Titel: Ueber die Unzwekmäßigkeit eiserner Häuser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. CXXI./Miszelle 3 (S. 473–474)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087121_3

Ueber die Unzwekmäßigkeit eiserner Häuser.

Seit dem großen Brand in Hamburg hat man dort die Einführung eiserner Häuser ernstlich besprochen, da man größere Sicherheit gegen Feuersgefahr, Schnelligkeit in der Herstellung und bedeutend verminderte Baukosten damit zu bezweken hoffte. Bei näherer Erkundigung in Belgien und England stellte es sich aber heraus, daß der Bau eines und desselben Hauses von Eisen oder Ziegelsteinen die Kosten der gewöhnlichen Methode um etwa 50 Proc. übersteige, und daß eiserne Häuser noch überdieß an mehrfachen Mängeln leiden, welche vielleicht erst mit der Zeit überwunden werden könnten. Hr. Emil Müller, welchem man diese Aufklärung überhaupt verdankt, führt zur Unterstüzung seiner Angaben einen Brief von der Société anonyme des hauts fourneaux, usines et charbonnages de Marcinet et Couillet bei Charleroi in Belgien an, dessen Inhalt also lautet:

Couillet bei Charleroi den 21. Dec. 1841.

„Wir haben den Gegenstand des Häuserbaues aus Gußeisen aufmerksam erwogen und den Riß (eines Wachthauses zur Probe), welchen Ihr lezter Brief enthielt, genau geprüft; allein das Ergebniß unserer Untersuchungen ist der Construction aus Gußeisen nicht günstig gewesen, und wir haben die Ueberzeugung erlangt, daß es wegen des Preises des Baumaterials ganz unmöglich ist, mit Eisen gegen. Mauersteine und natürliche Steine zu concurriren. Die größeren Gebäude mit sehr ausgedehnten Verzierungen bieten allein einige Aussicht des Erfolgs dar; allein auch diese scheint uns noch problematisch. Diese Erwägungen haben uns zum Entschluß gebracht, der Construction von Eisen zu entsagen, und wir haben daher das Zeichen- und Modellbureau, welches wir zu jenem Zwek errichtet hatten, wieder aufgehoben.“

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Auch vom technischen Vorstande der Cockerill'schen Werke zu Seraing liefen ungünstige Nachrichten ein, und nicht minder stimmten die Nachrichten von der Coal-Brookdale-Compagnie in England mit jenen von Belgien überein. Die lezteren insbesondere verbreiteten sich über das Rosten des Metalls, die schnelle Leitungsfähigkeit desselben in Bezug auf Wärme und Kälte, und namentlich die Schallfähigkeit des Eisens, wodurch jede Erschütterung durch alle Gemächer getragen würde. Auch das Aeußere würde durch den Mangel an stark hervorspringenden Gesimsen und Karnießen ein sehr ungefälliges Ansehen bekommen (Leipz. Allgem. Zeitung.)

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