Titel: Amerikanisches Filztuch.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. LXXXV./Miszelle 9 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087085_9

Amerikanisches Filztuch.

In Nordamerika fabricirt man schon seit geraumer Zeit das Filztuch durch ein sehr einfaches Maschinensystem und erzeugt mittelst dieser Vorrichtung eine so ausgezeichnete Qualität, daß dieselbe allen deßhalb zu machenden Anforderungen entsprechen kann. Durch diese Art der Fabrication ist der bei anderen und namentlich den in England, Belgien und Deutschland angewandten Maschinensystemen noch sehr fühlbare Uebelstand beseitigt, daß nur feine Wolle verarbeitet werden kann; jede Qualität und selbst die aus alten Tuchstüken wieder gewonnene Wolle wird nach amerikanischer Weise mit gleichem Vortheil zu dieser Fabrication verwendet und ein Tuch hervorgebracht, welches nicht allein |318| keine Brüche bekommt und daher auch zu Beinkleidern angewandt werden kann, sondern auch in der größten Feinheit hergestellt zu werden vermag. Ein einfaches System dieser Maschinen, zu dessen Betrieb nur 4 bis 5 Pferdekräfte erfordert werden, kannin einem gewöhnlichen Arbeitstage 150 Yards 30 Zoll breite Waare liefern, und ist dieses Tuch, da zur nöthigen Versorgung der Maschinen nur wenig Leute gebraucht werden, zu einem außerordentlich billigen Preise herzustellen.

Der Erfinder dieser neuen Filztuchfabrication, welcher auch noch eine Maschinerie zum Ausbreiten des Tuchs, nachdem es die Walke verlassen, zu welcher Operation bis jezt gewöhnlich Menschenhände benuzt wurden, erfunden hat, hält sich jezt in England auf, um dort ein Etablissement nach seiner Art zu gründen, und beabsichtigt auch, auf dem Continent seiner Erfindung Eingang zu verschaffen; Patente wurden zu diesem Behufe bereits in verschiedenen Ländern gesichert. Im Interesse dieser neuen Erfindung zur Einführung in Sachsen ist Hr. J. M. Hübner in Leipzig beauftragt und erwartet derselbe binnen Kurzem verschiedene Proben dieses Filztuches aus Amerika.

Ueber die Erfindung selbst spricht sich ein englisches Journal, wie folgt aus: „viele unserer Leser werden vernommen haben, daß öffentliche Blätter jüngst die Thatsache erwähnt, daß der Fußboden der St. Georgskapelle im königl. Schloß zu Windsor bei der Taufe des Kronprinzen mit amerikanischem Filztuch ausgelegt worden ist. Aber die meisten werden nicht wissen, daß mit Hülfe verbesserter Maschinen in der Fabrication, dieser Artikel auch für persönlichen Gebrauch zu Kleidern, Nöken und Beinkleidern dergestalt zwekdienlich hergestellt werden kann, daß ein Tuchmacher in New-York im Jahre 1841 zu diesem Zwek allein 60,000 Yards verkauft hat, und der Begehr danach ist im vergangenen Jahre dergestalt gewachsen, daß er seine Maschinen vermehrt hat, um jährlich 200,000 Yards dieser Waaren von noch besserer Qualität liefern zu können. Die wesentliche Verbesserung in dieser Fabrication besteht darin, daß sie ein Erzeugniß liefert, das an allen Stellen durchaus gleich stark ist, eine Eigenschaft, deren Mangel an dem bisherigen Filztuch seiner weiteren Anwendung Gränzen gesezt hat.“ M. (Gewerbeblatt für Sachsen, 1843, Nr. 8, S. 47.)

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