Titel: Ueber verschiedene Waaren-Verfälschungen in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. CVI./Miszelle 16 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087106_16

Ueber verschiedene Waaren-Verfälschungen in Frankreich.

Hr. Magonty, Apotheker und Professor der Chemie zu Bordeaux, theilt folgende Beispiele der in Frankreich außerordentlich um sich greifenden groben Waarenverfälschung mit:

Indig.

Diesen fand er auf dreierlei Weise verfälscht: 1) mit Bleipulver; 2) mit einem Thonerde-Lak; 3) mit Jodstärkmehl.

Bleipulver. Die Reibung, welcher die Indigbrode auf ihrem Transport aus Indien nach Europa ausgesezt sind, macht von ihrer Oberfläche einen Staub los, den man später auf dem Boden der Kiste findet. Wenn man einem Indig von guter Qualität Staub von ordinärem Indig beimengt, ist der Käufer schon betrogen; damit begnügen sich aber die Verfälscher nicht, sie sezen noch Bleipulver hinzu. Hr. M. sah eine Fabrik, welche sich ausschließlich mit dessen Verfertigung abgibt. Man läßt daselbst das Blei schmelzen und erhizt es stärker, als zur Schmelzung nöthig ist, schüttet es in eine vorher erwärmte Steinzeug-Schüssel und schlägt es mit einem Besen stark bis es erstarrt. Das gesiebte Pulver ist zart, matt und von graulicher Farbe. Durch Anreiben des damit verfälschten Indigs mit Wasser, Schlämmen und Decantiren, ist diese Verfälschung leicht zu entdeken, indem man einen schweren Rükstand erhält, welcher aus Blei besteht.

Thonerde-Lak. Dem Verf. wurden Indigbrode von gewöhnlicher Form zugestellt, welche violett von Farbe waren, matt aussahen, ohne kupferartigen Reflex, sehr zerreiblich, von körnigerdigem Bruch waren, mit Schwefelsäure aufbrausten und damit eine weinrothe Flüssigkeit gaben. In einem Platinschälchen eingeäschert, hinterließ solcher Indig einen Rükstand, welcher 4/5 seines Gewichts betrug; derselbe bestand aus Thonerde, Kalk und Kieselerde. – Ein Thonerde-Lak von Campecheholz, welchen der Verf. noch mit thonkalkhaltigem mengte, gab nach dem Troknen eine Substanz, welche sich eben so verhielt.

Jodstärkmehl. Mit Jod gebläutes Stärkmehl wird bisweilen mit Indigpulver gemengt. Der Verf. überzeugte sich davon bei Gelegenheit eines Processes in Bordeaux. Man braucht solchen Indig nur mit Kalilauge zu behandeln, zu filtriren etc., um die Verfälschung leicht zu entdeken.

Cochenille.

Beinahe allgemein wird die Cochenille im Handel jezt, wie man zu sagen pflegt, schwer gemacht (chargé). Man bedient sich dazu des Bleipulvers oder des gepulverten Bleiloths. Die Insecten werden zuerst dem Dampfe kochenden Wassers ausgesezt, um die sie umhüllende schleimige Substanz zu erweichen und dann mit dem sehr zarten Metallpulver in einem leinenen Sak stark geschüttelt. Dieses hängt sich ihnen an, welches Anhängen aber manchmal durch eine sehr dike Gummilösung, womit man die Insecten vorher besprengt, befördert wird. – Oefters schon hatte der Verf. Gelegenheit, auf diese Verfälschung zu kommen, und fand darin bis 30 Proc. Metall. Das schnellste und leichteste Mittel, diese Verfälschung zu entdeken, ist die Ermittlung des spec. Gewichts. Der Verf. empfiehlt, gute Cochenille in einem kleinen Pappschächtelchen abzuwiegen und in demselben, eben so angefüllten Schächtelchen, auch die verdächtige zu wiegen. Nach Abzug des Gewichtes der Schachtel läßt sich der Zusaz nach Procenten berechnen.

