Titel: Das eiserne Dampfschiff Great-Britain.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 89, Nr. XX./Miszelle 2 (S. 76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj089/mi089020_2

Das eiserne Dampfschiff Great-Britain.

Folgende Details über die Vorzüge der eisernen Dampfschiffe und die Erbauung des großen eisernen Dampfschiffes Great-Britain auf der Werfte zu Bristol verdanken wir Hrn. Smith.

Das Gesammtgewicht eines eisernen Schiffes ist geringer als das eines eben so großen Schiffes von Holz; für die Waaren bleibt mehr Plaz und bei großen Schiffen kommt die Erbauung derselben wohlfeiler; außerdem kosten die Unterhaltung und die Reparatur auch weniger. Zerlegt man die Schiffe, so ist das Eisen mehr werth als das Holz. Die hölzernen Schiffe leiden sehr durch ihre verschiedenen Bewegungen; die eisernen Schiffe aber, deren Körper aus zusammengenieteten Blechen besteht, leiden keinen Schaden dadurch; die Einwirkung der Stöße ist bei hölzernen Schiffen so groß, daß die Maschinen mit dem Kiele nicht fest verbunden werden könnten, ohne daß das Zimmerwerk der Maschine in Stüke ging. Bei den eisernen Schiffen hingegen findet dieser Zusammenhang statt und das Schiff wird durch die Maschine selbst verstärk. Im Fall eines Brandes gewähren die eisernen Schiffe weit mehr Sicherheit; sie sind viel leichter in abgeschlossene Räume abzutheilen, was sie sehr gegen die Gefahr des Untergehens schüzt. Die eisernen sind auch frei von Ratten und sicher vor dem Lekwerden.

Der Great-Britain hat sechs Mastbäume. Alle, mit Ausnahme des Hauptmastes, können umgelegt werden, wie die Maste der Sloops. Die Maschinen sind von großer Kraft und der Treibapparat ist die Schraube. Von einem Ende zum anderen ist das Schiff 320 engl. Fuß (97,53 Meter) lang; es faßt 4000 Tonnen. Seine Länge beträgt 60 Fuß mehr als beim größten Kriegsschiff. Der Kamin hat 8 Fuß im Durchmesser. Die diksten Eisenblechstüke, von welchen der Kiel gemacht ist, sind ⅝ Zoll engl. (1, 58 Centimeter, 15 Millim.) dik; die dünnsten 5/16; Zoll (etwas weniger als 8,793 Millim.) dik. Eiserne Verschläge theilen das Schiff in vier Theile ab und verstärken das Gerippe desselben. Die als Treibapparat dienende Schraube hat 16 Fuß Durchmesser. — Die vier Maschinen haben 1000 Pferdekräfte und werden durch 24 Oefen geheizt, welche täglich 70 bis 80 Tonnen Steinkohle verzehren. — Die ganze Arbeit steht unter der Leitung des Hrn. Brunel, den jüngeren. — Die großen Dimensionen des Schiffes müssen die Erbauung desselben verhältnißmäßig wohlfeil machen. Die Kleinheit der dem Wind entgegengesezten Oberfläche läßt eine große Geschwindigkeit erwarten, so daß man zwei bis drei Tage an der kürzesten Ueberfahrt, welche je von Amerika nach England stattfand, noch zu ersparen hofft.

In Bezug auf mehrere Einwendungen gegen die eisernen Schiffe behaupten die HHrn. Smith und Holland, daß dieselben gegen den Bliz gesicherter sind. als die hölzernen, weil das nach allen Seiten hin sich zerstreuende elektrische Fluidum seine Kraft verliert. Uebrigens werden auf den Masten kupferne Ableiter angebracht, wie bei anderen Schiffen. — Es wurden Versuche angestellt hinsichtlich der Wirkung der Kanonenschüsse auf die eisernen Schiffe; es ergab sich, daß die Kugel ein rundes, reines Loch durchschlägt, welches viel leichter zu verstopfen ist, als die zerrissenen Löcher im Holz. (Aus dem Moniteur industriel, 1843, No. 724.)

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