Titel: Ueber Fütterung der Schafe mit Brod, vom Grafen Locatelli.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. LXI./Miszelle 13 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/mi088061_13
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Ueber Fütterung der Schafe mit Brod, vom Grafen Locatelli.

In Folge des geringen Ertrags seiner Wiesen nach anhaltender Trokenheit fütterte dieser Oekonom seine Schafe mit 1/3 Liter Hafer und bloß 0,140 Kilogr. Heu per Kopf und Tag. Zu gleicher Zeit aber suchte er aus seiner Heerde 56 trächtige Schafe aus, welche er 40 Tage lang mit einer Art Brod fütterte, das sie täglich einmal zur Mittagszeit, in Würfel geschnitten und mit Strohhäksel gemengt, erhielten. Dieses Brod wurde täglich wie folgt bereitet. Man nahm

4,61 Hektoliter Roggenmehl,
5,00 – Kartoffelmehl, und
52 Bündel Reisig zum Heizen des Bakofens.

Aus diesen Materialien wurden 527,5 Kilogr. Brod bereitet, welche in 2240 Rationen abgetheilt wurden, was per Tag und Kopf 0,235 Kilogramme ausmacht.

Diese Materialien kosteten zum Marktpreise:

4,61 Hektol. Roggen(mehl) zu 12 Fr. 50 Cent. 57,60
5,00 – Kartoffeln zu 4 Fr. 40 Cent. 22
52 Reisigbündel zu 13 Fr. 4 Cent. 4,30
Arbeitslohn für das Schaben der Kartoffeln und das
Baken des Brodes

18,20
––––––
Gesammtkosten 102,10.

Das Kilogramm Brod kam demnach auf nahe 18 Cent. 33 Mill. und jede Ration auf 4 Cent. 66 Mill.

Vergleicht man nun den Preis dieses Futters mit anderem, so ergibt sich Folgendes:

1) Fütterung mit rohem Hafer und Heu. Hier erhielten die Schafe 1/3 Liter Hafer und nur 0,140 Kilogr. Heu. Dieß machte bei 56 Stüken in 40 Tagen

Hafer 7,50 Hektoliter,
Heu 5,14 metrische Centner.

Diese Quantitäten zum Marktpreis angeschlagen, kosteten:

7,50 Hektol. Hafer zu 10 Fr. 50 Cent. 78,76
3,14 metrische Centner Heu zu 12 Fr. 37,68
––––––
Gesammtkosten 116,43.

2) Fütterung mit Heu allein. Hier hätte das Stük im Tag 0,5 Kilogr. Futter gebraucht, was für 56 Stük in 40 Tagen 11,20 metrische Centner ausgemacht hätte, die, zu 12 Fr. per Centner, 134,40 Cent. ausmachen.

Vergleicht man die drei obigen Resultate, so findet man, daß wegen des Mangels an Futter obiges Brod eine Ersparung gewährte von 14 Fr. 33 Cent. gegen das Futter von Hafer und Heu, und von 32 Fr. 20 Cent. gegen das von Heu allein.

Was die durch diese Fütterung erreichten Vortheile betrifft, so fand Graf Locatelli, daß die mit Brod gefütterten Mutterschafe auf den ersten Blik weit besser aussahen, von festerer und besserer Gesundheit waren als die andern; und zur Zeit des Lammens, daß die Lämmer dieser Schafe schwerer waren als die der andern Thiere derselben Heerde. Auch ist das Brod viel leichter zu verdauen und assimilirt sich viel leichter; die Qualität desselben bleibt sich mehr gleich als das beim Troknen und Aufbewahren so vielen Verschiedenheiten unterworfene Heu.

Dem Einwurfe, daß das Brod den Magen der Thiere nicht genug ausfüllen dürfte, wurde durch Daruntermengen von so viel Stroh, als die Schafe verzehren konnten, begegnet.

Das Brod eignet sich auch sehr um den Thieren Arzneimittel damit einzugeben, welche man nur unter den Teig zu mischen braucht.

Man wird vielleicht denken, daß die erwähnten Vortheile ausschließlich dem hohen Futterpreise zur Zeit dieser Versuche zuzuschreiben seyen; der Verf. aber glaubt dieß nicht, so unvollkommen seine Versuche auch noch seyn mögen, und hofft, daß sie wiederholt und vervollkommnet werden. (Echo du monde savant, 1843, No. 29.)

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