Titel: Ermen's Verbesserungen an Maschinen zum Spinnen und Dupliren von Baumwolle etc.
Autor: Ermen, Godfrey Anthony
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. XLIII. (S. 168–171)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/ar088043

XLIII. Verbesserungen an Maschinen zum Spinnen und Dupliren von Baumwolle und anderen Faserstoffen, worauf sich Godfrey Anthony Ermen, Baumwollspinner zu Manchester, am 2. Decbr. 1859 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of arts. Nov. 1842, S. 238.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Vorliegende Verbesserungen haben auf diejenige Maschinengattung Bezug, bei welcher die Operationen des Spinnens, Duplirens und Zwirnens durch eine Spindel und einen Flieger bewerkstelligt werden. Die Erfindung besteht

1) in der vereinigten Einwirkung der Centripetal- und Centrifugalkraft auf die rotirende Spindel, Spindel und Spule oder Spindel und Röhre, indem man dieselbe von der Seite weder durch ein festes noch elastisches oder dergleichen Lager einschränkt, welches eine vibrirende Bewegung der Spindel veranlassen könnte;

2) in der Anbringung eines unabhängigen, expansiblen, nach allen Richtungen beweglichen Polsters und einer beweglichen Schale zwischen dem Fuß und der Spize der Spindel. Dieser Apparat hat den Zwek, jeden Seitendruk der rotirenden Spindel, Röhre oder Spule aufzufangen, das Zurükspringen der Spindel zu verhüten und die zum Aufwikeln des Fadens nöthige Verzögerung der Spindel zu veranlassen;

3) in der Bildung der Knäuel (Közer) auf einer Röhre oder auf der nakten Spindel. Der dadurch erzielte Vortheil besteht darin, daß man einen Flieger mit weit kürzeren Armen, als dieß gewöhnlich der Fall ist, anwenden kann, wodurch man demselben mit weit größerer Geschwindigkeit umzulaufen gestattet. Dieser Zwek wird dadurch erreicht, daß man dem Knäuel an dem oberen Spindelende eine |169| kürzere Kegelform gibt, wodurch die Länge des Fliegers auf diejenige des längeren Knäuelkegels reducirt wird;

4) in einem neuen und eigenthümlichen Apparate, um die Polsterschiene in dem Maaße niederzulassen, als der Durchmesser des Garns auf der Spule größer wird;

5) in der Anbringung eines beweglichen geschlizten Hebels an Spinn- oder Duplirmaschinen, um die „Wechselräder“ zur Regulirung des Garnauszugs leichter auswechseln zu können;

6) in der Umwandlung der gewöhnlichen glatten Kegeltrommel in einen auf seiner ganzen Oberfläche gezahnten Kegel. Ein vom einen Kegelende bis zum andern verschiebbares Getriebe greift in die Zähne des Kegels. Durch die Seitenbewegung dieses Getriebes läßt sich jede beliebige Geschwindigkeit hervorbringen;

7) in der allgemeinen Anordnung des mit dem Kegel unmittelbar in Verbindung stehenden Apparates zur Regulirung der verschiedenen Bewegungen der Spindeln oder Spulen bei Grobspinnmaschinen.

Die Figuren 13, 14 und 15 erläutern den ersten Theil der Verbesserungen, nämlich die Spindel und den Flieger mit dem unabhängigen expansiblen Polster und losen Lager. Fig. 13 ist ein vollständiger Aufriß der Spindel und des Fliegers; Fig. 14 ein Grundriß der das Polster bildenden Kugel und Hülse und Fig. 15 eine abgesonderte Ansicht des dritten Theiles der Kugel.

Die Spindel a, a mit ihrer Spule b, b und ihrem Flieger c, c ruht in der an der auf und nieder beweglichen Spulenbank e, e befestigten Pfanne d und geht unabhängig durch die Schiene f*, f* und durch die Polsterschiene f, f.

Dieses elastische Polster oder Lager besteht aus einer losen Hülse g, g, welche auf ihrer Schiene liegt, zugleich aber sich seitwärts bewegen läßt. In dieser Hülse ist die kleine abgedrehte, aus drei Stüken bestehende Kugel h, h angeordnet, durch deren Mittelpunkt die Spindel geht. Das Ganze ist durch einen leichten adjustirbaren Dekel i, i verschlossen.

Dieser eigenthümliche Apparat hat den Erfolg, daß die mit großer Geschwindigkeit rotirende Spindel dem vereinigten Einflüsse der Centrifugal- und Centripetalkräfte unterliegt und dadurch veranlaßt wird, sich central und senkrecht zur Ebene des Fliegers zu drehen. Zugleich erlangt man, während die Spule sich füllt, jeden erforderlichen Grad der Hemmung oder des Widerstandes dadurch, daß man die Polsterschiene f, f niedersteigen und die Kugel gegen die konischen Seiten der Spindel wirken läßt.

