Titel: Miszellen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. CXVI. (S. 463–468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/ar088116

CXVI.   Miszellen.

Gannal's Bleiweißbereitung.

Gannal hat der französischen Akademie der Wissenschaften ein Verfahren Bleiweiß zu bereiten mitgetheilt, durch welches die Gesundheit der Arbeiter nicht gefährdet werden soll. Dieses Verfahren, welches von einer Commission geprüft werden wird, besteht im Wesentlichen darin:

1) daß das Blei granulirt wird; dann 2) die Körner durch gegenseitige Reibung in einem bleiernen Cylinder sehr fein zertheilt werden; 3) die Oxydation des Bleies durch Einleiten von atmosphärischer Luft in den Apparat befördert und 4) das entstandene Bleioxyd durch Luft, welche mit Kohlensäure vermischt ist, in Bleiweiß verwandelt wird. 5) Auch wird die Oxydation des Bleies durch Zusaz von Salpetersäure oder salpetersaurem Blei beschleunigt. 6) Das ausgewaschene Product wird endlich sehr stark ausgepreßt und hierauf in einer geheizten Trokenkammer ausgetroknet. (Comptes rendus, Mai 1843, No. 20.)

Verfahren die schweflige Säure in der Salzsäure und andern Producten des Handels zu entdeken; von Fordos und Gélis.

Girardin gab bekanntlich im Jahr 1836 ein leicht anzuwendendes Mittel an, die Anwesenheit von schwefliger Säure in der käuflichen Salzsäure darzuthun. Man gießt in ein Glas 16 Gramme von der zu untersuchenden Säure, sezt hierauf 8 bis 12 Gr. durch die Luft nicht verändertes, ganz weißes Zinnsalz (salzsaures Zinnoxydul) zu, rührt mit einem Glasstabe um und gießt dann, während man rührt, auf das Ganze zwei- oder dreimal so viel destillirtes Wasser. Enthält die Salzsäure nicht zu wenig schweflige Säure, so wird sie nach dem Zusaz von Zinnsalz trübe, gelb, und sobald das destillirte Wasser hinzugesezt worden ist, riecht man ganz deutlich den Schwefelwasserstoff und die Flüssigkeit nimmt eine braune Farbe an, indem sich ein gleich gefärbter Absaz bildet.

Ein von uns entdektes viel empfindlicheres Verfahren beruht darauf, daß bei |464| der Entwikelung von Wasserstoffgas durch die Metalle die Reduction der schwefligen Säure unvermeidlich ist; so gering auch die Menge der schwefligen Säure seyn mag, es bildet sich Schwefelwasserstoffgas, welches durch seine Wirkung auf die Bleisalze in der geringsten Menge nachweisbar ist. Das Verfahren hat keine Schwierigkeiten: man bringt in ein Fläschchen einige Stükchen reinen Zink und sezt hierauf die zu prüfende Substanz hinzu. Wenn diese eine Säure ist, welche mit Zink Wasserstoffgas liefert, so reicht es hin, das sich entwikelnde Gas in eine Auflösung von basisch-essigsaurem Blei (Extractum Saturni) zu leiten. Ist die auf einen Gehalt von schwefliger Säure zu prüfende Substanz aber nicht sauer, so mischt man sie sogleich mit Schwefelsäure, welche zuvor mit ihrem 4–5fachen Volumen Wasser verdünnt wurde; gießt hierauf das Gemisch in den Kolben und fängt das Gas gleichfalls in einer Lösung von essigsaurem Blei auf. Der einfachste Apparat reicht hiezu hin, ein kleiner Kolben und eine gebogene Glasröhre. Wenn die Substanz schweflige Säure enthält, so bildet sich Schwefelwasserstoffgas und hierauf Schwefelblei, welches die Flüssigkeit färbt, (Journal de Pharmacie, Febr. 1843.)

Ein Verfahren die käufliche Salzsäure auf einen Gehalt von arseniger Säure, womit sie häufig verunreinigt ist, zu prüfen und sie wohlfeil im Großen rein darzustellen, wurde in diesem Bande des polytechn. Journals S. 317 mitgetheilt.

Ausbeutungsresultate des sibirischen Goldsandes.

