Titel: Gebrauchte Stahlfedern wieder gut zu machen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. CVI./Miszelle 9 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087106_9

Gebrauchte Stahlfedern wieder gut zu machen.

Es wird gewiß Vielen höchst willkommen seyn, ein zwar schon in mehreren Bureaux angewendetes, aber wegen unrichtiger Ausführung meist wieder verworfenes, und im Ganzen noch sehr wenig bekanntes Verfahren, Stahlfedern zu corrigiren, kennen zu lernen, wenn damit zugleich eine Anweisung verbunden ist, die ohne Mühe zu einem erwünschten Erfolg führt.

Stahlfedern nuzen sich ganz auf dieselbe Weise ab wie Gänsefedern, und um so schneller, je rauher das Papier und je weicher der Stahl ist. Der auf dem Papier fortgleitende Theil der Spize flacht sich ab und es entsteht dadurch eine neue im Rüken der Feder liegende Spize, die bei Gänsefedern wegen Weichheit des Materials sich umlegt und daher stumpf erscheint, bei Stahlfedern aber so scharf wird, daß sie in das Papier einschneidet und die Feder dann zum Schreiben untauglich macht. Wenn man eine Gänsefeder corrigirt, so wird sie nach |396| dem Spizen durch einen schrägen Schnitt von Oben geschärft. Wollte man bei einer Stahlfeder dasselbe thun (wenn es mit dem Messer möglich wäre), so würde sie abermals, aber in der concaven Fläche, eine so scharfe Spize bekommen, daß sie wiederum in das Papier einschnitte, während bei Gänsefedern dieser schneidende Theil sich gleich beim ersten Gebrauch abschleift. Es wird daher darauf ankommen, diesen sogenannten Grat, nachdem man von den Seiten und von Oben etwas weggenommen hat, zu entfernen. Hiezu dient eine kleine englische Schlichtfeile, die in jeder Eisenhandlung für ein paar Groschen zu haben ist. Bei Stahlfedern bester Sorte darf zwar eine Feile nicht angreifen, allein bei diesen ist auch die Abnuzung weit geringer, und das Corrigiren eigentlich nur bei den schlechtern Sorten von Werth.

Man legt die Spize der Feder mit der hohlen Seite auf den Zeigefinger, sorgt dafür, daß der Spalt gehörig schließt (dieß ist sehr wesentlich) und streicht nur einigemale (ja nicht zu oft) mit der Feile von Oben nach Unten an den Seiten und vorn herunter. Streicht man jezt mit der Feder über den Nagel eines Fingers, so wird man finden, daß sie zwei scharfe Einschnitte macht, was von dem vorhin erwähnten Grat herrührt. Dieser wird aber fortgeschafft, indem man die Feder umdreht, und bei geschlossenem Spalt wieder ein paar sanfte Feilstriche gegen die Spize gibt. Findet man hienach bei der Probe auf dem Nagel, daß die Feder nicht mehr einschneidet (krazt), so ist sie gut und wird oft besser schreiben, als dieß selbst bei neuen Federn geringer Sorte der Fall zu seyn pflegt. Feilt man zu lange, oder hält man den Spalt nicht recht zusammen, so wird die Feder gewöhnlich verdorben, da besonders im leztern Falle dann die beiden Spizen nicht mehr aneinander schließen.

Federn, welche die Feile nicht annehmen (die vorzüglichsten Sorten), müssen diesem Verfahren analog auf dem Schleifstein bearbeitet werden, was aber eine größere Sorgfalt erfordert. Sollte sich außerdem der Spalt nach rükwärts aufgebogen haben, so kann man (bei weichem Stahl) die Spize nach der entgegengesezten Seite etwas umbiegen. (Leuchs' polytechn. Zeitung.)

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