Titel: Ueber die Reinigung und technische Anwendung der Ochsengalle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 87, Nr. CXXI./Miszelle 8 (S. 475–476)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj087/mi087121_8

Ueber die Reinigung und technische Anwendung der Ochsengalle.

Die Ochsengalle, d.h. die in der Gallenblase der Ochsen enthaltene grünlich gelbe Flüssigkeit wird theils in der Wassermalerei, theils zum Entfetten verschiedener Körper, so namentlich zum Vertilgen von Fettfleken, benuzt, muß aber zu dem Ende erst einem Reinigungsproceß unterliegen, wodurch sie ganz wasserklar erhalten wird.

Eine Reinigungsmethode ist folgende:

Man nimmt ganz frische Ochsengalle, läßt sie etwa 12 bis 15 Stunden ganz ruhig stehen, gießt nun die über dem Absaze stehende klare Flüssigkeit in eine |476| porzellanene Abdampfschale und läßt im Wasserbade bis zu dem Punkte abdampfen, wo die Galle anfängt eine dikliche Consistenz anzunehmen. Jezt läßt man sie bei gelinder Wärme fast bis zur Trokne eindampfen, in welchem Zustande man sie in irdenen Kruken, die nur mit Papier bedekt werden, unverändert jahrelang aufbewahren kann. Beim Gebrauch nimmt man ein Stükchen von der Größe einer Erbse und löst es in einem Eßlöffel voll Wasser auf.

Eine andere, weniger einfache, aber ein noch besseres Product liefernde Methode ist folgende: in einem Quart gekochter und abgeschäumter Ochsengalle werden 2 1/2 Loth fein pulverisirter Alaun aufgelöst, die Lösung in eine Flasche gegeben und diese, leicht verkorkt, bei Seite gestellt. In einem zweiten Quart Galle löst man 2 1/2 Loth Kochsalz auf, und bewahrt auch diese in einer Flasche auf. Im Verlauf von etwa 3 Monaten sezt sich in beiden Flaschen ein Bodensaz ab, während sich die überstehende Galle klärt. Man zieht diese von dem Sedimente ab und mischt nun beide Portionen, wodurch der gelbe Farbstoff gefällt wird, nach dessen Abscheidung durch Filtration die Galle klar und farblos erscheint.

Die so gereinigte Galle verbessert sich noch mit zunehmendem Alter und ist der Verderbniß nicht unterworfen.

Die so geklärte Ochsengalle mischt sich sehr gut mit Wasserfarben, und ist namentlich zum Anmachen von Ultramarin, Carmin, Grün und anderen delikaten Farben sehr nüzlich, indem sie sie nicht nur eben so gut wie Gummi auf dem Papier befestigt, sondern ihnen auch die Eigenschaft ertheilt, sich vorzüglich gut und gleichmäßig auszubreiten, ohne einen so starken, störenden Glanz zu bewirken, wie Gummi. Mit Galle aufgetragene Farben troknen schnell und so fest ein, daß man sie ohne Gefahr des Wiederauflösens mit anderen Farben übergehen kann.

Geglühtes Lampenschwarz mit Gummi und Galle angemacht, liefert eine sehr brauchbare Nachahmung der chinesischen Tusche. Sehr anwendbar ist sie auch, um Bleistift- und Kreidezeichnungen zu überziehen, um dem Verwischen derselben vorzubeugen. Besonders für Miniaturmalerei ist gereinigte Galle ein sehr wichtiges Hülfsmaterial. Auf Elfenbein nämlich haften die Farben nicht gut, indem es mit einer fettigen Substanz durchzogen ist. Diese läßt sich durch Abreiben des Stükes mit Galle vollständig beseitigen, so daß sich die Farben auf dem Elfenbein eben so gut wie auf Papier auftragen lassen und befestigen.

Auch zu Transparenten kann Galle mit Vortheil angewandt werden. Wenn nämlich geöhltes oder gefirnißtes Papier mit Galle bestrichen wird, so kann man so gut darauf malen, wie auf ungeöhltem. (Aus Ure's technischem Wörterbuch, deutsche Bearbeitung von K. Karmarsch und Dr. Heeren, Bd. I. S. 813.)

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