Titel: Jonas, über die Bereitung des Grünspans.
Autor: Jonas, L. E.
Fundstelle: 1843, Band 89, Nr. XXXIII. (S. 120–122)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj089/ar089033

XXXIII. Ueber die Bereitung des Grünspans, namentlich des neutralen essigsauren Kupferoxyds. Von L. E. Jonas, Apotheker in Eilenburg.

Aus Erdmann's und Marchand's Journal für praktische Chemie, 1843, Nr. 11.

Es ist bekannt, daß die Techniker drei Sorten Grünspan der Farbe nach unterscheiden, welche aus der verschiedenen basischen Beschaffenheit und dem Säuregehalt des Salzes hervorgehen:

a) blauen gemeinen Grünspan, halbessigsaures Kupferoxyd;

b) grünen gemeinen Grünspan, ein Gemenge von zweidrittel und drittelessigsaurem Kupferoxyd, und

c) krystallisirten destillirten Grünspan in Trauben, neutrales essigsaures Kupferoxyd (Berzelius).

Alle diese Kupfersalze kommen größtentheils durch den Handel zu uns aus Frankreich, und ihre Bereitungsarten sind in jedem guten Lehrbuche der Chemie angegeben.

Um diese Kupfersalze anderweitig darzustellen, veröffentliche ich folgende kleine praktische Versuche.

Dreibasisches Kupferchlorür (Braunschweiger Grün im frisch gefällten Zustande) wird mit Ammoniakflüssigkeit bis zur Auflösung versezt, hierauf Essigsprit oder concentrirter Essig im Ueberschusse zugethan. Ist ersterer angewandt, so wird die Flüssigkeit zur Hälfte verdunstet, unter Anwendung des lezteren erfolgt augenblikliche Grünspanbildung, wenn das Ganze bis zur Temperatur des Kochens erhizt wird. Mittelst Seihetuch oder Filter ist die Sonderung zu bewerkstelligen.

Um die zweite Sorte auf ähnlichem Wege zu bereiten, bedarf es des neutralen Salzes.

Eine interessante Erscheinung bietet sich dar, nimmt man eine beliebige Menge pulverisirten schwefelsauren oder salpeter-salz sauren |121| Kupferoxyds, löst selbiges in starkem Salmiakgeiste unter Temperaturunterstüzung bis zur völligen Neutralisation und sezt dieser Flüssigkeit das Doppelte an Gewicht des Salzes concentrirten Essig, also im Ueberschusse, zu und bringt es zum Kochen, so entstehen unter eigener Temperaturerhöhung während des Erhizens sofort auf der Oberfläche feine grüne zusammenhängende Krystalle von neutralem essigsaurem Kupferoxyd, die durch Umrühren präcipitiren und so der Neubildung solcher Krystallgruppen Raum geben. Der Hergang dieser Salzbildung geht so schnell von Statten, daß die Flüssigkeit binnen kurzer Zeit in zwei Theile getheilt wird, wovon der obere, durchsichtig und klar, eine grünliche Farbe behält, der untere nichts als schöne, seidenartig glänzende Krystalle sind. Sie werden auf einem Seihetuch oder Filter gesammelt und getroknet.

So erhält man aus 2 Pfd. Kupfervitriol genau 1½ Pfd. Grünspankrystalle, welche in der Technik völlig den französischen in Krystallen ersezen. Sie unterscheiden sich durch eine hellere grüne Farbe und leichtere Auflöslichkeit in Wasser.

Aus dem sich selbst überlassenen Rükstande schießen dagegen Krystalle dieses Salzes an, wenn jene mehr verdünnte Kupfersalzlauge sich selbst überlassen bleibt, die mit den französischen ganz identisch sind.

Der Rükstand, welcher mittelst Braunschweiger-Grüns verbleibt, wird zur Darstellung des lezteren auf bekannte Art wie Salmiak benuzt, wogegen der von obigem Salze, abgedunstet (durch Destillation der überschüssige Essig wieder gewonnen), ein Doppelsalz von schwefelsaurem Kupferoxyd mit schwefelsaurem Ammoniak liefert, das, dem Aeußern des Kupfervitriols sehr ähnlich, theils für sich technisch anwendbar, theils zur Darstellung von Salmiakgeist zu benuzen ist, oder von Neuem mit Salmiakgeist und concentrirtem Essig zur Grünspanbildung benuzt wird. Es geht somit in dieser Fabrication an Material nichts verloren, in Folge dessen es meine Absicht war, mir hierauf ein Patent zu lösen; allein bei strengster Berechnung stellte sich dennoch ein höherer Preis heraus, als der des durch den Handel bezogenen ist.

Die Theorie, welche dieser so schnellen Bildung des neutralen essigsauren Kupferoxyds zum Grunde liegt, ist leicht zu finden in der Bildung von schwefelsaurem, salpetersalzsaurem Kupferoxyd-Ammoniak (drittel-schwefel-salpetersaurem Kupferoxyd-Ammoniak), das durch die Essigsäure im Ueberschusse zersezt wird.

Allem Vermuthen nach spielen selbst bei der Bildung des Grünspans in den Fabriken, wo mit Weintrestern und Weinstein gearbeitet wird, die stikstoffhaltigen, Ammoniak liefernden, durch Gährung |122| entstandenen sauren Flüssigkeiten eine Hauptrolle, indem sich jenes Salz so leicht aus Kupfer-Ammoniak darstellen läßt.

Das nach obiger Art dargestellte neutrale essigsaure Kupferoxyd ist zu pharmaceutischen Zweken, als zur Bereitung des Oxymel Aeruginis, Grünspantinte, Kupferoxydbildung mittelst Zuker, als Reagens u. s. w. sehr vortheilhaft zu verwenden, indem man es in der kleinsten Menge mittelst einer Abrauchschale jeden Augenblik darstellen kann, zugleich belehrend für Anfänger.

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