Titel: Ueber die Anwendung des Walzenkeils beim Holzhaken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. CVI./Miszelle 4 (S. 393–394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087106_4

Ueber die Anwendung des Walzenkeils beim Holzhaken.

Zum Spalten der geradelaufenden Fasern des Holzes bedient man sich bekanntlich eines an einem hölzernen Stiele befindlichen eisernen scharfen Keiles, Holzart genannt, aber zum Spalten der fester verbundenen und öfters gewunden oder etwas schraubenförmig neben- und ineinander laufenden Holzfasern der Stöke und dikern Wurzeln wendet man scharfe eiserne, auch hölzerne Keile an, welche mit schweren Keilhämmern eingetrieben und wodurch diese Fasern getheilt und der Länge nach auseinander gespalten werden.

Allein, wenn diese Fasern stark gewunden sind, so kann die Schärfe des Keils beim Eindringen nicht in einer Lage der Fasern bleiben und diese auseinander theilen, sondern sie muß viele einzelne Lagen der Fasern durchschneiden, um von einer Lage derselben in die andere zu dringen. Dieses Durchschneiden der Holzfasern erfordert vielen Kraft- und Zeitaufwand und hebt die vorzüglichste Wirkung des eindringenden Keils auf. Dieser Nachtheil und der Widerstand der Adhäsionskraft der Holzfasern wird um so stärker, je tiefer der Keil in die Reihen der Holzfasern eindringt, weil die eindringende Fläche des Keils und also auch die Reibung desselben immer größer wird. Er wird immer stärker, je mehr der durch das Eindringen des Keils verursachte Spalt dem eigentlichen Herzen oder Kern des Stoks sich nähert.

Hier kann nun der Walzenkeil mit großer Zeit- und Kraftersparung angewendet werden. Es besteht derselbe aus einem runden Stüke des härtesten Holzes (Buche oder Steineiche) und hat ungefähr einen Fuß Länge und eine Dike von 2 bis zu 8 Zoll (man bedarf nämlich deren mehrere von fortschreitender Dike). Er wird aus dem Stamme oder einem Aste jenes Holzes von gleicher Dike geschnitten, behält seine Rinde und kann, damit er nicht splittere, an beiden Enden mit dünnen eisernen Bändern belegt werden. Wenn nun der zu spaltende Stok mittelst der Eisenkeile am oberen Ende eine ungefähr 2 Zoll breite Spalte erhalten hat, so wird er aufrecht gestellt und hierauf der in diese Spalte passende Walzenkeil quer auf oder in dieselbe gelegt und mit dem Keilhammer tiefer hinabgetrieben. So dringt er, wie eine Walze, aber ohne sich zu drehen, immer tiefer hinab und treibt dadurch den Spalt immer weiter auseinander. Nach und nach wird oben ein immer dikerer Walzenkeil eingelegt und hinabgetrieben und dagegen der dünnere, zuerst hinabgetriebene herausgenommen, bis der Stok auseinanderfällt, wobei manchmal noch mit der Holzart auf der entgegengesezten Seite etwas nachgeholfen werden muß. Die Wirkung dieser Walzenkeile ist auffallend stark, aber leicht zu begreifen, wenn man erwägt, daß a) sie nicht nöthig haben, die Fasern zu zerschneiden, sondern daß sie dieselben immer bloß spalten, so sehr jene auch gewunden seyn mögen; b) sodann bieten sie dem Widerstande des Querverbandes der Holzfasern und der Reibung, wegen ihrer runden Form, nur zwei schmale Streifen dar, mit denen sie weit leichter hinabgleiten, als jeder geradlinige Keil, der bei einer gleichen Dike eine wohl hundertmal |394| größere Fläche der Reibung preisgeben muß, und der also wohl hundertmal mühsamer eindringt; c) ein dritter Vortheil ist, daß der Walzenkeil die bereits getheilten Längenfasern in der ganzen Breite des Stoks stets in gleicher Richtung und Ausdehnung auseinanderhält und dadurch die Widerstandskraft derselben sehr schwächt, während der scharfe Keil sie nur ungleich auseinander treibt; d) der Walzenkeil kann endlich bis zu einer Dike von 8 Zoll (bei größeren Stöken) angewendet werden und wirkt nach Verhältniß dieses großen Durchmessers, ohne bedeutende Kraftanstrengung zu erfordern. Dagegen würde ein gewöhnlicher Keil von 8 Zoll Durchmesser, wegen seiner nothwendig großen Länge, kaum irgendwo anwendbar seyn und eine übermenschliche Kraft in Anspruch nehmen, um bis zum obern Ende in einen Stok eingetrieben zu werden und ihn also so weit auseinander zu spalten, als der Walzenkeil mit leichter Mühe bewirkt. (Allgemeiner Anzeiger der Deutschen.)

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