Titel: Neues Dungpulver.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. C./Miszelle 9 (S. 400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/mi088100_9

Neues Dungpulver.

Diese dem Dominic Frick Albert von Cadishead bei Manchester patentirte Erfindung besteht in dem wohlfeilen Verbinden des Dungcomposts mit der Ernährung der Pflanzen förderlichen Säuren, Alkalien und Salzen.

Man macht zuvörderst eine Mischung von vier Classen Ingredienzien, und zwar 1ste Cl. 7 Theile ammoniakalisches Wasser von Gaswerken oder 4 Theile der zum Entfetten wollener Stoffe benuzten ammoniakalischen Flüssigkeit etc. 2te Cl. 6 Thle. Menschenexcremente, welche vorher durch ein grobes Sieb von den fremdartigen Körpern gereinigt wurden. 3te Cl. 6 Thl. Blut, thierische Gallerte, Fasern oder Hüllen; Fleisch und Haut werden vorher zu einer weichen Masse gekocht, um das Zermalmen und Zerhaken zu ersparen. 4te Cl. 2 Thle. Pferde- oder Kuhdünger. – Diese Stoffe werden in einer großen Kufe oder einem gemauerten Reservoir zu einem Teig durcheinander gemengt und ihre flüchtigen ammoniakalischen Bestandtheile dabei durch Zusaz von 2–3 Proc. Salzsäure (oder Schwefelsäure) gebunden.

Dieser Composition wird nun ein Pulver beigemengt, welches wieder aus 5 Classen von Substanzen besteht und zwar: 1ste Cl. 4 Thle. Holzkohlenpulver; 2te Cl. 2 Thle. chromsauren, schwefelsauren, oder salzsauren Kalks oder schwefelsäurehaltigen Thons. 3te Cl. 1 Thl. gepulverten Alaunschiefers. 4te Cl. 1 Thl. Pflanzenasche oder Alkali-Silicate, wie die Abfälle der Glashütten. 5te Cl. 1 Thl. Kochsalz. Dieser Dünger kann unter einem Dache bei gutem Luftzug oder in Trokenstuben ausgetroknet werden, wirkt aber weit schneller in feuchtem Zustand. Er wird mittelst einer Schaufel ausgebreitet.

In Ermangelung einiger der obigen Ingredienzien können andere ihre Stelle vertreten und zwar 1ste Cl. Menschen- und Thierharn, 2 Thle. des erstern und 3 Thle. des leztern; 2 Thle. Knochenmehl, in ihrem halben Gewicht Schwefelsäure macerirt, statt 5 Thle. Urin. 2te 3te und 4te Cl. alle Arten thierischer Abfälle, wie der Bodensaz von den Talglichterziehern, wollene Lumpen, Kalkabfälle aus Gerbereien, welche viele Haare, Schabsel und Schnizel von den Häuten etc. enthalten, Knochenkohle aus den Berlinerblau-Fabriken, die mit Oehl imprägnirten Abfälle der Baumwollspinnereien, die Abfälle der Leimsiedereien etc.

Hinsichtlich des Pulvers kann substituirt werden: 1ste Cl. gleiche Quantitäten Ruß und Holzkohle; 2te Cl. die Abfälle der Seifensiedereien, wo Kelp verarbeitet wird, gepulverte Austerschalen; 3te Cl. der Schiefer kann statt durch Reiben, auch durch Verwitterung in Pulver verwandelt werden; 4te Cl. das Seifenwasser aus den Fabriken wird in einer Cisterne aufgefangen und mit den erwähnten Mineralsubstanzen versezt; das Wasser verdampft und hinterläßt das Fett und das Aezkali mit den anderen Substanzen verbunden zurük; 5te Cl. die schlechteste Sorte Steinsalz oder alle Arten Seepflanzen getroknet und zu Pulver gerieben oder calcinirt, oder auch die animalisirten Salzabfälle vom Einsalzen des Schweinefleisches etc. (Chemical Gazette, 1843, No. 12.)

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