Titel: Ueber Vorster's Asphaltbereitung aus Torf.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 88, Nr. CXVI./Miszelle 6 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj088/mi088116_6

Ueber Vorster's Asphaltbereitung aus Torf.

Zeitungsartikeln zufolge sollte die belgische Regierung im Anfang d. J. einem Hrn. Vorster aus Coesfeld in Westphalen ein Patent auf ein von ihm erfundenes neues harziges Product ertheilt haben, welches angeblich aus aufgelöstem Torf gebildet wird, und ein dem Asphalt vollkommen gleiches, wenn nicht an Glanz, Festigkeit und Glätte noch vorzüglicheres Material liefert. Die günstigen Zeugnisse, welche über die Qualität dieses Stoffs beigebracht waren, und worunter hauptsächlich auf das Gutachten des Conseil de salubrité publique in Brüssel Bezug genommen war, veranlaßten die Direction des Gewerbvereins für das Königreich Hannover, sich an lezteren zu wenden, um nähere Aufschlüsse über das Verfahren des Hrn. Vorster zu erhalten, welches, wenn es den gemachten Verheißungen entsprach, für alle torfreichen Länder von großer Wichtigkeit werden könnte. Nach der Erwiederung des gedachten Conseil und dem von demselben mit dem Vorster'schen Verfahren vorgenommenen Examen wird der Torf einer starken Hize ausgesezt, nachdem indeß vorher eine besondere Präparation desselben stattgefunden hat, die je nach den Zweken verschieden ist, zu denen das daraus zu gewinnende Harz bestimmt ist. Dieses Harz soll den Asphalt in jeder Hinsicht ersezen können und dem Asphalt von Seyssel vollkommen gleich, für den Einfluß von Wasser und Säuren unempfindlich seyn, und sich mit allen anderen selbst feuchten Stoffen so eng verbinden, daß eher diese als die Harzmasse zerbrechen etc. – Ueber das Herstellungsverfahren selbst war daher eine nähere Auskunft nicht gegeben. Leztere aber ward der Direction dadurch zu Theil, daß sie durch den Hrn. Kaufmann Heinrich Westendarp in Osnabrük ersucht wurde, ein Verfahren der Bereitung von Asphalt aus Torf, in dessen Besiz sich derselbe, dem Vernehmen nach durch Ankauf des Vorster'schen Geheimnisses, befinde, einer Prüfung und Begutachtung zu unterziehen. Diese Prüfung ist durch eine directionsseitig ernannte Commission vorgenommen. Ueber das Verfahren selbst kann, weil dessen Geheimhaltung auf Verlangen zugesichert worden ist, etwas Näheres nicht angegeben und nur so viel gesagt werden, daß nach dem erstatteten Gutachten der Commission die Verheißungen, welche man von diesem Verfahren hat machen wollen, keineswegs als gegründet anzunehmen sind und die Wichtigkeit desselben für eine größere Verwerthung des Torfes sich als erheblich nicht darstellt. Es ist nämlich dargethan, daß die vermeinte Umwandlung des Torfes in Harz keineswegs stattfindet, sondern der ganze Proceß seinem Wesen nach darauf hinausläuft, den fein zertheilten Torf in unverändertem Zustande mit dem aus den übrigen Zuthaten resultirenden Harze (welches an sich |467| ein längst bekanntes Product ist) zu incorporiren – woher es auch rührt, daß das Torfpulver vollständig wieder gewonnen wird, wenn man den sogenannten Torfasphalt mit Terpenthinöhl auszieht, in welchem das Harz sich auflöst. (Aus den Mittheilungen des Gewerbvereins für das Königreich Hannover, 1842, 31ste Lieferung.) Dadurch ist nun ein von Dr. Schütte in der Augsb. Allg. Zeit, erschienener Artikel über den Vorster'schen Torfasphalt, welcher auch im polyt. Journal (Bd. LXXXVI S. 155) und anderen technischen Zeitschriften aufgenommen wurde, auf seinen wahren Werth zurükgeführt.

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