Titel: Conservirung des Holzes durch Beizen in Salzsolen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. LXXIX./Miszelle 4 (S. 319–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/mi088079_4

Conservirung des Holzes durch Beizen in Salzsolen.

Zu den verschiedenen Methoden, das Holz zu seiner Verwendung dauerhafter zu machen, gehört unstreitig auch die Macerirung (Beizung) desselben in concentrirten Salzsolen, ohne alle weitern Beimengungen von andern Salzen.

In dem Gewerbeblatt für Sachsen 1843 Nr. 19 (und daraus im 1sten Aprilheft des polyt. Journals S. 76) ist wegen Einfachheit des Verfahrens vorzüglich das Anstreichen des Holzes mit concentrirter Schwefelsäure empfohlen worden, weil es wenigstens gegen die äußere Einwirkung vollkommen schüzen soll, die innere Conservirung scheint jedoch dabei nicht verbürgt zu seyn, und es ist auch kein physischer und kein chemischer Grund vorhanden, daß hiedurch der innern Fäulniß begegnet werden könnte.

Derselbe Vorwurf trifft nun aber auch das angekohlte und das mit Theer angestrichene Holz; daher es auch erklärlich wird, daß von allen bisher bekannten Methoden das Holz zu conserviren, keine noch zur allgemeinen Anwendung gelangt ist, weil sie sich eben nur auf den Schuz der Oberfläche beschränken, ohne der innern Fäulniß zu begegnen, die mit der äußeren fast gleichen Schritt hält.

Das in Salzsolen gebeizte Holz verbindet aber mit dem sehr langsamen Angriffe der äußern Fäulniß die den obenbemerkten Methoden mangelnde innere Conservirung desselben und zwar so, daß der innere Kern in so lange fest bleibt, bis die äußere Fäulniß von der Oberfläche nach Innen endlich auch zu diesem dringt.

Durch die Beizung des Holzes in concentrirten Salzsolen ist demnach einem Angriffe der Fäulniß und zwar dem gefährlicheren von Innen gewiß begegnet, und einige Thatsachen, von denen man sich bei den Salinen täglich die Ueberzeugung verschaffen kann, mögen hier ihren Plaz finden, um zu zeigen, in wie fern auch dem Angriffe der äußern Fäulniß hiedurch begegnet wird, und in wie ferne diese Methode sich überhaupt zur Anwendung im Allgemeinen eignen dürfte.

Fichten- und Tannenholz, welches bei den Salinen zu Solen-Reservoirs verwendet wird, dauert hundert Jahre und wohl auch noch länger. Es wird nach diesem langen Zeitraum nicht durch Fäulniß unbrauchbar, sondern zerfasert sich nur an der Außenseite und wird endlich so porös, daß die Sole immer stärker durchschwizt, wodurch die Reservoirs bis zum Tropfen und Rinnen unhältig und daher auch unbrauchbar werden. – Ist ein auf diese Art unbrauchbar gewordenes Holz wieder ausgetroknet, so sieht es in seiner innern Textur wie petrificirt aus und wird sehr hart.

An der Oberfläche erscheint es bei trokener Witterung durch das Effloresciren des Salzes wie eingestaubt, und bei feuchter Witterung sieht es feuchtglänzend aus. In seiner Verwendung an trokenen Orten ist seine weitere Dauer fast unabsehbar; in der Erde verbaut, verhält es sich fast eben so, und an Orten, wo es der Einwirkung der Witterung ausgesezt ist, wird dasselbe nach vielfältiger Erfahrung noch den dauerhaftesten Holzgattungen, als Lärchen- und Eichenholz, allgemein vorgezogen.

Die Auslaugung durch Schnee und Regen geht sehr langsam vor sich, die |320| ausgelaugte Oberfläche zieht wieder aus dem Innern Salztheilchen an sich, und erst nach mehreren Jahren zeigt sich dieser Ersaz nicht mehr.

Nach vielfältigen Beobachtungen an solchem bei den Salinen sogenannten sauern Holze, welches 10 bis 12 Jahre der Einwirkung der Witterung ausgesezt war, hat die Auslaugung kaum eine Linie tief eingegriffen, und auch diese ausgelaugte Oberfläche war nicht verfault, sondern ist nur weicher und faserig geworden, wird dann in einem solchen Falle diese Oberfläche weggenommen, so tritt dann wieder dieselbe Procedur der Auslaugung und die Zerfaserung der Oberfläche ein, jedoch mit dem Unterschiede eines schnelleren Turnus, für jeden Fall aber noch immer nicht so schnell, als bei frischem nicht gebeiztem Holze gleicher Gattung, welches in 8 bis 10 Jahren längstens bis ins Innere zerstört ist, und dessen Fäulniß von Innen nach Außen greift.

Alle diese Beobachtungen beziehen sich übrigens nur auf solches Holz, welches viele Jahre der Einwirkung der Salzsolen ausgesezt war und von welchem auch diese Erfahrung vorliegt; ob sich dieses Verhalten aber auch bei demjenigen Holze gleich bleibt, welches nur kürzere Zeit gebeizt, jedenfalls aber ganz imprägnirt wurde, läßt sich aus der Erfahrung noch nicht nachweisen, obwohl es sich immerhin mit gutem Grunde vermuthen läßt.

Wie mühelohnend aber ein dießfälliger Versuch wäre, dürfte der jezige Zeitpunkt der bedeutenden Holzverwendung zu den Eisenbahnen eben so rechtfertigen, als die leichte und unkostspielige Ausführbarkeit, wenn hiezu die vielfältigen unbenüzbaren Salzabfälle bei den Salinen verwendet würden. (Archiv für Eisenbahnen, 1843, Nr. 5.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: