Titel: Ueber die Verhinderung der Steuer-Defraudationen durch Abscheidung des Weingeists aus dem sogenannten Leuchtspiritus.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. CXVI./Miszelle 4 (S. 464–465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/mi088116_4

Ueber die Verhinderung der Steuer-Defraudationen durch Abscheidung des Weingeists aus dem sogenannten Leuchtspiritus.

In französischen Journalen wird seit Kurzem die Anwendung des Weingeistes in Vermischung mit Terpenthinöhl als Beleuchtungsmaterial vielfach besprochen; die bei uns längst bekannten Leuchtspiritus- oder Dampflampen (man vergleiche Dr. Luedersdorff's Abhandlung darüber im polytechn. Journal, Jahrg 1836 Bd. LX S. 166) finden solchen Beifall, daß dem Vorschlage, den Weingeist zu den Zweken der Beleuchtung unbesteuert zu lassen, entsprochen werden dürfte. In diesem Falle ist es aber, um Benachtheiligungen des Aerars vorzubeugen, nöthig, daß man die als Beleuchtungsmaterial dienende Flüssigkeit (4 Maaße Weingeist von 93 Proc. nach Tralles'schem Alkoholometer und 1 Maaß Terpenthinöhl) mit irgend einem Zusaz versehen kann, in Folge wovon der in ihr enthaltene Weingeist entweder gar nicht mehr so abgeschieden werden kann, daß er trinkbar ist, oder daß wenigstens seine Extraction schwierig genug wird, um keinen Vortheil mehr darzubieten. Der Präfect des Dept. de l' Hérault ernannte eine Commission, welche diese Aufgabe zwar nicht vollständig, aber doch annähernd und genügend gelöst hat, wie man aus folgenden im Echo du monde savant 1843, No. 36 mitgetheilten Resultaten ihrer Versuche ersieht.

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Durch bloße Destillation kann man eine Mischung von Weingeist und Terpenthinöhl, woraus die Beleuchtungsflüssigkeit besteht, nicht in ihre beiden Bestandtheile zerlegen. Man gelangt hingegen dahin, wenn man diese Flüssigkeit nach einander mit Wasser und mit fettem Oehl behandelt. Der Branntwein, welchen man so bekommt, enthält noch Spuren von Terpenthinöhl, kann aber streng genommen als Getränk benuzt werden. Diese Behandlung führt sogar noch zu demselben Resultat, wenn man die Beleuchtungsflüssigkeit vorher mit etwas Dippel'schem Oehl, Creosot, Gastheer oder gewissen scharfen Oehlen (wie Thymian-, Rosmarin-, Spiköhl etc.) versezt.

Bringt man Schwefeläther in die Beleuchtungsflüssigkeit, so kann auch dieser leicht abgeschieden werden und er verhindert keineswegs daraus einen trinkbaren Branntwein darzustellen.

Versezt man die Beleuchtungsflüssigkeit mit ungefähr 1/400 Coloquinten, so erhält sie eine außerordentliche Bitterkeit, welche nach der Behandlung mit Wasser und fettem Oehl bleibt, so daß der Weingeist ganz untrinkbar wird. – Außer der Behandlung mit Wasser und Oehl wäre also noch eine zwekmäßig geleitete Destillation nöthig, wenn man den Weingeist aus einer solchen Flüssigkeit in trinkbarem Zustande abscheiden wollte, und das Erforderniß dieser Operation dürfte eine hinreichende Garantie gegen die Benachtheiligung des Aerars darbieten, weil Destillationen in gewissem Maaßstabe unmöglich in den Städten verheimlicht werden können, wo die Branntweinsteuer eingeführt ist.

Der Kampher bietet gegen die Coloquinten noch besondere Vortheile dar, denn er bleibt mit dem Weingeist verbunden, nicht nur nach der Behandlung der Beleuchtungsflüssigkeit mit Wasser und Oehl, sondern auch Nach der Destillation. – Vielleicht wird man ihn also den übrigens sehr wohlfeilen Coloquinten vorziehen, obgleich die bei Anwendung der leztern nöthige Destillation dem Betrug schon Schwierigkeiten genug darbieten dürfte.

Um alle mögliche Garantie zu haben, brauchte man aber die Beleuchtungsflüssigkeit bei ihrer Einfuhr in die Städte außer den Coloquinten nur noch mit einer kleinen Menge schweren Salzäthers zu versezen. Leztere Substanz bleibt bei den verschiedenen Operationen, welche man behufs einer Steuer-Defraudation mit der Flüssigkeit vornehmen könnte, immer in Verbindung mit dem Weingeist; litt etwas gewandter Chemiker könnte daher sicher ausmitteln, ob eine geistige Flüssigkeit wirklich aus einer Beleuchtungs-Mischung gewonnen worden ist.

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