Titel: Anwendung gläserner Röhren bei Brunnen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. C./Miszelle 5 (S. 398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/mi088100_5

Anwendung gläserner Röhren bei Brunnen.

In Oesterreich ist den Beamten auf der gräflich Dietrichstein'schen Glas- und Spiegelfabrik bei Protiwanow, Th. Höcker und J. Schön ein Privilegium auf die Anwendung gläserner Röhren bei Brunnen ertheilt worden, über welche Erfindung die Privilegien-Inhaber im innerösterreichischen Industrie- und Gewerbeblatt folgendes Nähere veröffentlichen.

1) Als Brunnenröhren werden 3 Schuh lange, oder auch längere, 2 oder auch mehrere Zoll im innern Durchmesser des Hohlraumes haltende, 1/4 Zoll in der Glasmasse starke, nach Umständen aber auch stärkere Glasröhren angewendet, die, an ihren Enden genau abgeschliffen, an einander gestellt, an dem Berührungspunkte mit gewöhnlichem Wasserkitt umstrichen, mit einem 3 Zoll breiten eisernen Ringe umgeben, und zwischen demselben und dem Glasrohre verkeilt, an senkrecht an einander gestellte 3 Zoll starke, zwei Klafter lange, nach Umständen und Nothwendigkeit auch kürzere oder längere Pfosten, die mittelst Stäben an die Brunnenterrasse angemacht werden müssen, durch hölzerne, an diese Pfosten angeschraubte Baken befestigt, und wie es sich von selbst versteht, nach der Tiefe des Brunnens verlängert, zum Herauffördern des Wassers aus demselben benüzt werden.

2) Der zu dieser gläsernen Pumpenvorrichtung nöthige Pumpenstiefel ist gleichfalls aus Glas, hat 4 Zoll im Durchmesser des innern Hohlraumes, aber den nach Unten zu stellenden Rand etwas trichterförmig ausgebogen, den obern Rand aber eben so, wie es bei den Glasröhren der Fall ist, abgeschliffen, ist jedoch an diesem mit einem aus Glasmasse bestehenden Randwulst von ungefähr 1/4 Zoll versehen, wo er mittelst zwei eisernen Ringen und zwei Schrauben an die Glasröhren befestigt wird.

3) Das Herausschaffen des Wassers durch die gläsernen Röhren geschieht mittelst einem gewöhnlichen Hebwerke und zwei Ventilen aus Messing, jedoch in der Art, daß das eiserne Hebgestänge außerhalb und neben den gläsernen Röhren angebracht ist und in dem oben erwähnten, zur Festhaltung dieser Röhren bestimmten, an die Pfosten festgeschraubten hölzernen Baken sich bewegt, woraus sich ergibt, daß im Innern der gläsernen Röhren außer den zwei Ventilen durchaus keine metallene Vorrichtung besteht.

4) Der Auslauf für das Wasser aus den Röhren wird gleichfalls mittelst einem gläsernen gebogenen Rohre von demselben Durchmesser, den die Röhren haben, welches an dieselben auf die oben beschriebene Art befestigt ist, bewerkstelligt.

5) Die Verfertigung der gläsernen Röhren geschieht auf die in den Glashütten zur Herstellung der Hohlgläser übliche Weise, nur wird als Flußmittel bloß allein entweder Potasche oder Glaubersalz, keineswegs aber als Zusaz Arsenik angewendet.

Der Zwek dieser gläsernen Pumpenvorrichtung ist, damit ein durchaus reines Brunnenwasser, welches bei hölzernen oder metallenen Röhren gewöhnlich einen Nebengeschmak erhält und Metalltheile aufgelöst enthält, aus dem Brunnen geschöpft werden kann, wobei überdieß auch noch der Umstand eintritt, daß die Herstellung einer derlei gläsernen Pumpenröhrenvorrichtung im Vergleiche zu den gewöhnlichen hölzernen oder metallenen Pumpenröhren mit geringeren Kosten verbunden, sohin wirthschaftlicher ist. (Gewerbeblatt für Sachsen 1843, Nr. 35.)

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