Titel: Ueber Schwerspath-Farben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. XIX./Miszelle 7 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/mi088019_7

Ueber Schwerspath-Farben.

Vor nicht langer Zeit errichtete der Herzog von Hamilton auf der Insel Arran, an der Mündung des Clyde-Flusses eine Fabrik, worin schwefelsaurer Baryt (Schwerspath) zu Malerfarben zubereitet wird. Professor Traill berichtet über dieselbe folgendes.

Die Fabrik liegt in geringer Entfernung von einem einen Granitfelsen durchziehenden Schwerspathlager, welches gegenwärtig bergmännisch ausgebeutet wird. Dieser Schwerspath ist sehr rein, krystallinisch und durchscheinend; manchmal kommt er etwas bräunlich gefärbt vor; er gehört der geradschaligen Varietät an und übertrifft hinsichtlich der Reinheit alle bisher ausgebeuteten Lager.

Alle Maschinen dieses wohleingerichteten Werks werden durch ein oberschlächtiges Wasserrad von 8 Meter Durchmesser und 2 Meter Breite in Bewegung gesezt. Der Spath wird zuerst sortirt und dann gewaschen. Er ist so spröde, daß er ganz leicht in Stüke gebrochen werden kann, in welchem Zustande er mit verdünnter Schwefelsäure ausgewaschen wird, um ihm jede Spur einer färbenden Substanz zu entziehen. Hierauf wird er mittelst zweier, mit gußeisernen Reifen umgebener, verticaler Mahlsteine aus Granit, die sich in einem |78| ebenfalls granitnen Trog drehen, zu Pulver gerieben; diese Mahlsteine wiegen 5 Tonnen.

Das so erzeugte Pulver wird in gußeiserne cylindrische Behälter von ungefähr 3 Meter Durchmesser gebracht, die mit Granitplatten gepflastert sind und in welchen man es in Wasser mittelst großer Granitblöke fein pulvert, die mit eisernen Ketten an den Armen einer durch das Wasserrad in Bewegung gesezten verticalen Achse befestigt sind.

Ein von Zeit zu Zeit in diese Behälter gelassener Wasserstrom reißt die feinsten Theile mit sich, welche sich in großen Trögen in Gestalt eines unfühlbaren Pulvers ansammeln. Vier so große Mörser sind in einem und demselben Raume, in welchem auch das Zerbrechen und Grobpulvern vor sich geht.

Der gesammelte Bodensaz wird getroknet und in Steine geformt, die in einen auf 76° R. geheizten Troknenraum kommen und nach dem Troknen gebrochen und zur Versendung in Fässer verpakt werden.

Die Maschinen des Etablissements sind im Stande wöchentlich 20 Tonnen Schwerspathweiß und mehr noch mit einem Wechsel von Arbeitern zu bereiten; zur Zeit erzeugen sie mit 6 Mann wöchentlich 10 Tonnen.

Dieses Weiß wird mit Oehl angerührt, wie das Bleiweiß, welchem man es bekanntlich oft zusezt, um ein geringeres und wohlfeileres Weiß darzustellen; in der Fabrik zu Arran aber gibt man ihm auch verschiedene Farben, wie blau, gelb und grün in verschiedenen Nuancen.

Hr. Traill fragte nicht nach ihrer Bereitung, analysirte sie aber und es gelang ihm, sie dadurch nachzuahmen, daß er verschiedene Farben auf den präparirten Schwerspath niederschlug, welcher in Wasser oder vielmehr in den zur Erzeugung dieser Farben geeigneten Metalllösungen suspendirt war. So bekommt man, wenn man ihn in eine Auflösung von eisenblausaurem Kali rührt und ein Eisenoxydsalz zusezt, ein schönes Blau; rührt man ihn in eine Lösung von chromsaurem Kali, so erzeugt essigsaures Blei ein herrliches Gelb.

Merkwürdig ist, daß das niedergeschlagene Pigment durch Säuren ziemlich schwer vom Barytsalz zu trennen ist, so daß eine Verwandtschaft zwischen den Metallfarben und dem schwefelsauren Baryt zu bestehen scheint. (Echo du monde savant, 1843, No. 15.)

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