Titel: Faber's Sprechmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. LXXXV./Miszelle 2 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087085_2

Faber's Sprechmaschine.

Die Sprechmaschine, welche ein Künstler aus Wien, Faber mit Namen, kürzlich in Berlin sehen oder vielmehr hören ließ, scheint uns in ihrer Art ein so gelungenes physikalisches Kunstwerk zu seyn, daß wir nicht umhin können, einige Worte darüber zu sagen, wiewohl dieselben leider nicht das Wesentliche ihrer Einrichtung berühren können. Die Maschine ist unstreitig ein Bedeutendes vollkommener als die frühere von v. Kempelen, welche wir im Kings College zu London durch Hrn. Wheatstone's Güte kennen lernten. Während diese sich nur durch einen Trichter von Kautschuk vernehmen läßt, den man mit der Hand verschiedenartig schließen und öffnen muß, besizt die Faber'sche Maschine einen dem menschlichen nachgebildeten Mund mit Lippen und Zunge, aus demselben Material |315| verfertigt, welcher bloß mit Hülfe eines Blasebalgs und einer Claviatur alle Buchstaben und Worte, folglich auch beliebige Säze, in mehr als einer Sprache zwar nicht eben schön, aber sehr verständlich hervorbringt. Ihre Stimme läßt sich verstärken und schwächen bis zum vollen Leisesprechen, auch vertiefen und erhöhen, daher denn auch ein Singen möglich ist. Die Claviatur, welche 16 Tasten enthält, gibt die Vocale a, e, i, o, u, die Halbvocale r, l, w und die Consonanten f, s, s' (unser tsch) b, d, g. Die übrigen Consonanten werden aus diesen und mittelst zweier Hülfstasten hervorgebracht, von denen die eine die Stimmrize und die andere die Nase schließt oder öffnet. Die erste Hülfstaste gibt die Aspiration unseres h, und verwandelt gleich hinter g angegeben, dieses in k; die leztere, unmittelbar hinter b und d niedergedrükt, macht diese zu m und n. Immer muß den Consonanten ein Vocal angehängt oder vorgesezt werden, wenn sie so zum Vorschein kommen sollen, wie wir sie gewöhnlich aussprechen. Man begreift aus diesen unvollkommenen Andeutungen, daß das Spielen der Maschine eine große Uebung verlangt. Die Maschine ist nur roh ausgeführt, und offenbar fallen mehrere Mängel derselben nur dieser Ausführung, nicht dem Princip zur Last. Im Interesse der Wissenschaft können wir daher nur wünschen, daß der eben so bescheidene als verstandige Künstler von Seiten seiner auf geklärten Regierung in den Stand gesezt werden möge, das Geheimniß der Construction seiner Maschine zu veröffentlichen. Ein kleiner Theil der Summe, die auf anderem Gebiete einer Bestrebung von mehr als zweifelhaftem Erfolge zugesichert worden ist, würde dazu ausreichen, und würde gerade hier am rechten Orte seyn, da der Künstler niemals vom großen Publicum eine volle Entschädigung seiner Mühe zu erwarten hat. Poggendorff in seinen Annalen der Physik und Chemie, 1843, Nr. 1.

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