Titel: Ueber die Verfälschungen der Cochenille.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. XXXVIII./Miszelle 12 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/mi088038_12

Ueber die Verfälschungen der Cochenille.

In einer Sizung der Société d'emulation in Rouen am 15. Jan. 1843 machte Hr. Letellier Mittheilungen über die Verfälschung der Cochenille. Man findet im Handel zwei Sorten Cochenille, die graue und die schwarze, ist aber noch nicht einig darüber, ob diese Verschiedenheit von der Art, wie sie präparirt wild und wie man diese Insecten tödtet, herrührt, oder ob sie zweierlei Varietäten seyen. Auch ist noch nicht ausgemacht, welche die reichste an Falbstoff sey, daher die physischen Merkmale nicht hinreichen können, um den käuflichen Werth einer Cochenille zu bestimmen.

Robiquet und Anthon gaben Verfahrungsarten an, um den Carmingehalt einer Cochenille auszumitteln. Robiquet's Verfahren besteht darin, gleiche Volume Cochenillelösung mittelst Chlor zu entfärben; allein wegen der Schwierigkeit, sich Chlorflüssigkeit von gleichem Gehalt zu verschaffen, fand es wenig Anwendung. Anthon's Methode besteht im Niederschlagen des Carmins aus dem Cochenille-Absud mittelst Alaunerdehydrat bis zu seiner völligen Entfärbung. Die Quantität des verbrauchten Hydrats zeigt den Gehalt der Cochenille an. Dieses Verfahren ist leicht auszuführen und verdient daher den Vorzug. Die graue Cochenille kommt in zwei sehr verschiedenen Sorten vor; die eine ist groß, schwer und regelmäßig, man erkennt die zwölf Ringe, welche das Insect bilden, das seine Form noch hat; die graue Farbe rührt von einem weißlichen Staube her, mit welchem es sich während seines Wachsthums bedekt; die zweite Sorte ist unregelmäßig, mißgestaltet, der weißliche Ueberzug findet sich zusammengehäuft zwischen den Ringen des Insects, die nicht mehr zu unterscheiden sind) er besteht aus Talkstein, Sand, manchmal auch Bleiweiß.

Auch von der schwarzen Cochenille gibt es verschiedene Sorten, die eine (zacotillée genannt) ist klein, runzelig, mißgestaltet; sie ist verfälscht und wird als solche gekauft. Es beschäftigen sich in Bordeaux Leute damit, sie so zu präpariren (zacotiller) und unter dem Preise zu verkaufen. Hr. Letellier untersuchte nun, was hier mit ihr vorgenommen wird. Er glaubt seinen Versuchen zufolge, daß die graue Cochenille mit heißem Wasser behandelt wird, um einen Theil des Farbstoffs auszuziehen, wodurch das Insect den es bedekenden grauen Staub verliert und zu oben genannter stets ärmeren Cochenille wird. – Von 22 Cochenillesorten, die Hr. Letellier prüfte, enthielten vier metallisches Blei.33) Es scheint, daß diese von Hrn. Boutigny entdekte Verfälschung nicht an dem Orte ihrer Production, sondern an den Seepläzen mit der schon theilweise erschöpften Cochenille vorgenommen wird.

Bis zum Jahre 1840 warfen die französischen Kattundruker die Cochenille, welche sie schon öfters mit Wasser behandelt hatten, als erschöpft weg; der Färber Lemoine (in Rouen) kam auf den Gedanken, zu untersuchen, ob in dieser weggeworfenen Cochenille kein Carmin mehr enthalten sey und fand darin noch 18 Proc. ihres früheren Gehalts; seitdem wird die von den Kattundrukern aufgegebene Cochenille von den Färbern um 2 bis 3 Fr. per Kilogr. gekauft.

Es gibt im Handel einen grauen Staub unter dem Namen Cochenilleflaum (duvet de Cochenille), welchen die Färber lange Zeit aufkauften; gegenwärtig aber verzichten sie darauf und geben mit Recht schöner Cochenille den Vorzug.

Um eine Cochenille zu prüfen, nimmt Hr. Letellier 5 Decigramme von derselben und erhizt sie in 1000 Grammen Brunnenwasser mit Zusaz von 10 Tropfen einer Alaunlosung eine Stunde lang in einem kochenden Wasserbad; sie wird so hinlänglich erschöpft und die wieder erkaltete Flüssigkeit ist ganz durchsichtig; bei der Probe mit dem Colorimeter (beschrieben im polytechn. Journal Bd. XXVII. S. 372) findet man dann den Gehalt an Farbstoff genau. (Moniteur industriel. 19. Febr. 1843) Diese Probe wäre jedoch bei einer allerdings möglichen Verfälschung der Cochenille mit Fernambukpigment trügerisch, worauf schon Hr. B. Schwarz (polyt. Journal Bd. LXII S. 75) aufmerksam machte. D. Red.

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Man vergl. über diese Verfälschung Bd. LXXXVII S. 393 des polyt. Journals.

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