Titel: Hale's Rotationspumpe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. CXXI./Miszelle 2 (S. 472–473)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087121_2

Hale's Rotationspumpe.

In einer Versammlung des niederösterreichischen Gewerbvereines zeigte Hr. Professor Burg eine äußerst niedliche, und wegen ihrer sinnreichen Einrichtung höchst interessante, in der Werkstätte der HHrn. Rollé und Schilgue zu Wien verfertigte Rotationspumpe vor, welche dem Hrn. Elisha Hale, der bereits in Amerika ein Patent darauf erhalten hatte, auch kürzlich in Oesterreich privilegirt wurde. Der ganze Mechanismus dieser in Amerika 10 Pfd. St. kostenden Pumpe ist in einem cylindrischen Gehäuse von 7 Zoll Durchmesser und etwa 3 Zoll Höhe eingeschlossen und besteht dem Wesentlichen nach aus einer kreisrunden metallenen Scheibe, welche sich in dem hohlen Cylinder, mit ihrem Umfange luft- und wasserdicht anschließend, um ihre darauf senkrechte Achse (an welcher zugleich die Kurbel angebracht ist) umdrehen läßt. An zwei diametral gegenüber liegenden Punkten hat diese Scheibe zwei rechtekige Ausschnitte von beiläufig 2 Zoll Tiefe (vom Umfange gegen den Mittelpunkt zu) und 1 1/2 Zoll Breite, in welche wieder sehr genau zwei eben so große Metallflügel von der Dike der Scheibe eingepaßt und jeder mittelst eines cylindrischen Stieles, welcher radial liegt, so angebracht sind, daß sie sich sammt diesem Stiel (jeder für sich) wie um einen Durchmesser der Scheibe herumdrehen lassen, und einmal die genannten rechtekigen Ausschnitte der Scheibe vollkommen schließen, das anderemal, wenn sie um einen Quadranten um den genannten Durchmesser als Achse gedreht werden, diese aufmachen, sich auf diese Ebene der Scheibe senkrecht stellen, und in dieser Lage bei Umdrehung der Scheibe in einer genau nach der Höhe und Länge der Flügel ausgedrehten kreisförmigen Rinne des Gehäuses luft- und wasserdicht fortschieben. An jedem der beiden Flügel sind nach Innen (gegen den Mittelpunkt der Scheibe) zu, mit dem Stiel zwei kurze metallene Arme, die ein rechtwinkliges Kreuz bilden, so befestigt, daß der eine mit der Ebene des Flügels parallel, folglich der andere darauf senkrecht ist; dieses Kreuz ist aus zwei Cirkelbögen gebildet, welche nicht einerlei Halbmesser haben und auch nicht in derselben auf dem Stiel senkrechten Ebene liegen. Die vorhin genannte kreisförmige Rinne des hohlen Cylinders ist zwischen der Einsaug- und Ausflußöffnung (die übrigens nahe beisammen liegen) durch einen metallenen Ansaz oder Baken unterbrochen, der vor jeder dieser beiden Oeffnungen wellkopfförmig nach einer eigenthümlichen Curve abgerundet ist, so daß bei der Umdrehung der Scheibe mit den beiden Flügeln immer abwechselnd einer |473| der beiden Arme des genannten Kreuzes sich an diese Wellköpfe anlegt, und dadurch jedesmal das Umdrehen der Flügel ohne Stoß oder Friction um einen Viertelkreis bewirkt wird.

Befestigt man nun diese Pumpe nach Umständen in Beziehung auf die Drehungsachse horizontal oder vertical, bringt das Saugrohr unter Wasser, so wie die genannte Scheibe (welche die Höhe der Kapsel oder des hohlen Cylinders in zwei Hälften theilt) in drehende Bewegung: so wird, wie einer der beiden Flügel in die Nähe der Ausflußöffnung kommt, dieser durch den ersten Wellenkopf und den einen Arm des genannten Kreuzes so umgedreht, daß dessen Ebene in jene der Scheibe fällt, also dadurch der erwähnte rechtekige Ausschnitt derselben geschlossen wird. In dieser Lage gleitet er nun über den die Rinne unterbrechenden Baken oder doppelten Wellkopf weg, und sobald er darüber, also auch über die Einsaugöffnung hinausgekommen ist, wird er mittelst des zweiten Armes des Kreuzes und des zweiten Wellkopfes so gedreht, daß sich der rechtekige Ausschnitt der Scheibe aufmacht und den Flügel senkrecht in die kreisförmige Rinne stellt, also ihren Querschnitt vollkommen luft- und wasserdicht ausfüllt und die Function eines Kolbens übernimmt. Beim Weiterrüken dieses Flügels mit der Scheibe (wobei der auf der Ebene des Flügels senkrechte Arm des Kreuzes auf einer kreisförmigen, mit der Rinne concentrischen Leiste hingleitet und das Umschlagen des Flügels verhindert) bleibt in der Rinne hinter der Saugöffnung ein luftleerer oder luftverdünnter Raum zurük, welcher sofort unmittelbar (wenn die Pumpe bereits in Thätigkeit ist) von dem nachströmenden Wasser ausgefüllt wird. Mittlerweile ist auch der zweite Flügel auf dieselbe Weise über die beiden Oeffnungen weggegangen und hat sich unmittelbar hinter der Saugöffnung ebenfalls senkrecht in die Rinne gestellt, so daß dieser das vom vorigen Flügel gesaugte Wasser vor sich her schiebend (im Momente als sich der erste Flügel wieder umlegt und die Rinne wieder aufmacht) zur Ausflußöffnung hinausdrükt, und gleichzeitig hinter sich eben so wie vorhin der erste Flügel das Wasser ansaugt, welches hierauf wieder von dem ersten Flügel, sobald er über die Saugöffnung gekommen ist, auf dieselbe Art hinausgetrieben wird. Bei diesem continuirlichen Spiele dieser beiden Flügel ist auch der Ausfluß des Wassers sehr gleichförmig, und da hier beinahe gar keine Nebenhindernisse zu überwinden sind, so ist auch die nöthige Betriebskraft bei dieser Pumpe verhältnißmäßig äußerst gering, aber ihr Nuzeffect sehr groß. Eine Hauptbedingung dabei ist jedoch, daß alle Theile derselben mit sehr großem Fleiße ausgeführt seyn müssen. (Allgemeines Wiener polytechn. Journal, 1843, Nr. 4.)

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