Titel: Anwendung von Zinkblech als Schuzmittel für eiserne Dampfkessel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 89, Nr. XX./Miszelle 3 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj089/mi089020_3

Anwendung von Zinkblech als Schuzmittel für eiserne Dampfkessel.

Auf der Steinkohlengrube Friedrich Wilhelm im Bruninghauser Reviere des märkischen Bergamtsbezirks werden die aus dem Schacht gehobenen Wasser zur Condensation der Dämpfe der Maschine und zur Speisung der Dampfkessel gebraucht. Diese Wasser enthalten eine kleine Quantität mit Eisenoxyduloxyd |77| verbundener Schwefelsäure, welche auf die Theile der Maschine und des Kessels, an denen Bewegung und Reibung eintritt, sehr nachtheilig wirkt. Es werden die Pumpenröhren, vorzüglich die Kolbenröhren, die Lustpumpe und die Ventile bei der Wasserhaltungsmaschine auf jener Kohlengrube so stark angegriffen, daß man, um das häufige Liedern zu vermeiden, zur Anwendung von Metalllegirungen für diese Theile übergehen mußte. Dadurch ließ sich aber ungeachtet bedeutender Kosten die nachtheilige Einwirkung der sauren Wasser nur vermindern, aber nicht völlig unschädlich machen.

Da man auf den Steinkohlengruben von Obernkirchen die Erfahrung gemacht hatte, daß in den Pumpensäzen der dortigen Wassersäulenmaschine durch Umwinden der Kolbenstange mit Zinkstreifen der Kolben gegen die Einwirkung der sauren Wasser geschüzt werde, so war man bemüht, von dieser Erfahrung auch bei dem Dampfkessel der Friedrich Wilhelms Dampfmaschine Gebrauch zu machen.

Um den Kessel gegen das Zerfressen durch die sauren Wasser sicher zu stellen, schien es nur nöthig zu seyn, eine einfache galvanische Kette durch an dem Kesselblech befestigte Zinkstreifen zu bilden, so daß das Eisenblech des Kessels den negativen, das Zink den positiven Elektromotor bilden müssen, also das Eisen durch die Zinkstreifen qeschüzt bleiben werde. Es wurden deßhalb die inneren Wände desselben ringsum in der Höhe des Wasserspiegels mit Zinkplatten von 9 Zoll Breite und 3/16 Zoll Stärke belegt und durch Klammeisen befestigt. Weil es sich bei dieser Armirung darum handelte, die Kesselwände möglichst zu schonen, zugleich aber auch die abgenuzten Zinkstreifen schnell gegen neue auswechseln zu können, so wählte man eine solche Vorrichtung, bei welcher das Zinkblech nicht unmittelbar durch Nieten oder Schrauben an dem Eisenblech der Kesselwände befestigt, sondern mittelst einer Art von Leitung eingeschoben ward, gleichwohl aber in vollkommener Berührung mit dem Eisen blieb. Die Kammern, welche die Leitung oder die Coulisse bilden, in welche die Zinkstreifen eingeschoben werden, sind an dem Kesselblech angenietet und müssen so nahe an einander stehen, daß sich die Zinkstreifen nicht durchbiegen können. Die Zwekmäßigkeit dieser Vorrichtung hat sich bei späterer Auswechselung der Streifen ergeben.

Die Erfahrung lehrte, daß sich ein bedeutender Vortheil in pecuniärer Hinsicht für die Armirung der Kessel bei sauren Speise- und Condensationswassern mit Zinkplatten herausstellt; hinsichtlich der Sicherheit und Zuverlässigkeit der Kessel aber außerdem noch dadurch, daß die Kessel nicht an einzelnen Stellen stärker als an anderen angegriffen werden, sondern eine gleichmäßige Stärke behalten und so dem Dampfdruk besser zu widerstehen vermögen. (Auszug aus Karsten's Archiv Bd. XVII S. 804.)

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