Titel: Ueber die Auswahl des Elfenbeins für Arbeiten der Kunstdreher.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. XXXVIII./Miszelle 10 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/mi088038_10

Ueber die Auswahl des Elfenbeins für Arbeiten der Kunstdreher.

Die Auswahl des Elfenbeins aus den Zähnen wird von den geübtesten Personen als sehr unsicher anerkannt; zum Drehen wäre ein massiver Kegel natürlich die ökonomischste Form, da ein solcher aber nicht vorkömmt, muß man sich mit dem, was ihm am nächsten kömmt, begnügen und Zähne wählen, die so gerade, massiv und rund als möglich sind, vorausgesezt, daß sie auch die übrigen nöthigen Eigenschaften besizen. Die Rinde muß zart und frei von Sprüngen seyn und sollte an des Zahns Anfang der Kern sichtbar seyn, so ist es desto besser, je mehr er in der Mitte liegt. Durch genaue Besichtigung des Anfangs, dessen Rinde immer mehr oder weniger verdorben ist, kann man sich in der Regel über, zeugen, ob der Zahn grob- oder feinkörnig, durchsichtig oder undurchsichtig ist; doch verhindert die Farbe der äußern Rinde eine gehörige Beurtheilung der innern Farbe und Beschaffenheit des Elfenbeins.

Man mag aber den Zahn äußerlich noch so sorgfältig untersucht haben, so ist man beim ersten Einschnitt doch immer in etwas banger Erwartung, weil die äußern Kennzeichen bei weitem keine Gewißheit geben.

Das afrikanische Elfenbein bester Beschaffenheit muß, mittelst der Säge frisch angeschnitten, von milder, warmer, durchsichtiger Farbe seyn, beinahe wie in Oehl getränkt und wenig Korn oder Faser sehen lassen; es wird dann durchsichtiges oder (analog dem Bauholz) grünes Elfenbein genannt. Das Oehl troknet an der Luft sehr auf und hinterlaßt das Material mit zarter, in der Regel bleibender Färbung, um ein paar Nüancen dunkler als Schreibpapier. – Das asiatische Elfenbein ist von undurchsichtiger mattweißer Farbe, unstreitig durch |159| geringern Oehlgehalt, und beim Oeffnen schon dem vorher beschriebenen afrikanischen ähnlicher; es wird leichter gelb; das afrikanische Elfenbein hat in der Regel ein geschlosseneres Gefüge, ist härter, nimmt bessere Politur an als das asiatische und seine Compactheit verhindert es, so schnell Oehl oder Farbstoffe zu absorbiren.31) – Die Rinde ist manchmal nicht mehr als 1/10 Zoll dik und beinahe von derselben Farbe wie das innere Elfenbein; bisweilen aber ist sie zweimal so dik und dunkel gefärbt, was sich auf die äußern Schichten theilweise bestekend fortsezt. Da nicht alle Exemplare untadelhaft beschaffen sind, muß man auch auf das Gegentheil gefaßt seyn, vorzüglich bei größern Zähnen, bei welchen das Korn sichtbarer ist) doch verschwindet dieß in der Regel gegen die Mitte zu, indem es gegen außen am gröbsten ist. – Bei manchen Zähnen hat der mittlere Theil ein durchsichtiges Ansehen und der äußere ist mehr weiß, die durchsichtigen Zähne haben an ihren massiven Theilen oft weiße, undurchsichtige Fleken, häufig von länglich eiförmiger Gestalt. Unter dem weißen Elfenbein gibt es oft Zähne, welche mit abwechselnd dunkeln und hellen Ringen gezeichnet sind und diese nennt man ringelig oder wolkig (ringy oder cloudy).

Bei jenen Zahnen, welchen das thierische Oehl zu fehlen scheint, haben die Zwischenräume der Fasern oft das kreidige Ansehen der Knochen und zerbrökeln sich gern unter dem Drehstahl, wenn derselbe nicht sehr scharf ist; sie gleichen hierin den zartern Holztheilen, wenn sie mit stumpfem Werkzeug bearbeitet werden; manchmal ist das Elfenbein nicht nur grob, sondern auch dunkel und braun, und nicht selten sind beide Fehler zugleich vorhanden. – Die Sprünge gehen oft tiefer hinein, als man von Außen glauben möchte; seltener aber ist ein beträchtlicher Theil des Zahns von einer Flintenkugel beschädigt, obwohl die Gold- und Silberkugeln, deren sich die orientalischen Potentaten bedienen sollen, äußerst selten vorkommen, sondern statt deren nur eiserne, bisweilen bleierne.32) Gewöhnlich zerreißen sie den Theil sehr stark und es bildet sich eine neue Ablagerung von knochenartiger Substanz, welche alle Zwischenräume ausfüllt, die Höhlungen inkrustirt und eine getupfte, buntschekige Masse hinterlaßt, die sich von ihrem Mittelpunkt aus nach allen Seiten hin viele Zoll weit erstrekt und diesen Theil für Kunstdreher ganz untauglich macht. (Aus dem Werke von Charles Holzapfel on Turning and mechanical Manipulation, London 1843 im Mechanics' Magazine.)

|159|

Der Verf. behielt die allgemein angenommenen Ausdrüke afrikanisches und asiatisches Elfenbein bei, obwohl der größte Theil von beiden aus Afrika zu kommen scheint; richtiger wäre vielleicht statt: afrikanisches, durchsichtiges und statt asiatisches, undurchsichtiges Elfenbein zu sagen.

|159|

Der Verf. hörte nur von zwei goldenen so gefundenen Kugeln; die eine soll von einem Kammmacher beim Theilen eines Zahnes durchschnitten worden, die andere soll 17 Schilling werth gewesen seyn.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: