Titel: Ueber die Beleuchtung mit Steinkohlenöhl, Schieferöhl etc. nach dem Verfahren von Busson und Rouen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. CXVI./Miszelle 5 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/mi088116_5

Ueber die Beleuchtung mit Steinkohlenöhl, Schieferöhl etc. nach dem Verfahren von Busson und Rouen.

Die flüssigen Kohlenwasserstoffarten, welche in so größer Menge in Form von Schieferöhl, Steinkohlenöhl, Terpenthinöhl etc. gewonnen werden, lassen sich nun ohne Beimischung von Weingeist nach dem neuen Verfahren von Busson und Rouen zur Beleuchtung benuzen. Diese wesentlichen Oehle enthalten so viel Kohlenstoff, daß man bisher nicht im Stande war, ihren Rauch mit den wirksamsten Zuggläsern zu verbrennen. Das sehr einfache Verfahren, welches die genannten Chemiker anwenden, beruht auf folgender Thatsache.

Wenn man einen Dampfstrahl von Schieferöhl, Steinkohlenöhl etc. unter einem Druk von 1 bis 6 (Zentimeter Queksilber frei in die Luft ausströmen läßt, so verbrennt er nach dem Anzünden ohne Rauch und diese vollkommene Verbrennung rührt gerade von dem überschüssigen Kohlenstoff her, welchen dieser Dampf enthält; das Heilmittel liegt also in der Ursache des Uebels selbst. Nur deßhalb, weit der Oehldampf sehr viel Kohlenstoff enthält und mit viel Ruß verbrennt, ist er weniger entzündlich als z.B. der Alkoholdampf und es folgt daraus, daß wenn man dem Strahle dieses Dampfes eine gewisse Geschwindigkeit gibt, er sich über der Austrittsöffnung nicht mehr entflammen wird, sondern bloß einige Zentimeter von dieser Oeffnung entfernt, an dem Punkte, wo einerseits seine Geschwindigkeit sich beträchtlich vermindert und wo andererseits er sich eine zur vollständigen Verbrennung hinreichende Menge Luft (fein 4- bis 5faches Volumen) angeeignet haben wird.

Nach diesem Princip ließ sich leicht ein sehr einfacher Apparat construiren, welchen man sich als einen Umgekehrten Heber vorstellen kann, dessen großer Schenkel sich in eine Erweiterung endigt, die als Reservoir dient und dessen kleiner Schenkel mit einer Verengerung endigt, welche den Dampfstrahl liefert. |466| Man braucht nun bloß auf dem Ende des kleinen Schenkels, durch welches der Strahl austritt, ein kurzes metallenes Zugrohr anzubringen, worin die Entflammung vorgenommen und unterhalten wird, so daß also die Entstehung der blauen, wenig leuchtenden Flamme auf dieses Zugrohr beschränkt bleibt, um es zu erhizen und die Verdampfung zu unterhalten, während die über das Zugrohr hinaus verlängerte Flamme das lebhafteste Licht verbreitet.

Sperrt man dieses Zugrohr oben mit einem Dekel ab, worin mehrere kreisförmige Löcher von 2 bis 4 Millimeter Durchmesser angebracht sind, so entweicht daraus die Flamme als eine Krone in sehr regelmäßiger Form; die Verbrennung erfolgt dann auch ruhiger und weniger rauschend.

Die Flamme ist sehr schön und kommt an Lichtintensität wenigstens derjenigen des öhlbildenden Gases gleich.

Abgesehen von dem wissenschaftlichen Interesse, welches die Erfindung der HHrn. Busson und Rouen darbietet, ist sie besonders in ökonomischer Hinsicht wichtig. Wenn man sich, wie es wahrscheinlich ist, das Material zu dieser Beleuchtung für 20 Fr. die 100 Kilogr. verschaffen kann, so würden sich die Kosten der neuen Beleuchtungsmethode verhalten

zur Gasbeleuchtung wie 1 zu 6;
Oehlbeleuchtung wie 1 zu 8;

man könnte also für denselben Preis, mit Gewinn, viermal so viel Licht als bei der Gasbeleuchtung und sechsmal so viel als bei der Oehlbeleuchtung liefern. (Aus den Comptes rendus, Mai 1843, Nr. 21.) Die französische Akademie der Wissenschaften hat eine Commission zur Prüfung dieser neuen Beleuchtungsmethode ernannt.

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