Die Comptes rendus der franz. Akademie (Mai 1843. Nr. 19) enthalten folgenden Auszug aus einem in der Petersburger Handelszeitung erschienenen Bericht hierüber. Es ist interessant, wie unbedeutend die ersten Versuche der Ausbeutung des sibirischen Goldsandes ausfielen und bis zu welchem Grade dieselbe sich allmählich verbesserte. Dieselbe geschah für Rechnung von Privatleuten, welchen Stüke Landes zu diesem Behufe verliehen wurden.

1830 5 Pud 32 Pfd. 59 1/2 Solotniks.
1831 10 – 18 – 35 1/2 –
1832 21 – 34 – 68 3/4 –
1833 36 – 32 – 53 3/4 –
1834 65 – 18 – 90 3/8 –
1835 93 – 12 – 46 1/4 –
1836 105 – 9 – 41 –
1837 132 – 39 – 5 1/4 –
1838 193 – 6 – 47 1/2 –
1839 183 – 8 – 16 1/8 –
1840 255 – 27 – 26 3/8 –
1841 358 – 33 – 14 3/4 –
1842 631 – 5 – 21 1/4 –
–––––––––––––––––––––––––
Summa 2093 38 46 3/8

Ueber die Verhinderung der Steuer-Defraudationen durch Abscheidung des Weingeists aus dem sogenannten Leuchtspiritus.

In französischen Journalen wird seit Kurzem die Anwendung des Weingeistes in Vermischung mit Terpenthinöhl als Beleuchtungsmaterial vielfach besprochen; die bei uns längst bekannten Leuchtspiritus- oder Dampflampen (man vergleiche Dr. Luedersdorff's Abhandlung darüber im polytechn. Journal, Jahrg 1836 Bd. LX S. 166) finden solchen Beifall, daß dem Vorschlage, den Weingeist zu den Zweken der Beleuchtung unbesteuert zu lassen, entsprochen werden dürfte. In diesem Falle ist es aber, um Benachtheiligungen des Aerars vorzubeugen, nöthig, daß man die als Beleuchtungsmaterial dienende Flüssigkeit (4 Maaße Weingeist von 93 Proc. nach Tralles'schem Alkoholometer und 1 Maaß Terpenthinöhl) mit irgend einem Zusaz versehen kann, in Folge wovon der in ihr enthaltene Weingeist entweder gar nicht mehr so abgeschieden werden kann, daß er trinkbar ist, oder daß wenigstens seine Extraction schwierig genug wird, um keinen Vortheil mehr darzubieten. Der Präfect des Dept. de l' Hérault ernannte eine Commission, welche diese Aufgabe zwar nicht vollständig, aber doch annähernd und genügend gelöst hat, wie man aus folgenden im Echo du monde savant 1843, No. 36 mitgetheilten Resultaten ihrer Versuche ersieht.

|465|

Durch bloße Destillation kann man eine Mischung von Weingeist und Terpenthinöhl, woraus die Beleuchtungsflüssigkeit besteht, nicht in ihre beiden Bestandtheile zerlegen. Man gelangt hingegen dahin, wenn man diese Flüssigkeit nach einander mit Wasser und mit fettem Oehl behandelt. Der Branntwein, welchen man so bekommt, enthält noch Spuren von Terpenthinöhl, kann aber streng genommen als Getränk benuzt werden. Diese Behandlung führt sogar noch zu demselben Resultat, wenn man die Beleuchtungsflüssigkeit vorher mit etwas Dippel'schem Oehl, Creosot, Gastheer oder gewissen scharfen Oehlen (wie Thymian-, Rosmarin-, Spiköhl etc.) versezt.

Bringt man Schwefeläther in die Beleuchtungsflüssigkeit, so kann auch dieser leicht abgeschieden werden und er verhindert keineswegs daraus einen trinkbaren Branntwein darzustellen.

Versezt man die Beleuchtungsflüssigkeit mit ungefähr 1/400 Coloquinten, so erhält sie eine außerordentliche Bitterkeit, welche nach der Behandlung mit Wasser und fettem Oehl bleibt, so daß der Weingeist ganz untrinkbar wird. – Außer der Behandlung mit Wasser und Oehl wäre also noch eine zwekmäßig geleitete Destillation nöthig, wenn man den Weingeist aus einer solchen Flüssigkeit in trinkbarem Zustande abscheiden wollte, und das Erforderniß dieser Operation dürfte eine hinreichende Garantie gegen die Benachtheiligung des Aerars darbieten, weil Destillationen in gewissem Maaßstabe unmöglich in den Städten verheimlicht werden können, wo die Branntweinsteuer eingeführt ist.

