Titel: Sang's Methode die durch einen Treibriemen fortgepflanzte Kraft zu registriren.
Autor: Sang, Edward
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. LXIII. (S. 244–245)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/ar088063

LXIII. Ueber eine Methode die durch einen Treibriemen fortgepflanzte Kraft zu registriren. Von Edward Sang Esq.

Aus dem Edinburgh new philosophical Journal, April 1843, S. 261.

Wenn man ermitteln will, wie viel Kraft eine in Gang befindliche Maschine consumirt, so ist dieß sehr leicht, wenn ihr die Bewegung mittelst eines Riemens oder Bandes mitgetheilt wird.

Sehen wir einen Riemen über zwei Rollen gespannt und betrachten die Bewegung ohne nähere Untersuchung, so scheint uns die Wirkung sehr einfach zu seyn; sie ist jedoch zusammengesezter, als man auf den ersten Blik glauben möchte. Wir wollen der Klarheit wegen die Treibrolle die Trommel, die andere die Rolle nennen. Der über sie, gleichviel ob gerade oder übers Kreuz, streichende Riemen hat zwei freie Theile, wovon der eine zieht und der andere folgt. Wenn zum Drehen der Rolle gar keine Kraft erforderlich wäre, so würden diese beiden freien Theile sich im gleichen Zustande der Spannung befinden; da aber die Bewegung der Rolle immer einen Widerstand erfährt, wird der ziehende Theil mehr und der folgende weniger gespannt und Versuche zeigen, daß innerhalb aller praktischen Gränzen diese Differenz dem zur Besiegung des Widerstandes erforderlichen Druk genau proportional ist.

Beim Fortschreiten der Bewegung wird der gespannte Theil des Riemens über die Trommel und der (wenn ich mich so ausdrüken darf) zusammengezogene Theil über die Rolle geschlungen, so daß der Umkreis der Trommel sich schneller bewegt als derjenige der Rolle; beträgt die Spannung auf 100 eins, so gehen, wenn 100 Zoll über die Trommel passiren, nur 99 Zoll über die Rolle.

Die Differenz zwischen der Geschwindigkeit der Trommel und der Rolle zeigt demnach den zur Umdrehung der Trommel erforderlichen Druk an. Dieser Druk nun, verbunden mit der Entfernung, durch welche er wirkt, gibt die angewandte Kraft, und daher ist die Differenz zwischen den vom Umkreise der Trommel und vom Umkreise der Rolle zurükgelegten Entfernungen der Kraft genau proportional; es bleibt also nur noch ein Verfahren zu erdenken, wodurch |245| man diese Differenz registriren kann, um die von dem Riemen fortgepflanzte Gesammtkraft zu erfahren.

Es lassen sich leicht verschiedene Vorrichtungen combiniren, um den Unterschied zwischen den Bewegungen der Trommel und der Rolle zu ermitteln. So kann an jeder Welle oder Achse ein Indicator angebracht werden, durch welchen die Gesammtzahl ihrer respectiven Umdrehungen angegeben wird; aus dieser Zahl kann mittelst des schon bekannten Durchmessers die von jedem Umfang durchlaufene Entfernung und hiemit das zur Kenntniß der fortgepflanzten Kraft erforderliche Element gefunden werden.

Oder, und dieß ist vielleicht das Zwekmäßigste, man läßt eine leichte Rolle von 1 Fuß Umfang gegen den Riemen der Trommel und eine andere gegen denjenigen der Rolle sich andrüken; bringt man an diesen leichten Rollen eine Zählvorrichtung an, so erfährt man durch bloßes Ablesen und Subtrahiren die Differenz der Entfernung.

Ist die Differenz zwischen den beiden Bewegungen ermittelt, so ist noch zu erforschen, womit sie multiplicirt werden muß, um die Kraft zu erhalten. Es ist hier nicht meine Absicht, in die Theorie dieses Gegenstandes einzugehen, obwohl dieselbe einige Punkte von erheblichem Interesse darbietet, sondern eine praktische Anwendung des Princips zu geben. Um die je 1 Fuß Differenz entsprechende Kraft zu ermitteln, muß man die Rolle eine geraume Zeit hindurch unbelastet herumlaufen lassen, die Differenz der Bewegung aufzeichnen, dann die Welle mit einem mit Feder versehenen Frictionsriemen mit zwei Annen belasten und hierauf die Beobachtung mit eben so vielen Drehungen der Trommel wiederholen. Auf diese Weise wird eine neue Differenz erhalten, und zieht man die eine von der anderen ab, so erfährt man, was auf die Kraft, wie sie der Frictionsriemen zeigte, kommt.

Ist der Multiplicator für einen Riemen einmal ermittelt, so kann derselbe für jeden anderen Riemen approximativ berechnet werden, welcher von gleichem Material ist, indem man die relativen Gewichte eines Fußes von jedem berüksichtigt; ein paar genau construirte Zähler bilden also einen tragbaren Apparat, womit die durch irgend einen Riemen fortgepflanzte Kraft sogleich bestimmt werden kann, wenn das Gewicht, die Länge und das Material dieses Riemens bekannt sind.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: