Titel: Ueber die Eigenschaft des Oehls die Meereswogen zu beruhigen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. XXXVIII./Miszelle 7 (S. 157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/mi088038_7

Ueber die Eigenschaft des Oehls die Meereswogen zu beruhigen.

In den Annales de Chimie et de Physique und daraus im polytechnischen Journal Bd. LXXXVII. S. 107 wurde eine Abhandlung des Hrn. van Beek mitgetheilt, über die Eigenschaft des Oehls, die Meereswogen zu beruhigen und die Wasserfläche vollkommen durchsichtig zu machen. Er sucht diese Eigenschaft des Oehls darin durch mehrere Beweise darzuthun und spricht sogar die Idee aus, daß das Oehl während der Stürme ein Mittel zur Beschüzung der Dämme und anderer Wasserbauten gegen die ungestüme Einwirkung der Wellen darbieten dürfte. Die französische Akademie der Wissenschaften ernannte eine Commission zur Prüfung dieses kühnen Vorschlags, dieselbe Frage wurde aber auch in Holland schon verhandelt, und eine Commission von fünf Mitgliedern des königlichen Instituts der Niederlande beauftragt, in der Nähe der Ufer Versuche in diesem Betreffe anzustellen. Dem Berichte dieser Commission zufolge machten zwei Mitglieder derselben, die sich eines Tags bei starkem Winde auf dem Lande befanden den Versuch, schütteten eine kleine Quantität Oehls auf das Wasser eines Baches und fanden eine unverkennbare Veränderung, welche dadurch im Ansehen und in der Bewegung des Wassers vorging. Ein anderes Mitglied machte am selben Tage denselben Versuch auf der Spaarne (einem kleinen Fluß bei Harlem) mit gleichem Erfolg. Hiedurch ermuthigt, vereinigte sich die Commission eines Tages um 9 Uhr Morgens zu gemeinschaftlichen Versuchen zu Zandvoort. Einige ihrer Mitglieder liehen sich nicht weit vom Ufer weg ins Meer fahren, um dort Oehl auszugießen und den Erfolg davon zu beobachten; die andern blieben auf dem Lande und richteten, ohne zu wissen wann und wie oft eingegossen werde, ihre Blike auf die vom Fahrzeug nach dem Ufer zu sich bewegenden Wogen, wodurch ihr Urtheil unbefangen blieb und als desto unpartheiischer betrachtet werden konnte. Der Wind ging von S. O. und mit mittelmäßiger Stärke. Das auf viermal, nämlich um 9 Uhr, 43, 45, 50 und 51 Minuten aufgegossene Oehl betrug 15 Liter; das Wasser war im Steigen und sollte erst um 11 Uhr 21 Minuten seine größte Höhe erreichen. – Aber weder die eine noch die andere Abtheilung der Commission konnte eine Wirkung des ausgegossenen Oehles wahrnehmen, was die Frage wegen Beschüzung der Dämme schon verneinend beantwortete. – Ein zweiter und dritter Versuch wurden in etwas größern Entfernungen vom Ufer an unruhigern Stellen angestellt; allein mit nicht besserm Erfolge. – Von der Beschüzung der Damme durch Ausgießen von Oehl ist demnach nichts zu hoffen. (Echo du monde savant, 1845, No. 23.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: