Titel: Feuersbrünste, welche durch Meteorsteine (Aërolithe) entstanden zu seyn scheinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. CVI./Miszelle 14 (S. 398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087106_14

Feuersbrünste, welche durch Meteorsteine (Aërolithe) entstanden zu seyn scheinen.

Seit mehreren Monaten richteten häufige Feuersbrünste in Montierender (Frankreich) und seinen nächsten Umgebungen große Verheerungen an. Alle Nachforschungen über ihr Entstehen waren vergebens, alle Vorsicht der Einwohner und Aufmerksamkeit der Behörden vermochte sie nicht zu verhüten und der anfängliche Verdacht von Brandlegung hat sich noch bei keiner Untersuchung gerechtfertigt. Oft brachen zwei Feuersbrünste beinahe zu gleicher Zeit, d.h. in ein paar Stunden aufeinander, und, wenn nicht in einem Orte, in einer Entfernung von höchstens 5 bis 10 Kilometer aus; auch entstand keine einzige in einer Wohnung, wo viel mit Feuer und Licht umgegangen wird, sondern alle in Scheunen, Ställen und andern getrennten und oft entfernten Gebäuden. Der Friedensrichter genannten Orts, welcher diese Umstände an Hrn. Arago berichtete, fragt, ob sie nicht mit folgenden Erscheinungen in Zusammenhang zu bringen sind.

1) Am 18. Novbr. 1812, 11 Uhr Nachts sah ein junges Mädchen zu Montierender, als es auf sein Zimmer kam, dessen Fenster in einen geschlossenen Garten gehen, einen starken Schein vorüberziehen und an die Scheiben stoßen; sie sah hierauf nichts mehr und hörte niemand. Am andern Tag, um 2 Uhr Nachmittags waren der Speicher über diesem Zimmer und vier der angränzenden Häuser in Flammen, ehe Hülfe geleistet werden konnte.

2) Zu Boulancourt, 1 Myriameter von Montierender entfernt, wurde man am 10. Novbr. um 9 Uhr Abends eine große Flamme gewahr, welche vom Dache einer vom Pachthof ganz getrennten Scheune ausging; man war anfangs in Furcht, hielt aber nachher die Flamme für eine Sternschnuppe; am 12ten aber, zwischen 11 und 12 Uhr Nachts, war die Scheune in Flammen.

3) Zu Montierender sah man die ersten Tage des Decembers zwischen 5 und 6 Uhr Morgens eine von Westen nach Osten ziehende feurige Kugel, welche ein solches Licht verbreitete, daß mehrere Personen aus ihren Häusern traten, in der Meinung, daß dieselben in Flammen stünden. Die Erscheinung war von einem ziemlich starken Geknister begleitet. Die Leute glaubten, diese Kugel, welche nicht hoch über den Häusern zu schweben schien, auf eine ziemlich nahe Wiese zwischen dem Ort und dem Wald niederfahren zu sehen; Leute auf der Straße und dem Felde sahen die Kugel über Montierender und auf den Wald niederfahren.

4) Am 8. Januar d. J. endlich, zwischen 8 und 9 Uhr Abends, sah man zu Montierender eine ähnliche Kugel, welche man aus einem Kamin im Westen des Orts nach Osten fahren zu sehen glaubte. Ueber dem Kirchhof zertheilte sich die dießmal nicht knisternde Kugel in drei Theile, wovon einer auf den Kirchhof herabfiel und die zwei andern sich hinter den Häusern verloren. Bei der Nachsuchung auf dem Kirchhof wurde aber durchaus nichts gefunden. Am andern Tag, um 8 Uhr Abends, brach 5 Kilometer westlich von Montierender Feuer in einer Scheune aus und legte sie und die anstoßenden Häuser in Asche. Die Pächter wurden es erst gewahr, als die Scheune schon ganz in Flammen stand und der Dachgiebel des Pächterhauses schon davon ergriffen war. (Echo du monde savant, 1843, No. 10.)

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