Titel: Indische Hausenblase.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. LXXXV./Miszelle 16 (S. 320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087085_16

Indische Hausenblase.

Die Hausenblase wird bekanntlich aus der Schwimmblase gewisser Fische bereitet. Von diesen liefert der in mehreren Flüssen Rußlands einheimische große Stör die beste; sie wird im Großen zu 10 bis 12 Schill. per Pfund verkauft, während die brasilische oder nordamerikanische nur 2 Schill. 6 Pence bis 3 Schill. 6 Pence gilt und es noch geringere Qualitäten gibt, die nur zu 9 Pence bezahlt werden. Der Werth dieses für Rußland scheinbar so unbedeutenden Artikels kann aus der jährlichen Einfuhr nach England ermessen werden, welche 1800 bis 2000 Centner beträgt.

Nach einer mehr als hundertjährigen Occupation von Calcutta und 80jährigem Territorial-Besiz von Bengalen, erfährt man nun erst in Indien, nicht nur daß die indischen Wässer reichlich Fische enthalten, die Hausenblase liefern, sondern daß schon seit undenklicher Zeit mit dieser Waare Handel getrieben wird zwischen indischen Fischern und den Chinesen, welche, mit den Producten des Ganges noch nicht zufrieden, den ganzen Archipel, zum Theil wegen Hausenblase (oder eine derselben sehr ähnliche Gallert-Substanz) liefernder Fische durchwühlten. Dieselben erstrekten ihre Nachsuchungen bis Bombay, von wo im J. 1837–38 wehr als 5000 Cntr. Hayflossen und Fischmägen nach China ausgeführt wurden. Die Fischmägen, wenn gleich dem Namen nach bekannt, waren, ihre Natur betreffend, noch ganz unbekannt, bis Dr. Royle mit großen Schwierigkeiten Muster von denselben erhielt. Sie bestehen nach ihm aus einer sakförmigen Membran, welche aufgeschnitten wurde, von heller Farbe, halb durchsichtig und in ihrem Aussehen ordinärer Hausenblase ähnlich ist. Auch sollen die Chinesen die ausgeführte roh zubereitete Ganges-Hausenblase zum Theil raffinirt mit großem Gewinn wieder einführen. – Im Preise steht die indische Hausenblase zur Zeit noch viel niedriger als die russische; dieß hat zum Theil darin seinen Grund, daß sie neu und die Nachlieferung von Vorräthen unsicher ist, zum Theil aber in der Form, in welcher sie nach England gebracht wurde, welche Verfälschung zuläßt; hauptsächlich aber in der nachlässigen Zubereitung derselben, da ihr ein unangenehmer Fischgeruch noch anhängt, was ihre Anwendung in der Küche verhindert. Doch wurde sie schon einigemal eingeführt und ist den Londoner Waarenmäklern bekannt, so daß mit der Zeit, wenn sie sorgfältiger zubereitet wird, ein bedeutender Handelsartikel daraus werden kann. (Edinb. New Philosoph. Journal. Jan. 1843, S. 189.)

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