Da die drei Kugelsegmente, welche im Innern der Schale eine Art Universalgelenk bilden, mit ihrer Hülse lose auf der flachen Schiene |170| aufliegen, so geben sie jedem Seitendruke der Spindel nach, und da sie gegen die von ihnen eingeschlossene Spindel einen Druk ausüben, so veranlaßt die dadurch hervorgerufene Friction die verlangte Verzögerung der Spindel.

Da der Durchmesser des Garns auf der Spindel, Röhre oder Spule allmählich zunimmt, so ist auch in demselben Maaße ein höherer Grad der Friction nöthig. Diesen erlangt man dadurch, daß man den Durchmesser desjenigen Theils der Spindel, gegen welchen die Kugelsegmente wirken, im Verhältniß von 1/32 auf 1 Zoll nach Unten zu kegelförmig größer werden läßt. Läßt man nun die Hemmschiene mit ihren Kugelsegmenten und Hülsen auf diesen kegelförmigen Theil der Spindel herabsinken, so erhöht man dadurch begreiflicher Weise die Reibung, und wenn man die Senkung dieser Schiene im Verhältniß zu der Zeit, in welcher sich die Spindel oder Spule füllt, adjustirt, so kann man dadurch jede beliebige Verzögerung der Spindel hervorbringen.

Fig. 16 stellt die verbesserte Spindel nebst Flieger dar. a, a ist die Spindel; b, b der kurzarmige Flieger; c, c der von Oben herabgesponnene Knäuel; die Arme des Fliegers brauchen demnach nicht länger zu seyn als der längste Kegel des Knäuels, ein Umstand, welcher eine sehr rasche Rotation des Fliegers gestattet.

Fig. 17 stellt den Aufriß und Fig. 18 die Endansicht einer sogenannten Drosselmaschine dar, woran die in Rede stehenden Verbesserungen angebracht sind. a, a, a sind die Spindeln; b, b, b die Spulen; c, c, c die Flieger und d, d ist die unter denselben angeordnete auf- und niedersteigende Spulenbank. Auf der Hemmungschiene sind die Polster g, g angebracht, deren Construction oben bereits erläutert wurde. Das Niedersenken der Polsterschiene f, f mit ihren losen Polstern auf den konischen Theil k, k der Spindel geschieht mit Hülfe eines hin und her oscillirenden Rades (mangle-wheel) l des Getriebes m und des Räderwerks nn, oo auf eine dem praktischen Spinner leicht begreifliche Weise.

Fig. 19 erläutert die Anwendung eines geschlizten Hebels auf eine Duplirmaschine. p, p sind die mit einem Schlize versehenen oscillirenden Hebel, welche die gewöhnlichen, den Auszug bewirkenden Wechselräder q, q tragen. Durch die Anwendung dieses Hebels als Träger der Wechselräder kann der erforderliche Wechsel leichter bewerkstelligt werden.

Fig. 20 stellt den Apparat zur Regulirung der verschiedenen Bewegungen der Spulen oder Spindeln im Aufrisse dar; er besteht hauptsächlich in einem mit Zähnen besezten Kegel a, a, welcher die Stelle des gewöhnlichen Riemenkegels der Spinnmaschinen vertritt. |171| Ein an der Strekwelle b, b befestigtes Getriebe c treibt das Stirnrad e, welches mit der gezahnten Oberfläche des Kegels a, a im Eingriff steht. Dieser Kegel überträgt die Bewegung mit Hülfe des oscillirenden Rades f, f und des an der Büchse des lezteren befestigten Stirnrades g, g auf die Spulen.

Die auf- und niedersteigende Bewegung der Spulenbank wird durch das an der Welle i, i befindliche Rad h veranlaßt. Dieses Rad wird durch den Kegel a in Umdrehung gesezt und theilt diese Bewegung vermittelst eines Universalgelenks der Welle j und dem Getriebe k mit, welches das Rad l hin- und herbewegt. Bei jeder Drehung des Rades l kommt ein Stift m mit dem Einfallhebel n, Fig. 21, in Berührung und löst ihn von der an beiden Seiten abwechselnd gezahnten Stange o aus. Sobald die Zahnstange o von dem Hebel n befreit ist, wird sie durch die belastete Schnur p um einen Zahn herabgezogen, so daß das an derselben befestigte Rad e mit dem nächsten Zahnring des Kegels a, a in Eingriff kommt. Dieß wiederholt sich bei jedem Sinken oder Steigen der Spule, wodurch die regelmäßige Bewegung der lezteren gesichert wird.

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