Der Kampher bietet gegen die Coloquinten noch besondere Vortheile dar, denn er bleibt mit dem Weingeist verbunden, nicht nur nach der Behandlung der Beleuchtungsflüssigkeit mit Wasser und Oehl, sondern auch Nach der Destillation. – Vielleicht wird man ihn also den übrigens sehr wohlfeilen Coloquinten vorziehen, obgleich die bei Anwendung der leztern nöthige Destillation dem Betrug schon Schwierigkeiten genug darbieten dürfte.

Um alle mögliche Garantie zu haben, brauchte man aber die Beleuchtungsflüssigkeit bei ihrer Einfuhr in die Städte außer den Coloquinten nur noch mit einer kleinen Menge schweren Salzäthers zu versezen. Leztere Substanz bleibt bei den verschiedenen Operationen, welche man behufs einer Steuer-Defraudation mit der Flüssigkeit vornehmen könnte, immer in Verbindung mit dem Weingeist; litt etwas gewandter Chemiker könnte daher sicher ausmitteln, ob eine geistige Flüssigkeit wirklich aus einer Beleuchtungs-Mischung gewonnen worden ist.

Ueber die Beleuchtung mit Steinkohlenöhl, Schieferöhl etc. nach dem Verfahren von Busson und Rouen.

Die flüssigen Kohlenwasserstoffarten, welche in so größer Menge in Form von Schieferöhl, Steinkohlenöhl, Terpenthinöhl etc. gewonnen werden, lassen sich nun ohne Beimischung von Weingeist nach dem neuen Verfahren von Busson und Rouen zur Beleuchtung benuzen. Diese wesentlichen Oehle enthalten so viel Kohlenstoff, daß man bisher nicht im Stande war, ihren Rauch mit den wirksamsten Zuggläsern zu verbrennen. Das sehr einfache Verfahren, welches die genannten Chemiker anwenden, beruht auf folgender Thatsache.

Wenn man einen Dampfstrahl von Schieferöhl, Steinkohlenöhl etc. unter einem Druk von 1 bis 6 (Zentimeter Queksilber frei in die Luft ausströmen läßt, so verbrennt er nach dem Anzünden ohne Rauch und diese vollkommene Verbrennung rührt gerade von dem überschüssigen Kohlenstoff her, welchen dieser Dampf enthält; das Heilmittel liegt also in der Ursache des Uebels selbst. Nur deßhalb, weit der Oehldampf sehr viel Kohlenstoff enthält und mit viel Ruß verbrennt, ist er weniger entzündlich als z.B. der Alkoholdampf und es folgt daraus, daß wenn man dem Strahle dieses Dampfes eine gewisse Geschwindigkeit gibt, er sich über der Austrittsöffnung nicht mehr entflammen wird, sondern bloß einige Zentimeter von dieser Oeffnung entfernt, an dem Punkte, wo einerseits seine Geschwindigkeit sich beträchtlich vermindert und wo andererseits er sich eine zur vollständigen Verbrennung hinreichende Menge Luft (fein 4- bis 5faches Volumen) angeeignet haben wird.

Nach diesem Princip ließ sich leicht ein sehr einfacher Apparat construiren, welchen man sich als einen Umgekehrten Heber vorstellen kann, dessen großer Schenkel sich in eine Erweiterung endigt, die als Reservoir dient und dessen kleiner Schenkel mit einer Verengerung endigt, welche den Dampfstrahl liefert. |466| Man braucht nun bloß auf dem Ende des kleinen Schenkels, durch welches der Strahl austritt, ein kurzes metallenes Zugrohr anzubringen, worin die Entflammung vorgenommen und unterhalten wird, so daß also die Entstehung der blauen, wenig leuchtenden Flamme auf dieses Zugrohr beschränkt bleibt, um es zu erhizen und die Verdampfung zu unterhalten, während die über das Zugrohr hinaus verlängerte Flamme das lebhafteste Licht verbreitet.

Sperrt man dieses Zugrohr oben mit einem Dekel ab, worin mehrere kreisförmige Löcher von 2 bis 4 Millimeter Durchmesser angebracht sind, so entweicht daraus die Flamme als eine Krone in sehr regelmäßiger Form; die Verbrennung erfolgt dann auch ruhiger und weniger rauschend.

