Titel: Schwefelsäure wider die Fäulniß des Holzes für Eisenbahnen-Querschwellen empfohlen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. XIX./Miszelle 4 (S. 76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/mi088019_4

Schwefelsäure wider die Fäulniß des Holzes für Eisenbahnen-Querschwellen empfohlen.

Unter allen Holzbewahrungsweisen ist unstreitig das Antheeren eine der ältesten und am meisten angewendetsten; freilich hilft es nicht radical in allen Fällen, aber jedenfalls ist es besser, als manche englische und französische Patentmethode, die im eigenen Lande das Antheeren nicht verdrängt hat. In Deutschland, wo die Gasbeleuchtung noch wenig eingeführt, daher der Steinkohlentheer verhältnißmäßig theuer ist und ebenfalls der Holztheer nicht wenig kostet, haben wir ein besseres Mittel unser Holz vor Fäulniß zu bewahren, wenn es in Feuchtigkeit und Erde liegt, oder der wechselnden Einwirkung von Luft und Wasser ausgesezt ist. Es ist dieß das Bestreichen des Holzes mit concentrirter Schwefelsäure (rauchendem Vitriolöhl), wodurch nicht allein ein Verkohlen der Oberfläche des Holzes, sondern auch eine Verbindung der Schwefelsäure mit der Holzfaser stattfindet, das wenigstens gegen äußere Einwirkung (die Entstehung der Fäule durch die Veränderung oder Verpilzung innerer organischer Theile des Holzes als factisch dahingestellt seyn lassend) vollkommen schüzt. In Chemnitz ist dieses Bestreichen seit 10 Jahren mit dem entschiedensten Erfolge bei Staketpfählen, Brükenpfeilern, Grundschwellen u.s.w. angewendet worden. Die Kosten sind ungemein gering, da die Schwefelsäure sehr billig ist und sie nur ganz dünn aufgetragen zu werden braucht; die Methode ist bei uns wohlfeiler als das Theeren und jedenfalls wirksamer, die Procedur höchst einfach, nur hat man Bedacht zu nehmen, sich nicht zu besprizen. Möglich ist, daß hier etwas vorgeschlagen ist, was Viele wissen, vielleicht aber doch nicht anwenden, weil sie an der Möglichkeit zweifeln. Die ewig holzconsumirenden Eisenbahnen sollten wohlfahrtspolizeilich, forstwirthschaftlich und volksfreundlich angehalten werden, entweder ihr Querschwellensystem, welches durch Steinblöke ersezt werden kann, aufzugeben, oder ihre Schwellen mit Schwefelsäure anzustreichen, damit nicht zu unverzeihlicher Vermehrung ihres Reparaturconto's alle zwei bis drei Jahre neue Querschwellen eingezogen werden müssen, was, wenn es in Deutschland so fortgeht, unsere Forste vollends lichten würde. Wk. (Gewerbeblatt für Sachsen, 1843 Nr. 19.)

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