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Salpetersaures Natron und Kali (Kali- und Natronsalpeter).

Der vor einigen Jahren aufgekommene Handel mit Natronsalpeter ist schon sehr bedeutend geworden; allein in demselben Maaße nehmen auch seine Verfälschungen zu und man findet nicht selten in den Säken viele Thonkugeln, welche künstlich mit Natronsalpeter überstreut sind. Sie haben die Größe einer Hasel- bis zu einer wälschen Nuß. Durch Zerbrechen derselben kömmt man leicht auf den Betrug. Durch Auflösen einer abgewogenen Menge dieses Salzes in Wasser und Filtriren läßt sich das Gewicht der erdigen Substanz bestimmen.

Der Natron-, wie auch der Kali-Salpeter wird oft mit Seesalz verfälscht. Der Verf. sah Salpeter, welcher vom persischen Meerbusen herkam, und 20 Proc. Kochsalz enthielt. Salpetersaures Silber in die filtrirte Auflösung einer abgewogenen Menge salpetersauren Natrons oder Kali's gegossen, fällt Chlorsilber, woraus sich der Gehalt an Kochsalz berechnen läßt; er beträgt gewöhnlich 1 1/2 bis 2 1/2 Proc.

Colzaöhl (Rübsamenöhl)

Das Colzaöhl wird oft mit Wallfischthran vermengt. Wenn der Verfälscher hiebei seine Rechnung finden soll, muß dieser Zusaz eine gewisse Gränze überschreiten, unter welcher ein zu unbedeutender Nuzen dabei wäre. 1/100 concentrirter Schwefelsäure färbt den Wallfischthran augenbliklich dunkelrothbraun, hat hingegen auf vollkommen reines Colzaöhl beinahe gar keine Einwirkung. Der Verf. machte verschiedene Gemenge mit 50, 30, 20, 10 und 5 Proc. Thran, auf welche die Schwefelsäure immer schwächer, aber doch noch immer sichtbar reagirte. Diese Versuche müssen in an einem Ende geschlossenen Glasröhren von ungefähr 8 Millimetern (3 1/2 Linien) innerm Durchmesser angestellt werden. Man zählt 100 Tropfen des zu untersuchenden Oehls ab, sezt einen Tropfen Schwefelsäure zu und rührt sogleich um, um ein inniges Gemisch zu erhalten. Je mehr Thran darin enthalten ist, desto dunkler roth wird es werden. Durch Gegenproben kann man den Procentgehalt ermitteln.

Seife.

Es wurden dem Verf. Seifenstüke zugestellt, welche anders aussahen, als die gewöhnliche Seife. Sie waren trokener, compacter, schwerer als die Seife aus dem südlichen Frankreich, blässer marmorirt; in Wasser wenig auflöslich. Im Platintiegel eingeäschert, hinterließen sie einen reichlichen Rükstand, der ungefähr 2/3 der Seife beträgt. Dieser löste sich in destillirtem Wasser nur sehr wenig auf; die Lösung war alkalisch, der nicht auflösliche Theil besaß alle Eigenschaften des Thons.

Grünspan.

Abgesehen von etwas Sand, metallischem Kupfer, organischen Resten, enthält der Grünspan manchmal auch Gyps, Thon oder Kreide. Der Verf. untersuchte Muster, welche bis 3 Proc. fremdartiger Stoffe enthielten. Durch Behandlung dieses Grünspans mit einer schwachen Säure, Filtriren und Auswaschen des Rükstands, kann der Gehalt an Gyps und Thon quantitativ bestimmt werden. In der filtrirten Flüssigkeit kann das Kupfer vom Kalk auf gewöhnliche Weise getrennt werden.

Dem Verf. kam auch ein Grünspan vor, welcher wahrscheinlich aus Messing-Blechen bereitet war, denn er enthielt viel Zinkoxyd und war viel blässer als guter Grünspan. (Journal de Chimie médicale. Febr. 1843, S. 103.)

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