Die Flamme ist sehr schön und kommt an Lichtintensität wenigstens derjenigen des öhlbildenden Gases gleich.

Abgesehen von dem wissenschaftlichen Interesse, welches die Erfindung der HHrn. Busson und Rouen darbietet, ist sie besonders in ökonomischer Hinsicht wichtig. Wenn man sich, wie es wahrscheinlich ist, das Material zu dieser Beleuchtung für 20 Fr. die 100 Kilogr. verschaffen kann, so würden sich die Kosten der neuen Beleuchtungsmethode verhalten

zur Gasbeleuchtung wie 1 zu 6;
Oehlbeleuchtung wie 1 zu 8;

man könnte also für denselben Preis, mit Gewinn, viermal so viel Licht als bei der Gasbeleuchtung und sechsmal so viel als bei der Oehlbeleuchtung liefern. (Aus den Comptes rendus, Mai 1843, Nr. 21.) Die französische Akademie der Wissenschaften hat eine Commission zur Prüfung dieser neuen Beleuchtungsmethode ernannt.

Ueber Vorster's Asphaltbereitung aus Torf.

Zeitungsartikeln zufolge sollte die belgische Regierung im Anfang d. J. einem Hrn. Vorster aus Coesfeld in Westphalen ein Patent auf ein von ihm erfundenes neues harziges Product ertheilt haben, welches angeblich aus aufgelöstem Torf gebildet wird, und ein dem Asphalt vollkommen gleiches, wenn nicht an Glanz, Festigkeit und Glätte noch vorzüglicheres Material liefert. Die günstigen Zeugnisse, welche über die Qualität dieses Stoffs beigebracht waren, und worunter hauptsächlich auf das Gutachten des Conseil de salubrité publique in Brüssel Bezug genommen war, veranlaßten die Direction des Gewerbvereins für das Königreich Hannover, sich an lezteren zu wenden, um nähere Aufschlüsse über das Verfahren des Hrn. Vorster zu erhalten, welches, wenn es den gemachten Verheißungen entsprach, für alle torfreichen Länder von großer Wichtigkeit werden könnte. Nach der Erwiederung des gedachten Conseil und dem von demselben mit dem Vorster'schen Verfahren vorgenommenen Examen wird der Torf einer starken Hize ausgesezt, nachdem indeß vorher eine besondere Präparation desselben stattgefunden hat, die je nach den Zweken verschieden ist, zu denen das daraus zu gewinnende Harz bestimmt ist. Dieses Harz soll den Asphalt in jeder Hinsicht ersezen können und dem Asphalt von Seyssel vollkommen gleich, für den Einfluß von Wasser und Säuren unempfindlich seyn, und sich mit allen anderen selbst feuchten Stoffen so eng verbinden, daß eher diese als die Harzmasse zerbrechen etc. – Ueber das Herstellungsverfahren selbst war daher eine nähere Auskunft nicht gegeben. Leztere aber ward der Direction dadurch zu Theil, daß sie durch den Hrn. Kaufmann Heinrich Westendarp in Osnabrük ersucht wurde, ein Verfahren der Bereitung von Asphalt aus Torf, in dessen Besiz sich derselbe, dem Vernehmen nach durch Ankauf des Vorster'schen Geheimnisses, befinde, einer Prüfung und Begutachtung zu unterziehen. Diese Prüfung ist durch eine directionsseitig ernannte Commission vorgenommen. Ueber das Verfahren selbst kann, weil dessen Geheimhaltung auf Verlangen zugesichert worden ist, etwas Näheres nicht angegeben und nur so viel gesagt werden, daß nach dem erstatteten Gutachten der Commission die Verheißungen, welche man von diesem Verfahren hat machen wollen, keineswegs als gegründet anzunehmen sind und die Wichtigkeit desselben für eine größere Verwerthung des Torfes sich als erheblich nicht darstellt. Es ist nämlich dargethan, daß die vermeinte Umwandlung des Torfes in Harz keineswegs stattfindet, sondern der ganze Proceß seinem Wesen nach darauf hinausläuft, den fein zertheilten Torf in unverändertem Zustande mit dem aus den übrigen Zuthaten resultirenden Harze (welches an sich |467| ein längst bekanntes Product ist) zu incorporiren – woher es auch rührt, daß das Torfpulver vollständig wieder gewonnen wird, wenn man den sogenannten Torfasphalt mit Terpenthinöhl auszieht, in welchem das Harz sich auflöst. (Aus den Mittheilungen des Gewerbvereins für das Königreich Hannover, 1842, 31ste Lieferung.) Dadurch ist nun ein von Dr. Schütte in der Augsb. Allg. Zeit, erschienener Artikel über den Vorster'schen Torfasphalt, welcher auch im polyt. Journal (Bd. LXXXVI S. 155) und anderen technischen Zeitschriften aufgenommen wurde, auf seinen wahren Werth zurükgeführt.

