das Objectivglas verschlossen und der Proceß aufgehalten. Seit der Anwendung der schneller wirkenden Substanzen hat dieses Verfahren freilich nicht mehr viel praktischen, sondern nur mehr wissenschaftlichen Werth und wurde von Hrn. Claudet aufgegeben. Doch findet es noch nüzliche Anwendung, um mit Objectivöffnungen oder Diaphragmen von außerordentlich kleinem Durchmesser Ansichten aufzunehmen oder in schlecht beleuchteten Galerien oder Museen Kunstgegenstände abzubilden.

Da sich ihm beim Daguerre'schen Proceß die erforderliche Zeit genau im umgekehrten Verhältniß zur Intensität des Lichts erwies, so glaubt er, daß ein Daguerre'scher Photometer construirt werden könnte, der alle bisherigen an Genauigkeit überträfe.

Daß das durch gelbes Glas fallende Licht den Proceß beschleunigt, ist eine Thatsache, welche durch die Versuche Becquerel's und Gaudin's bestätigt wurde.

Zur Entwikelung der Queksilberdünste ist eine Erhöhung der Temperatur nicht nothwendig und da das Vermeiden einer zu starken Erhizung des Queksilbers vorzuziehen ist, um reine, von Punkten freie Bilder zu erhalten, so wird statt dessen empfohlen, sie lieber länger dem Queksilberdunst auszusezen. Bei einer Temperatur von 10° C. ist die Wirkung des Queksilbers in zwei Stunden und im luftleeren Räume (unter dem Recipienten der Luftpumpe) bei derselben Temperatur in 15 Minuten beendigt. (Echo du monde savant 1842, No. 46.)

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