Titel: Ueber die Zusammensezung des Aventuringlases.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. XXXVIII./Miszelle 8 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/mi088038_8

Ueber die Zusammensezung des Aventuringlases.30)

Hr. Prof. Wöhler theilte hierüber in den Götting. Gelehrt. Anzeigen, 1842, Nr. 179 und 180 eine Abhandlung folgenden wesentlichen Inhalts mit.

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Der Aventurin ist ein brauner Glasfluß mit einsizenden kleinen, sehr glänzenden Flimmern, die ihm ein eigenthümliches schimmerndes Ansehen geben. Er wurde früher zu Kunst- und Schmuksachen verarbeitet. Man verfertigte ihn zu Murano bei Venedig. Als Prof. Hausmann im J. 1819 die venetianischen Glasfabriken besuchte, wurde er nicht mehr gemacht, und über die Verfertigungsweise war nichts mehr zu erfahren; sie scheint ein Geheimniß geblieben zu seyn. Die Angaben, die man darüber in den technologischen Werken findet, nach denen er durch Einschmelzen von feinen Gold- Kupfer-, Messing-, Glimmer- oder Talkblättchen in Glas erhalten worden seyn soll, sind unrichtig, wie die mikroskopische Betrachtung des Aventurins deutlich zeigt.

J. G. Gahn hat zuerst die Beobachtung gemacht, daß die metallisch glänzenden Flimmern im Aventuringlase Krystalle sind, welche sich beim Erkalten der geschmolzenen Masse in derselben ausgeschieden haben müssen. In der That gewährt die Betrachtung eines Stükchens Aventurin unter dem Mikroskope, bei nur mäßiger Vergrößerung und auffallendem Lichte einen überraschend brillanten Anblik: man sieht, daß jedes Flimmerchen ein regelmäßiger, glänzender Krystall ist. Die Krystalle sind offenbar Segmente von regulären Octaëdern, jedoch so dünn, daß man niemals ein ganzes Octaëder beobachten kann. Sie sind dabei vollkommen undurchsichtig. Die Glasmasse, worin sie sizen, erscheint in dünneren Theilen mit gelblicher Farbe durchsichtig, in gewissen Richtungen mit einem Scheine ins Blaugrüne.

Aus der Zusammensezung des Aventurins, wie sie die Analyse mehrerer Stüke ergab, ließ sich nur schließen, daß der Aventurin ein gewöhnliches Glas ist, gefärbt und schimmernd durch metallisches Kupfer, welches sich aus dem schmelzenden kupferoxydhaltigen Glase ohne Zweifel durch den Zusaz einer reducirenden Materie krystallisirt ausgeschieden hat. Das Glas ist auch so leicht schmelzbar, daß es noch weit unter dem Schmelzpunkte des Kupfers in Fluß kommt.

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Mit dem Aventuringlase ist nicht die Varietät des Bergkrystalles zu verwechseln, welche man wegen ihrer ähnlichen schimmernden Beschaffenheit nach jenem Glase ebenfalls Aventurin genannt hat.

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