Oehlsäure, zum Schmalzen der Wolle benuzt, verhindert die Selbsentzündung der fetten Abgänge.

Der Stadtrath von Paris erhielt folgendes Schreiben der HHrn. Alcan und Peligot über die Anwendung der Oehlsäure zum Schmalzen der Wolle.77)

„Die beständigen Gefahren, welchen man durch die Kammabgänge und die fetten Abfälle in den Tuchfabriken ausgesezt ist, die Unmöglichkeit, diese Abgänge immer sogleich zu entfetten, die häufigen Unglüksfälle, welche sie schon herbeigeführt haben, veranlassen uns, Ihre ganze Aufmerksamkeit auf unser Einfettungsverfahren zu lenken, durch welches diese Uebelstände der gewöhnlichen Verfahrungsarten beseitigt werden.

Unsere Methode besteht in der Anwendung der Oehlsäure (uneigentlich Olein genannt), welche bekanntlich nicht in Gährung übergehen, daher auch keine Selbste entzündungen veranlassen kann, die so häufig eintreten, wenn man Olivenöhl oder Samenöhle zum Schmalzen benuzt.

Die mit Oehlsäure imprägnirten Abfalle braucht man nur in ein alkalisches Wasser zu werfen und ein paar Minuten darin zu lassen, damit jede Spur des einfettenden Körpers ausgezogen und alles, was sie noch nuzbares enthalten, wieder brauchbar wird. Uebrigens braucht man sich damit gar nicht zu beeilen; denn die zahlreichen Versuche im Großen, welche wir mit solchen Abfallen in Ballen, in feuchtem Zustande etc. anstellten und die in mehreren Fabriken, namentlich bei den HHrn. Victor Grandin, Poussin, Th. Chennevière, Gebrüder Aubé wiederholt wurden, beweisen, daß die Wolle, selbst nachdem sie lange Zeit mit Oehlsäure getränkt ist, keiner Selbstentzündung fähig ist.“ (Moniteur industriel, 1843, No. 710.)

Verwandlung des Zukers in eine flüchtige Fettsäure durch Gährung.

Pelouze und Gélis haben gefunden, daß man die Buttersäure, welche bekanntlich von Chevreul zuerst aus der Butterseife dargestellt wurde und die sich in Wasser und Weingeist in allen Verhältnissen auflöst, an der Luft sich verflüchtigt und wie flüchtiges Oehl verbrennt – in Menge und in vollkommen reinem Zustand erhält, wenn man eine Auflösung von Zuker einige Wochen bei einer Temperatur von 20–25° R. mit etwas Käsestoff und gepulverter Kreide in Berührung läßt: der Zuker zersezt sich unter dem Einfluß des Käsestoffs, welcher als Ferment wirkt, indem er Wasserstoff und Kohlensäure entwikelt; es bildet sich Wasser und Buttersäure, welche mit der Kreide buttersauren Kalk liefert. Lezterer kann durch Salzsäure zersezt und die Buttersäure aus der Flüssigkeit abdestillirt werden. (Moniteur industriel vom 18. Jun. 1843.)

Analyse eines aus Alaunschiefer-Rükständen bereiteten Düngers; von Professor Girardin.

In der Umgegend von Forges-les-Eaux finden sich an der Oberfläche des Bodens, oder nahe an derselben, mehr oder weniger dike Schichten einer Thon und Schwefelkies enthaltenden Braunkohle, welche schon seit langer Zeit zur Fabrication von Eisenvitriol ausgebeutet wird.

|468|

Die schwefelkieshaltige Erde wird nach dem Auslaugen mit dem Viertheil ihres Gewichts Torfasche gemengt und so als ein stark stimulirender Dünger für Wiesen, feuchte Graspläze und eigentlich pflugbares Land benuzt.

Hr. Dupré verkauft die ausgelaugte Erde unter der ungeeigneten Benennung Vitriolasche, den Hektoliter zu 1 Fr.

Die HHrn. Girardin und Bidard analysirten ein von Hrn. Dupré ihnen zugesandtes Muster und fanden, daß:

100 Theile ausgelaugter Asche 24 Theile Wasser enthalten.

100 Theile dieses ausgetrokneten Düngers enthalten:

Textabbildung Bd. 88, S. 468

Der Stikstoffgehalt wurde mittelst Liebig's Apparat sorgfältig bestimmt und 2,72 Gewichtsprocente Stikstoffs gefunden.

Der Gehalt dieses Düngers ist sonach auszudrüken durch die Zähl 680,0, sein Aequivalent durch 14,70, demzufolge 14,70 Kil. Vitriolasche von Forges hinsichtlich ihres Stikstoffgehalts dieselbe Wirkung haben wie 100 Kil. Normaldüngers.

Die sogenannte Asche aus der Picardie (welche gleichen Ursprung hat) enthält nach den HHrn. Boussingault und Payen nur 0,65 Proc. Stikstoffs und ihr Aequivalent ist = 64,50.78) Die Vitriolasche von Forges ist in dieser Beziehung also viel besser.

Die Gegenwart von schwefelsaurem Eisen in dieser Erde, welches sich durch die Einwirkung der Luft auf das darin enthaltene Schwefeleisen beständig darin erzeugt, erklärt ihre bedeutende stimulirende Wirkung auf natürliche und künstliche Wiesen.

Die große Wirksamkeit dieser Erde kann mehreren Ursachen zugeschrieben werden.

1) Ihrer dunklen Farbe, welche auf die Erwärmung der Erde durch die Sonnenstrahlen von großem Einfluß ist;

2) dem Schwefeleisen, welches durch seine langsame Verbrennung (Oxydation) die Erwärmung und elektrische Erregung der Erde verstärkt;

3) der großen Menge löslichen und unlöslichen Humus;

4) dem schwefelsauren Eisen, welches, abgesehen von seiner Eigenschaft, das Unkraut, die Moose, Flechten etc. zu vertilgen, auf den kohlensauren Kalk des Bodens wirkt und schwefelsauren Kalk bildet, welcher auf die Hülsenfrüchte so wichtig einwirkt.

Ihrer Zusammensezung nach muß die sogenannte Vitriolasche vorzüglich auf Kalkboden und auf häufig mit Kalk und Mergel behandeltes Erdreich von bester Wirkung seyn, was die Erfahrung auch bestätigt. (Journal de Pharmacie, Mai 1843, S. 371.)

Dr. Gintl, über die Theorie der Grundeisbildung.

Berichtigung. In dem Auszug aus Dr. Gintl's Abhandlung über die Theorie der Grundeisbildung, welcher im ersten Märzheft dieses Jahrgangs des polytechnischen Journals S. 369 mitgetheilt wurde, ist S. 370 die Stelle: „Was es aber für eine Bewandtniß mit seiner Entstehung habe, wird sich dann am besten beurtheilen lassen, wenn wir die bisher über das Grundeis überhaupt gemachten Erfahrungen Anderer zu Rathe ziehen und die Ergebnisse derselben mit den an der Mur angestellten Erfahrungen vergleichen werden; dabei wird es sich sehr leicht zeigen lassen, ob die über das Grundeis anderwärts gemachten Erfahrungen etc.“ zu streichen. Hr. Dr. Gintl hatte nämlich in dem uns mitgetheilten besonderen Abdruk seiner Abhandlung die für den Auszug zu benuzenden Stellen bloß mit Rothstift bezeichnet, daher das Stehenbleiben jenes den Zusammenhang störenden Sazes nicht ihm, sondern uns zur Last fällt.

Die Redaction des polytechnischen Journals.

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Ueber die Anwendung der Oehlsäure zum Schmalzen der Wolle vergl. man die Abhandlungen im polytechn. Journal Bd. LXXVIII S. 69, Bd. LXXXI S. 484 und Bd. LXXXIV S. 435.

|468|

Polyt. Journal Bd. LXXXII. S. 142 und 145.

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